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Jenny Wolf holte sich bei der Einzelstrecken-WM 2009 in Richmond über 2500m Gold © getty

Jenny Wolf will in Vancouver endlich Edelmetall. Die DM sei dagegen nur ein Trainingslauf. Der nächste Titel ist schon eingeplant.

Berlin - Sie ist Weltmeisterin, hält den Weltrekord und plant in diesem Winter ihren größten Coup: Eis-Sprinterin Jenny Wolf startet am Wochenende bei den deutschen Meisterschaften in Berlin mit hohen Erwartungen in die neue Saison.

Am Ende will die Berlinerin den Lorbeer in Händen halten, der ihr nach all den schnellen Rennen über 500 m noch fehlt: die olympische Goldmedaille.

"Ich bin dreimal in Folge Weltmeisterin geworden. Das ist motivierend, es baut aber auch Druck auf", sagt Wolf.

Im gereiften Alter von 30 Jahren hat sie aber offenbar genügend Erfahrungen gesammelt, um sich vor den Olympischen Spielen in Vancouver (12. bis 28. Februar) den Druck selbst zu nehmen:

"Ich brauche mir keine Sorgen zu machen, denn eigentlich bin ich immer schnell."

Von Sieg zu Sieg

In der Tat ist die 500-m-Weltrekordlerin (37,04 Sekunden) schnell und rast von Sieg zu Sieg. Ihre Erzrivalin Wang Beixing hielt die Weltcup-Seriensiegerin (40 Erfolge) zuletzt bei wichtigen Wettkämpfen auf Distanz.

Während der Einzelstrecken-WM im vergangenen Winter entriss sie der Chinesin im zweiten Lauf noch den Triumph. "Sie hat es auch ein wenig schwerer als ich", sagt Wolf.

Wang stehe in ihrer kanadischen Wahlheimat Calgary viel mehr in der Öffentlichkeit, täglich werde über sie berichtet, "während ich mich hier in Deutschland immer wieder zurückziehen kann", sagt Wolf.

Privat bleibt privat

Das "Zurückziehen" ist ein fester Bestandteil im Leben der scheuen Berlinerin. Auch nach Jahren als Top-Athletin merkt man ihr an, dass sie sich bei öffentlichen Auftritten nicht sonderlich wohlfühlt. Am liebsten redet sie über sportliche Fakten, private Details erfährt man kaum.

"In meiner Freizeit lese ich gerne, gehe ins Kino oder solche Geschichten", sagt die ehrgeizige Berlinerin, die ein Magister-Studium der Literaturwissenschaften abgeschlossen hat und mit ihrem Freund Oliver in Berlin wohnt.

Perfekte Vorbereitung

Mit Blick auf das große Ziel Olympia hat Wolf im Sommer, wenn bekanntlich die Medaillen in der Vorbereitung erarbeitet werden, das Pensum erhöht. Sie habe so viel und lange wie noch nie trainiert und im Krafttraining ordentlich zugelegt.

"Die Vorbereitung ist perfekt gelaufen", sagt Wolf. Zu viel Kraft gehe aber auf Kosten der Technik, "darauf muss ich jetzt besonders achten".

DM nur zweitrangig

Herausragende Zeiten sind deshalb bei der Einzelstrecken-DM am Wochenende auf ihrer Hausbahn in Berlin-Hohenschönhausen zweitrangig:

"Die Meisterschaften sind für mich zwei Trainingsläufe unter guten Bedingungen. Wenn ich auf dem Niveau vom vergangenen Jahr laufe, bin ich zufrieden."

Nächster Titel eingeplant

Drei Wochen vor Olympia will Wolf einen weiteren großen Titel einfahren. Die Teilnahme an den Sprint-Weltmeisterschaften im japanischen Obihiro ist jedenfalls eingeplant.

"Ich war zuletzt Vize-Weltmeisterin und Weltmeisterin, schon allein deshalb fahre ich da nicht einfach nur so hin", sagt Wolf.

Doch auch die Sprint-WM ist nur eine Durchgangsstation auf dem Weg nach Richmond, wo die olympischen Eisschnelllauf-Wettbewerbe stattfinden.

Im Hinblick auf Olympia gilt für Jenny Wolf: Respekt ja, Angst nein: "Ich freue mich auf Vancouver, aber ich weiß auch, dass es keine Ferienreise wird."

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