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Für Claudia Pechstein bedeutet das Verpassen der Olympia-Quali wohl das Karriere-Ende © getty

Claudia Pechstein verfehlt im 3000-m-Rennen einen der ersten acht Plätze und vergibt ihre einzige Chance auf die Olympia-Quali.

Salt Lake City - Ausgepumpt, chancenlos, vernichtend geschlagen: Claudia Pechsteins Olympia-Traum ist endgültig geplatzt, ihre Karriere vermutlich beendet.

Die 37-Jährige verfehlte im 3000-m-Rennen von Salt Lake City einen der ersten acht Plätze und damit ihre einzige Chance auf die sportliche Qualifikation für die Winterspiele 2010 in Vancouver.

Am Ende belegte Pechstein nur den 13. Platz, weit hinter der tschechischen Siegerin Martina Sablikova. Zweite wurde die deutsche Rekordhalterin Stephanie Beckert aus Erfurt vor der Kanadierin Kristina Groves.

Knapp zwei Stunden zuvor hatte die Berlinerin Jenny Wolf ihren eigenen 500-m-Weltrekord auf 37,00 Sekunden gedrückt. (Fragen über Fragen: Antworten zum Fall Pechstein).

"Man hat ihr das Leben schwer gemacht"

Als die Entscheidung gegen sie fiel, als klar war, dass wenigstens acht Läuferinnen schneller waren, befand sich Claudia Pechstein bei der Dopingkontrolle. (Die Chronologie zum Fall Pechstein)

"Dass eine Athletin während des laufenden Wettbewerbs zur Kontrolle muss, habe ich auch so noch nicht erlebt. das ist alles andere als normal", sagte Teamchef Helge Jasch, der Pechstein während des Rennens betreut hatte:

"Man hat es ihr hier von Anfang an schwer gemacht." Die wegen auffälliger Blutwerte gesperrte Berlinerin hatte vor dem Schweizer Bundesgericht eine Startgenehmigung für die 3000 m in Salt Lake erkämpft.

Wohl das letzte Karriere-Rennen

Das Rennen an der Stätte ihrer beiden Olympiasiege von 2002 war damit wahrscheinlich das letzte in der Karriere der erfolgreichsten deutschen Winter-Olympionikin.

Das Schweizer Bundesgericht steht nun nicht mehr unter dem Zeitdruck, möglichst noch vor den Winterspielen im Februar ein Urteil fällen zu müssen.

Pechsteins Sperre läuft am 9. Februar 2011 aus. Nun geht es vor Gericht wohl "nur" noch um die Wiederherstellung ihres Rufs sowie Schadensersatzforderungen.

Pechstein ein Schatten ihrer Selbst

Im 360. Rennen bei wichtigen internationalen Wettkämpfen war Pechstein nur noch ein Schatten ihrer selbst. Erst kurz vor dem Wettkampf war die 37-Jährige mit dunkler Sonnenbrille vor den Augen in der Halle erschienen.

Gemeinsam mit Jasch zog sie sich sofort aus dem Innenraum zurück und bereitete sich mit deutlicher Entfernung zu den anderen Läuferinnen auf das wichtigste Rennen ihrer Karriere vor.

Sie startete gleich im ersten Paar gegen Eri Natori und hatte lange Mühe, mit der Japanerin Schritt zu halten. Erst auf den letzten anderthalb Runden setzte sich Claudia Pechstein ab, doch schnell war klar, dass es zu einer Klassezeit nicht reichen würde.

"Sie hat kontinuierlich abgebaut"

Das wusste die Berlinerin auch selbst sehr genau. "Eigentlich nicht", antwortete sie auf die Frage, ob sie denn zufrieden mit ihrer Leistung sei: "Aber genau werden wir das erst nachher sehen."

Noch minutenlang saß die 37-Jährige völlig ausgepumpt auf einer Bank und ging mit Teamchef Helge Jasch noch einmal das Rennen durch. Wie Pechstein war auch Jasch ganz und gar nicht zufrieden. "Das dürfte nicht reichen", sagte er:

"Das, was Claudia immer ausgezeichnet hat, nämlich gleichmäßige Rundenzeiten zu laufen, hat hier nicht funktioniert. Sie hat kontinuierlich abgebaut und ist in der letzten Runde eine schwache 32,29 gelaufen."

Mattscherodt mit starker Zeit

Als erste unterbot ausgerechnet die Berlinerin Katrin Mattscherodt in 4:03,89 Pechsteins Zeit. Sie hatte beim Weltcup in Hamar den Olympia-Startplatz über 5000 m für die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft geholt.

"Ich bin froh, dass ich auf dem Eis zeigen konnte, dass ich diesen Platz verdient habe", sagte Mattscherodt.

Derweil war auf Eissprinterin Jenny Wolf einmal mehr Verlass. Die 30-jährige Berlinerin drückte in 37,00 Sekunden über 500 m ihren eigenen Weltrekord erneut um zwei Hundertstelsekunden.

Das Kunststück, als erste Frau überhaupt eine 36er-Zeit zu laufen, hat die 30-Jährige dagegen (noch) knapp verfehlt.

"Das Schlimmste, was passieren konnte"

"Der Weltrekord ist natürlich super, aber eine 37,00 ist eigentlich das Schlimmste, was mir passieren konnte", sagte Wolf im Ziel:

"Eine 36er-Zeit hätte doch ein bisschen anders ausgesehen. Da fehlten wahrscheinlich nur ein paar Tausendstel an einer neuen Dimension." Ihre bisherige Bestmarke hatte sie am 16. November 2007 in Calgary aufgestellt.

Jenny Wolf stellte in Salt Lake City ihren insgesamt siebten Weltrekord auf (3x500 m, 3x100 m, 1xSprint-Zweikampf).

Wolf untermauert Favoritenstellung

Neun Wochen vor den Olympischen Winterspielen in Vancouver untermauerte die 30-Jährige damit zum wiederholten Mal eindrucksvoll ihren Status als unumstrittene Top-Favoritin auf Sprint-Gold, auch wenn sie selbst zumindest ein bisschen abwiegelt:

"Ich bleibe optimistisch für Olympia, auch wenn es an der Spitze sehr eng wird."

Dafür ist vor allem Wolfs Erzrivalin Wang Beixing (China) verantwortlich, die beim 46. Weltcupsieg der Deutschen in Salt Lake City in 37,14 Sekunden Zweite wurde.

Shani Davis mit neuer Bestmarke

Den dritten Rang belegte Lee Sang-Hwa aus Südkorea (37,24).

Wolf baute mit dem sechsten Sieg im siebten Saisonrennen ihre Führung im Gesamtweltcup vor Wang aus. Am Samstag kann sie im zweiten Rennen noch einmal nachlegen.

Den zweiten Weltrekord des Abends stellte der Amerikaner Shani Davis auf. Der Olympiasieger blieb in 1:41,04 Minuten über 1500 m 76 Hundertstel unter seiner alten Bestmarke.

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