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Claudia Pechstein erhält viel Unterstützung seitens der Sportprominenz © imago

Aktive und ehemalige Sportler stehen hinter Pechstein und fordern, dass sich der DOSB für eine Neuverhandlung vor dem CAS einsetzt.

Berlin - Mit prominenter Unterstützung will Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein im Kampf gegen ihre Dopingsperre den wichtigsten deutschen Sportfunktionär auf ihre Seite ziehen und ihre Karriere doch noch retten.

In einem Brief an Thomas Bach ergriffen 100 Prominente aus Sport, Politik und Unterhaltung für Pechstein Partei und forderten den DOSB-Präsidenten auf, sich für eine Wiederaufnahme und Neuverhandlung des Falls vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS einzusetzen.

Bach beugt sich dem öffentlich erzeugten Druck jedoch nicht und verweist auf die Unabhängigkeit der Gerichte.

"Der Name Claudia Pechstein muss wieder reingewaschen werden. Dass sich jemand selbst entlasten muss, ist ganz schön pervers", sagte der ehemalige Handball-Nationalspieler Stefan Kretzschmar, der sich der Initiative "Top 100 für Gerechtigkeit im Fall Claudia Pechstein" anschloss, per Videobotschaft bei einer Pressekonferenz am Montag in Berlin.

100.000 Unterschriften pro Pechstein

Neben Kretzschmar unterschrieben auch andere deutsche Sportgrößen wie Boxer Arthur Abraham, der viermalige Bob-Olympiasieger Andre Lange, Speerwurf-Weltmeisterin Steffi

Nerius sowie Pechsteins frühere Teamkollegin Daniela Anschütz-Thoms den an den DOSB-Chef adressierten Brief.

Langfristiges Ziel der Aktion ist eine Liste von europaweit 100.000 Unterschriften. Bach ließ verlauten, dass die Schreiben an seine Person nichts an seinem Verhalten ändern werden.

Pechstein gibt nicht auf

"Den in dem Brief geforderten Antrag auf ein Wiederaufnahmeverfahren gibt es bereits. Er liegt beim Schweizer Bundesgericht, dem höchsten ordentlichen Schweizer Gericht vor. Auf dessen Entscheidung haben weder der DOSB noch sein Präsident, noch PR-Aktionen irgendeinen Einfluss", sagte DOSB-Sprecher Christian Klaue, der die neueste öffentlich inszenierte Aktion des Pechstein-Lagers als "befremdlich" bezeichnete.

Ungeachtet der zumindest in der Forderung erfolglosen Aktion bedankte sich Pechstein für die Unterstützung. "Ich hoffe, dass ich dadurch eine zweite Chance bekomme. Aufgeben ist mit Sicherheit nicht meine Strategie", sagte Pechstein, die sich schon in der Vergangenheit "zutiefst enttäuscht" von Bach zeigte.

Urteil Ende Juli erwartet

Pechstein hat vor dem Schweizer Bundesgericht Revision gegen das CAS-Urteil eingelegt und darf bis zum 18. Juni eine zweite Stellungnahme abgeben, um auf den Bericht des Eisschnelllauf-Weltverbandes ISU zu reagieren.

Ein Urteil soll bis Ende Juli gefällt werden.

Gang nach Straßburg noch möglich

Entscheidet das Gericht nicht zu Gunsten der fünfmaligen Olympiasiegerin, sind die sportrechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft. Dann bliebe ihr nur noch der Gang vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg.

Pechstein ist vom Eisschnelllauf-Weltverband ISU wegen auffälliger Blutwerte bis zum 9. Februar 2011 gesperrt.

Karriere-Ende droht

Sollte der CAS gegen eine Neuverhandlung entscheiden, dürfte dies das endgültige Ende von Pechsteins Karriere bedeuten.

Die Bundespolizei hatte bereits erklärt, dass die Hauptmeisterin, die ihre Laufbahn eigentlich spätestens nach dem Ende ihrer Dopingsperre fortsetzen wollte, wieder als Vollzeitkraft arbeiten soll.

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