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Claudia Pechstein wurde 1994, 1998, 2002 und 2006 Olympiasiegerin © getty

Schwere Attacke eines früheren Trainingskollegen gegen Claudia Pechstein. Vize-Champion Havard Bökko hält sie für eine Doperin.

Berlin - Claudia Pechsteins früherer Teamkollege Havard Bökko hat vor dem Weltcup-Auftakt in Berlin am Freitagabend schwere Vorwürfe gegen die wegen auffälliger Blutwerte gesperrte fünfmalige Olympiasiegerin erhoben.

Der Norweger, Vize-Weltmeister über 5000 und 10.000 m und nach dem Niederländer Sven Kramer bester Langstreckler der Welt, ließ im Gespräch mit der niederländischen Zeitung "De Telegraaf" keinen Zweifel daran, dass er Pechstein für eine Dopingsünderin hält.

"Es war für mich keine echte Überraschung, dass Pechstein gesperrt wurde", sagte Bökko, der unter Trainer Peter Müller in Norwegen gemeinsam mit Pechstein trainiert hat: "Im Training war sie oft schlecht, und auf einmal lief sie die Sterne vom Himmel."

Bökko weiter: "So wie beim Weltcup in Moskau, wo sie über 1500 und 5000 m gewann. Wir haben im Team noch Witze darüber gemacht und sie noch gefragt, was sie zum Frühstück eingenommen hätte. Wahrscheinlich hatte sie sich vorher in der Woche gedopt."

Kein Redebedarf

Zum mit Spannung erwarteten Urteil des Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne, das über Pechsteins sportliche Zukunft entscheidet und nach einer Verschiebung jetzt innerhalb der nächsten zwei Wochen fallen soll, sagte der Langstrecken-Spezialist: "Ich wäre sehr böse, wenn sie durch Formfehler doch ihre Karriere fortsetzen könnte."

Bökko erklärte, dass er Pechstein in Berlin vor dem Weltcup kurz gesehen, sie begrüßt, aber nicht mit ihr gesprochen habe: "Das Bedürfnis habe ich auch nicht mehr." 126156(DIASHOW: Die spektakulärsten Dopingfälle)

Rolle rückwärts - alles ein Missverständnis?

Nach den Wettkämpfen am ersten Tag in Berlin ruderte Bökko zurück.

Er erklärte, dass seine Aussage zu Pechstein vom Weltcup in Moskau falsch verstanden worden sei. Er habe das nur im Scherz gesagt. "Ich habe nett mit ihr gefrühstückt", sagte der Norweger. Auch werde er nicht böse, falls die Berlinerin freigesprochen werde.

"Das soll das Gericht entscheiden", so der Läufer. Zu den Vorwürfen, Pechstein habe im Training keine guten Leistungen gezeigt, meinte er: "Sie hat immer gut trainiert."

Der zuständige Redakteur des "Telegraaf" verteidigte seine Version und erklärte, dass Bökko alles so gesagt habe, wie es in der Zeitung gestanden habe.

Pechstein reagiert gelassen

Pechstein reagierte relativ gelassen auf die Vorwürfe: "Ich weiß nicht, ob sich Bökko mit derart leichtfertigen Äußerungen einen Gefallen tut. Offensichtlich ist ihm nicht klar, dass auch er jederzeit Opfer eines unberechtigten Dopingverdachts werden könnte, sei es wegen Blutwerten oder herausragender Leistungen."

"Er ist noch jung und grün hinter den Ohren. Wenn er mit Mitte 30 immer noch laufen und Weltklasseleistungen zeigen sollte, wird er sicherlich anders denken und reden. Ich bin mir sicher, wenn er darüber mal nachdenkt, wird er sich bei mir entschuldigen", sagte Pechstein.

"Offensichtlich scheint Bökko über den Verlauf des Verfahrens nicht informiert zu sein. Um Formfehler geht es mittlerweile doch nur noch am Rande", ergänzte die Berlinerin.

Eilantrag Pechsteins abgelehnt

Einen Eilantrag Pechsteins auf eine Startfreigabe für Berlin und sowie den Weltcup vom 11. bis 13. November in Heerenveen lehnte der CAS am Freitagabend allerdings ab.

Nach Meinung des Gerichtes habe die Ahtletin in ihrem Antrag nicht nachgewiesen, dass ihre Nicht-Teilnahme an beiden Weltcups ihr einen "irreparablen Schaden" zufügen würde.

Pechsteins Manager Ralf Grengel ist dennoch "nicht unzufrieden" mit der Entscheidung des CAS. "Denn aus der Begründung geht hervor, dass diese Entscheidung auf einer rein sportlichen Wertung beruht und keine Voreinschätzung auf das finale Urteil enthält", sagte Grengel.

Beckert fährt nach Vancouver

Auf dem Eis sorgten über 3000 m Nachwuchshoffnung Stephanie Beckert (Erfurt/4:07,17) mit Rang drei und Daniela Anschütz-Thoms (Erfurt/4:07,87) mit Rang vier am ersten Tag des Weltcups für die herausragenden Leistungen der Gastgeber.

Beide Läuferinnen lösten beim Sieg der Tschechin Martina Sablikova mit Bahnrekord (4:00,75) ihr Olympiaticket.

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