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Claudia Pechstein erreichte in ihrer Karriere 24 Weltcupsiege © imago

Aufgrund der Dopingsperre soll Claudia Pechstein wieder voll in ihren Beruf einsteigen. Zeit für den Spitzensport bliebe dann nicht mehr.

München - Uniform statt Schlittschuhe: Claudia Pechstein droht das endgültige Karriere-Aus, weil der Dienstherr ruft.

Die 38-Jährige soll schnellstmöglich wieder in Vollzeit als Hauptmeisterin bei der Bundespolizei arbeiten. Dies ist nach Meinung Pechsteins mit ihrer Laufbahn, die sie spätestens nach dem Ende ihrer Dopingsperre am 9. Februar 2011 fortsetzen wollte, unvereinbar.

"Man muss ehrlich zu sich selbst sein. Kommt es so, wie es momentan aussieht, ist das gleichbedeutend mit meinem Karriereende", sagte Pechstein der "Sport Bild".

"Es ist nicht möglich, Dienst zu schieben und danach zu trainieren. Als Feierabendsportler kann ich meinem Anspruch, in die Weltspitze zurückzukehren, nicht gerecht werden."

Ziel ihrer Träume war eigentlich die Einzelstrecken-WM im kommenden März in der neuen Eishalle in Inzell, wo sie es allen noch einmal zeigen wollte.

Nächste Entscheidung bis Ende Juli

Spätestens Ende Juli, sagte Pechstein-Manager Ralf Grengel, müsste Pechstein wohl ihren Dienst antreten.

Bis dahin will auch das Schweizer Bundesgericht über den Antrag der Berlinerin, den Dopingfall vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS neu zu verhandeln, entschieden haben.

Nur ein für sie positiver Richterspruch, den Rechtsexperten für unwahrscheinlich halten, könnte die Rückkehr in den Staatsdienst verzögern.

Brief vom Dienstherren

"Ohne eine Aufhebung des Trainingsverbotes dürfen Sie Ihren Dienstposten als 'Spitzensportlerin zgl. Polizeivollzugsbeamtin' somit bis zum Ablauf der Sperre als Spitzensportlerin nicht ausüben, das heißt, Sie sind im Rahmen Ihres Beamtenverhältnisses zur Dienstleistung als Polizeivollzugsbeamtin verpflichtet", hieß es in dem Brief des Bundespolizei-Oberrates Wolfgang Sommerer an Pechstein, den diese in der "Sport Bild" abdrucken ließ.

Weiter hieß es: "Es steht Ihnen natürlich frei, sich in Ihrer Freizeit sportlich zu betätigen."

Disziplinarverfahren im Hinterkopf

Pechstein trat 1993 in den Bundesgrenzschutz ein, nachdem sie zuvor von 1989 bis 1992 eine Ausbildung zur Industriekauffrau absolviert hatte. Sie ist auf Lebenszeit verbeamtet.

Das Disziplinarverfahren gegen sie, das die Bundespolizei wegen ihres Dopingfalles anstrengte, bereitet ihr noch die wenigsten Kopfschmerzen.

Eine Aberkennung des Beamtenstatus' wird in der Regel nur bei vorbestraften Straftätern vollzogen. Dopingvergehen ziehen keine Vorstrafen nach sich.

Finanziell auf Beruf angewiesen

Unbezahlten Urlaub zu nehmen, um weiter ernsthaft trainieren zu können, hält Pechstein aus finanziellen Gründen für unmöglich.

"Meine finanzielle Situation ist nicht gerade rosig. Das mehr als einjährige Verfahren hat eine Menge Geld gekostet", sagte Pechstein. Angeblich handelt es sich mittlerweile um einen sechsstelligen Betrag.

Die Zuwendungen eines neuen Sponsors, den Pechstein im Januar während des Kampfes gegen ihre Dopingsperre präsentierte, sind wohl nur Tropfen auf den heißen Stein.

Pechstein stellt Sinnfrage

Aufgrund der neuesten Entwicklungen zweifelt Pechstein grundsätzlich am Sinn des Kampfes um ihren Ruf.

In der "Sport Bild" griff sie erneut den angeblichen Kuhhandel auf, den der Eislauf-Weltverband ISU ihr im Frühjahr 2009 kurz nach der Entnahme der belastenden Blutproben unterbreitet haben soll: kein Verfahren, dafür sofortiges Karriereende.

"Trümmern meiner Karriere"

"Dann wäre mein Name heute noch unbeschmutzt, und ich hätte mein Geld nicht verloren", sagte Pechstein, die als erste Spitzensportlerin weltweit nur anhand des indirekten Dopingnachweises gesperrt worden war: "Ich habe abgelehnt, weil ich nie gedopt habe. Ich habe den Kampf aufgenommen und stehe jetzt vor den Trümmern meiner Karriere."

Verbittert fügt sie hinzu: "Unschuldig kaltgestellt - ich dachte, das gibt es nur im Film."

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