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Claudia Pechstein und ihr Anwalt Christian Krähe müssen weiter abwarten © getty

Nachdem sich das CAS-Urteil verzögert, ist die Enttäuschung im Pechstein-Team groß. Die Olympia-Teilnahme ist akut gefährdet.

Berlin - Im Lager von Claudia Pechstein herrscht Frust. Die Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofes CAS, das Urteil im Dopingfall der fünfmaligen Olympiasiegerin erst "in etwa zwei Wochen" bekannt zu geben, rief Unverständnis und Empörung hervor.

Pechsteins Trainer und väterlicher Freund Joachim Franke witterte sogar eine Verschwörung.

"Es ist unfassbar, dass der CAS in so langer Zeit kein Urteil fällen konnte und dann eine Minute vor Toresschluss wieder zurückzieht. Es sieht doch so aus, dass die alles daransetzen, dass Claudia auch bei einem Freispruch nicht bei Olympia starten kann", sagte Franke.

Olympia-Qualifikation gefährdet

Der 69-Jährige, der nach fünf olympischen Goldmedaillen mit Pechstein seine Trainerkarriere schon beendet hatte und zuletzt wieder eng an ihre Seite rückte, stellt nun sogar eine reguläre Qualifikation seines Schützlings für die Winterspiele in Vancouver in Frage.

"Jetzt wird es ganz schwer, sich überhaupt noch zu qualifizieren. Ihr bleiben vielleicht nur noch drei Weltcups. Ich bin unglaublich enttäuscht", sagte er.

Auch Pechstein selbst war niedergeschlagen, so weit wie Franke ging sie aber nicht.

"Muss das Warten akzeptieren"

"Die Grenze der Belastbarkeit ist eigentlich schon lange erreicht. Aber es liegt nicht in meiner Macht, an der Situation etwas zu ändern. Von daher muss ich das Warten akzeptieren, auch wenn es schwerfällt", sagte die 37-Jährige.

Pechstein verzichtete am Donnerstag auch auf die eigentlich eingeplante Trainingseinheit im Berliner Sportforum, wo der erste Weltcup der Saison am Freitag nun definitiv ohne sie stattfindet.

Sollte Pechstein erst nach dem Weltcup in Heerenveen freigesprochen werden, blieben ihr nur noch die Weltcups in Hamar (21./22. November) sowie auf den Hochgeschwindigkeitsbahnen in Calgary (4. bis 6. Dezember) und Salt Lake City (11. bis 13. Dezember) als Vorbereitungs- und Qualifikationsmöglichkeit.

Zudem steht vor Olympia noch die EM in Hamar (8. bis 10. Januar) auf dem Programm. Die Olympischen Spiele beginnen am 12. Februar.

Urteilserstellung nicht abgeschlossen

Als Hintergrund für die am Mittwochabend veröffentlichte Entscheidung nannte der CAS, dass das dreiköpfige Schiedsgericht das Urteil zusammen mit der schriftlichen Begründung verkünden wolle.

Die Beratungen und die Erstellung des Urteils seien noch nicht abgeschlossen.

Zuvor hatte das Sportgericht eine Entscheidung für Donnerstag in Aussicht gestellt.

"Man muss an die Athletin denken"

"Darüber zu spekulieren, ob das nun ein gutes oder schlechtes Zeichen für sie ist, bringt nichts", sagte Pechsteins Anwalt Simon Bergmann: "Dieses Hin und Her ist aber definitiv nicht okay. Man muss auch mal an die Athletin denken."

Gerd Heinze, Präsident der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG), mutmaßt, dass sich "der CAS schwer tut mit der Urteilsfindung".

Ein negatives Indiz für Pechstein in Hinblick auf das Urteil sieht Heinze nicht: "Ich sehe nur, dass die Richter größte Genauigkeit walten lassen."

Verschiebung beweist Brisanz

Von dem Urteil hängt nicht nur Pechsteins Zukunft, sondern womöglich auch die des indirekten Dopingnachweises ab.

Viele Dopingjäger fürchten, dass sich bei einem Freispruch für Pechstein kaum noch ein Sportverband trauen wird, ohne Dopingbefund gegen verdächtige Sportler vorzugehen, so wie es die Internationale Eislauf-Union (ISU) im Fall Pechstein getan hat.

"Die Verschiebung des Urteils beweist nur erneut die Brisanz, die in dem Fall liegt", sagte Stephan Gneupel, Trainer von Team-Olympiasiegerin Daniela Anschütz-Thoms.

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