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Anni Friesinger wird in Salt Lake City über 1000 Meter Elfte © imago

Ihr lädiertes Knie behindert Anni Friesinger auch bei der Generalprobe für Olympia. "Ich brauche jetzt eine Pause", sagt sie.

München/Calgary - Anni Friesinger-Postma saß wie ein Häufchen Elend im Innenraum des Olympic Ovals von Salt Lake City, schüttelte immer wieder den Kopf und massierte ihr lädiertes rechtes Knie.

Eigentlich wollte sie sich in ihrem letzten Rennen vor den Olympischen Spielen jede Menge Selbstvertrauen holen. Was nach der völlig verpatzten Generalprobe blieb, waren Zweifel, Frust und die Angst, dass ihr bis Vancouver die Zeit davonläuft.

"So wird das nichts"

Nicht von ungefähr relativierte sie nach ihrem enttäuschenden elften Platz im 1000-m-Rennen ihr großes Saisonziel. "Ich bleibe dabei, dass ich Gold über diese Strecke holen will. Voraussetzung dafür ist aber, dass ich rechtzeitig fit werde. So wird das nichts", sagte Friesinger-Postma.

Die 16-malige Weltmeisterin, die in diesem Winter durch Knie- und Knöchelprobleme sowie durch die Schweinegrippe immer wieder zurückgeworfen wurde, fehlte auf der langen Sprintstrecke jegliche Explosivität. Auch die Berlinerin Monique Angermüller kam als Vierte klar vor Friesinger-Postma ins Ziel.

Hauptproblem ist momentan das rechte Knie.

Probleme in der tiefen Position

"Ich kann mich nicht so bewegen, wie ich will. Mein Knie lässt eine tiefe Rennposition einfach nicht zu. Ich bin weit weg von meiner normalen Dynamik", sagte Friesinger-Postma sichtlich verunsichert: "Ich muss mich jetzt erholen. Dann wird sich der Doc alles noch mal in Ruhe angucken." Gemeint ist der Münchner Orthopäde Dr. Volker Smasal, der vor anderthalb Jahren ihren Meniskusschaden operierte.

Da Friesinger-Postma ihre Teilnahme an der Sprint-WM in Januar im japanischen Obihiro bereits abgesagt hat, wird sie bis Olympia kein offizielles Rennen mehr bestreiten.

Weihnachten verbringt sie mit ihrem Mann Ids Postma in ihrer Wahlheimat Salzburg, dort will sie vor allem auf dem Rad trainieren. Im Januar läuft Friesinger-Postma im Rahmen eines Trainingslagers in Südtirol noch zwei Testrennen, bevor in Erfurt der olympische Feinschliff erfolgen soll.

Hoffnung auf gutes Omen

"Fest steht, dass man viel mehr Pech bei einer Olympia-Vorbereitung nicht haben kann", sagte Friesinger-Postma, die sich an den dünnsten Strohhalm klammert: "Vielleicht ist das auch ein gutes Omen."

Vor Olympia 2002 und 2006 gewann sie fast alles, was es zu gewinnen gab. Beim Saisonhöhepunkt gab es dann jeweils "nur" einmal Gold. In diesem Winter startete sie nur sechsmal, die beste Platzierung war ein fünfter Rang.

Eicher fürchtet das Schlimmste

Coach Gianni Romme traut seinem Schützling in Vancouver jedenfalls auch einen Kaltstart zu: "Niemand muss Anni sagen, wie man eisschnellläuft. Wenn sie fit ist, kann man sie nachts um drei Uhr zum 1000-m-Rennen wecken, und sie gewinnt."

Ihr Ex-Coach Markus Eicher fürchtet dagegen das Schlimmste. "Sie muss wegen ihres Knies mit der Belastung aufpassen, andererseits muss sie den Rückstand auf die Spitzenläuferinnen aufholen. Das ist ein Teufelskreis", sagte der Frauen-Bundestrainer: "Für sie wird es verdammt knapp."

Noch schlimmer als um Friesinger-Postma steht es um die deutschen Männer.

Das Team verpasste in Salt Lake City die Olympia-Qualifikation klar und gab ein Bild des Jammers ab. Bundestrainer Bart Schouten, der vor vier Jahren als großer Hoffnungsträger verpflichtet worden war und die hohen Erwartungen bisher nicht ansatzweise erfüllte, steht aber angeblich dennoch nicht vor dem Abschied.

Schouten in der Kritik

"Ich bin an einer Weiterarbeit interessiert, und der Verband ist es auch", sagte Schouten, dessen Vertrag ausläuft. DESG-Teamchef Helge Jasch bestätigte dies, schränkte aber ein: "Entscheidend ist auch das Abschneiden bei den Olympischen Spielen."

Dort sind im Februar in Samuel Schwarz (Berlin), Nico Ihle (Chemnitz), Marco Weber (München) und Patrick Beckert (Erfurt) voraussichtlich nur vier Männer am Start - so wenig wie seit Sapporo 1972 nicht mehr.

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