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Claudia Pechstein gewann erstmals 1996 in Hamar einen WM-Titel © getty

Claudia Pechstein will in einem Langzeittest ihre Unschuld beweisen. Franke wird am Entwurf der Studie nicht mehr teilnehmen.

München - Claudia Pechstein muss im Kampf gegen ihre Zweijahressperre künftig auf die Expertenmeinung von Doping-Jäger Werner Franke verzichten.

Um "Missverständnisse zu vermeiden", hat der Heidelberger Molekularbiologe und Pechstein-Kritiker seine Mitarbeit am Entwurf der viel diskutierten Langzeitstudie, die die Eisschnelllauf-Olympiasiegerin entlasten soll, überraschend beendet.

Doch auch ohne die abschließende Beurteilung durch Franke wird Pechstein den Test-Vorschlag in Kürze der Nationalen Antidoping-Agentur (NADA) zur Prüfung vorlegen.

"Ich möchte mich damit nicht mehr belasten"

"Ich habe bereits bei zahlreichen unklaren Lagen beratend mitgewirkt. Das wird häufig missverstanden. Das möchte ich diesmal vermeiden", sagte Franke.

"Die Wissenschaft dient der unvoreingenommenen Klärung einer Sache, sie ergreift nicht Partei für eine Person. Das gilt auch im Fall Pechstein, in dem ich mich nicht dem Vorwurf aussetzen will, voreingenommen zu sein."

Er habe Pechsteins Manager Ralf Grengel mitgeteilt, dass er "mit dieser Sache nichts mehr zu tun" haben wolle: "Ich möchte mich damit nicht mehr belasten."

Pechsteins Berater ist überrascht

Grengel reagierte enttäuscht. "Zunächst die Grundlagen zu liefern und dann die Endfassung nicht mehr bewerten zu wollen, ist für mich rational nicht zu erklären", sagte Pechsteins Berater überrascht.

"Schade, ich hätte in Frankes abschließender Beurteilung gerne gelesen, was er davon hält, dass seine ganz harten Regeln, die er aufgestellt hat, durch andere Expertenmeinungen noch zusätzlich verschärft wurden."

Es sei nicht einfach, so viele verschiedene Expertenmeinungen auf einen Nenner zu bringen. Auch ohne zusätzliche Ratschläge von Franke ist sich Grengel sicher, "dass wir eine konzeptionell gute Grundlage für einen aussagekräftigen Langzeittest zur Prüfung auf den Weg in Richtung NADA bringen werden".

Sechs Expertenmeinungen für den Test

Frankes Ideen sind darin weiterhin enthalten, zusätzlich die von fünf anderen Experten, darunter Pechstein-Kritiker Klaus Pöttgen, medizinischer Leiter des Frankfurter Ironman-Triathlons.

Auch Fritz Sörgel, Vorsitzender des Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung in Heroldsberg, hatte öffentlich angekündigt, mitwirken zu wollen.

Sechs Wochen unter Aufsicht

Pechstein will sich unter NADA-Aufsicht einem voraussichtlich sechswöchigen Test unterziehen. Die Studie soll vor allem die ungewöhnlichen Schwankungen der Retikulozyten-Werte in ihrem Blut erklären, die nach Meinung des Eislauf-Weltverbandes ISU einen Beweis für Blutdoping darstellen.

Details des Tests will Grengel nicht nennen: "Wir möchten, dass das Konzept ernsthaft geprüft wird, da können dessen Inhalte nicht im Vorfeld öffentlich diskutiert werden."

Studie wird noch geprüft

Die NADA will nun prüfen, ob diese Studie durchführbar ist. Auch eine Finanzierung ist noch nicht geklärt. Der NADA-Vorsitzende Armin Baumert hatte in einer ersten Reaktion einen Langzeittest als nicht durchführbar bezeichnet, war mit seiner Einschätzung aber auch intern auf Widerspruch gestoßen.

Nun sagt Baumert: "Wir werden in Ruhe und mit Sorgfalt den Vorschlag in alle Richtungen prüfen, juristisch und auch fachspezifisch. Grundsätzlich wird auch die Frage weiter diskutiert werden, ob die Durchführung eines solchen Tests dem Stiftungsauftrag der NADA entspricht."

Grengel hob hevor, dass Pechstein nicht mehr tun könne, als das Konzept einzureichen und um die Umsetzung zu bitten.

Eckpunkte kommen von Franke

Franke, der unter anderem bei der Aufklärung der Dopingfälle von Radsportler Danilo Hondo sowie der Leichtathletik-Stars Bernard Lagat (USA) und Jolanda Ceplak (Slowenien) mitgewirkt hatte, hat nach Grengels Darstellung "die Eckpunkte" des Konzepts erarbeitet.

Der 69-Jährige gehört zu Pechsteins schärfsten Kritikern und war auch während seiner Mitarbeit an der Studie weit davon entfernt, Partei für die Berlinerin zu ergreifen.

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