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Der CAS will sein Urteil im Dopingfall Claudia Pechstein am Mittwoch fällen © getty

Kurz vor dem Urteil ihm Dopingfall Claudia Pechstein, versucht diese die Beweisführung des Weltverbands zu erschüttern.

München - Claudia Pechstein zieht ihren letzten Trumpf.

Kurz vor der Bekanntgabe des Urteils in ihrem Dopingverfahren am Mittwoch attackiert die fünfmalige Olympiasiegerin den Eislauf-Weltverband ISU mit neuen schweren Vorwürfen und hat die Wiedereröffnung ihrer Verhandlung vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS beantragt.

Pechstein: Falsche Tatsachen

Laut Pechstein sollen die ISU-Vertreter dem CAS bei der Anhörung in Lausanne vor einem Monat falsche Tatsachen vorgespielt haben. Sie sollen ein Gutachten ihres Experten Dr. Pierre Sottas vorgelegt haben, das dieser bereits als überholt angesehen hat. Sottas, Biostatistiker des WADA-Labors in Lausanne, war zu der CAS-Anhörung nicht erschienen.

"Ich glaube, dass die ISU Angst gehabt hat. Wenn er dabei gewesen wäre und sich in der Verhandlung auf meine Seite gestellt hätte, wäre das Urteil vielleicht schon schneller gekommen", sagte Pechstein in der "RBB"-Sendung Sportplatz am späten Sonntagabend. Die 37-Jährige behauptete, sie habe erfahren, dass die ISU Sottas von der Verhandlung ausgeladen habe.

Pechstein schwer belastet

Die Konsequenz für die Pechstein-Seite ist klar. "Ich habe Herrn Sottas noch nicht erreicht. Wenn er meint, dass er weiter zu seiner ursprünglichen Aussage steht, hat sich die Sache für uns erledigt. Wenn er es allerdings anders sieht, würde das eine Neueröffnung des Verfahrens rechtfertigen. Ich hoffe aber weiterhin, dass wir am Mittwoch gewinnen, dann spielt die Sache ohnehin keine Rolle mehr", sagte Bergmann.

Sottas wollte den Sachverhalt weder bestätigen noch dementieren. Pechsteins Aussage "überrasche" ihn, sagte Sottas: "Ich möchte sie nicht weiter kommentieren, da über das ganze Verfahren schon zu viele Lügen verbreitet wurden. Das einzige, was ich bestätigen kann, ist die Tatsache, dass ich nicht an dem Verfahren vor dem CAS teilgenommen habe. Zu Gründen will ich mich nicht äußern." Auch auf Nachfrage ließ er offen, ob er nach wie vor zu seiner von der ISU genutzten Expertise steht.

Sottas' Aussage im ISU-Verfahren hatte Pechstein schwer belastet.

Pechstein-Seite spekuliert

In etwa 10.000 entnommenen Blutprofilen, so der Statistiker und Blutpass-Experte, sei ihm nur ein einziges mit ähnlich hohen Werten wie bei Pechstein aufgefallen, und diese Person sei nachweislich krank gewesen. Den unumstößlichen Nachweis einer Erkrankung oder einer Blutanomalie konnte Pechstein bis heute nicht erbringen.

Laut Pechstein sollen Sottas von der ISU nur wenige ihrer Blutparameter zur Anfertigung des Gutachtens zur Verfügung gestellt worden sein. "Er musste mit ganz wenigen Werten arbeiten", sagte Pechstein. Mittlerweile habe Sottas "mehr erfahren" und angeblich gesagt, dass er nicht mehr zu seiner ursprünglichen Expertise stehen könne.

Die Pechstein-Seite spekuliert nun auf eine erneute Verschiebung der Urteilsbekanntgabe.

Komplette Neueröffnung?

Ihr Manager Ralf Grengel sagte: "Wenn der CAS seine Urteilsverkündung erneut verschiebt, dann wissen wir, dass wir einen Nerv getroffen haben." Im Falle einer Bestätigung der Zweijahressperre durch den Internationalen Sportgerichtshof CAS behält sich die Pechstein-Seite vor, auch eine komplette Neueröffnung der Verhandlung zu fordern.

Die ISU, die Pechstein nur anhand auffälliger Retikulozytenwerte ohne Dopingbefund für zwei Jahre gesperrt hat, wollte den Vorstoß Pechsteins nicht kommentieren. "Wir geben keine individuellen Stellungnahmen ab. Am Mittwoch wird es eine Presseerklärung der ISU geben", sagte der für den Fall Pechstein zuständige ISU-Mediziner Harm Kuipers.

Lehner skeptisch

Michael Lehner, Sportrechtsexperte aus Heidelberg, bezweifelt, dass Pechsteins Antrag von Erfolg gekrönt sein könnte.

"Das klingt wie ein Verzweiflungsschuss kurz vor Toreschluss. Solange eine Expertise vor dem CAS nicht offiziell zurückgezogen wurde, ist sie weiterhin gültig. Ich bleibe bei meiner Einschätzung, dass es nicht gut für Claudia Pechstein aussieht", sagte Lehner, der zahlreiche Radsportler wie Stefan Schumacher und Danilo Hondo vor dem CAS vertreten hat.

Pechstein betonte derweil erneut, dass sie "definitiv bis zum Letzten kämpfen" werde, "für die Gerechtigkeit". Sie würde im Falle eines für sie negativen Urteils definitiv vor die nächste Instanz, das Schweizer Bundesgericht, ziehen. "Da werden die ganzen Fehler, die die ISU gemacht hat, sicher besser verstanden werden", sagte Pechstein. Ihr Vertrauen in die Sportgerichte sei "verbrannt".

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