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Daniela Anschütz-Thoms gewann 2003 ihre einzige Einzel-Medaille im Mehrkampf © getty

Nach Anni Friesinger verkündet eine weitere Team-Olympiasiegerin den Abschied. Knie- und Rückenprobleme lassen ihr keine Wahl.

München - Sie holte zwei Olympiasiege und galt doch als "ewige Vierte".

Daniela Anschütz-Thoms stand in zwei Jahrzehnten Leistungssport immer im Schatten der "Golden Girls" Gunda Niemann-Stirnemann, Claudia Pechstein und Anni Friesinger-Postma.

Nun sagt "Schützi" leise goodbye: Drei Tage nach Friesinger-Postma gab die 35 Jahre alte Team-Olympiasiegerin von Turin und Vancouver ihr Karriereende bekannt.

"Ich wollte immer den Absprung schaffen, wenn ich noch erfolgreich bin. Das ist mir gelungen", sagte Anschütz-Thoms, die wie Friesinger-Postma mit Knie- und zudem auch mit Rückenproblemen zu kämpfen hatte.

"Werde in kein Loch fallen"

"Dieser Schritt war abzusehen, auch wenn er mir schwergefallen ist und ich lange überlegt habe. Ich werde sicherlich in kein Loch fallen. Es gibt ein Leben nach dem Sport, und viele interessante Aufgaben warten auf mich", blickt sie optimistisch in die Zukunft.

Für die Sportsoldatin der Sportfördergruppe Oberhof stehen zunächst jede Menge Weiterbildungen an, unter anderem in den Bereichen Büromanagement, Marketing und Personal: "Ich kann mir einen Job im Sport vorstellen, aber nicht unbedingt als Trainerin."

Zwei Olympiasiegerinnen weg

Damit hat die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) zwei Olympiasiegerinnen innerhalb einer Woche verloren, und Präsident Gerd Heinze fällt es schwer, Wehmut zu verbergen. 263132(Friesingers Karriere in Bildern)

"Es tut nicht weh. Man muss einfach dankbar sein, diese Sportlerinnen über Jahre hinweg dabeigehabt zu haben. Man kann nur danke sagen und alles Gute wünschen."

Nur noch Beckert und Wolf

Die erfolgverwöhnte DESG hat damit nur noch Team-Olympiasiegerin Stephanie Beckert und Top-Sprinterin Jenny Wolf als Siegläuferinnen in ihren Reihen.

"Zumal man auch bei Claudia Pechsteins Perspektive realistisch bleiben muss", sagte Heinze mit Blick auf die 38 Jahre alte Berlinerin, die noch immer gegen ihre Dopingsperre kämpft. .

Nachwuchsförderung hat Priorität

Entsprechend realistisch ist der DESG-Boss bei seinem Blick in die Zukunft: "Ein Gloria von dieser Größe, wie wir es jahrelang hatten, wird es so schnell nicht mehr geben. Das ist uns allen klar. Dennoch blicken wir optimistisch voraus."

Monique Angermüller und Kathrin Mattscherodt haben sich laut Heinze zu Läuferinnen entwickelt, die uns "in Zukunft viel Freude bereiten werden".

Längst hat die DESG der Bekämpfung des Nachwuchsproblems höchste Priorität eingeräumt.

Großer Einzelsieg fehlt

Anschütz-Thoms blieb in ihrer Karriere ein großer Sieg auf einer Einzelstrecke verwehrt. Neben den beiden Olympiasiegen mit dem Team gewann sie mit der Mannschaft auch 2005 in Inzell WM-Gold.

Auf den Einzelstrecken holte sie unter anderem Bronze bei der Mehrkampf-WM 2003 in Göteborg und bei der Einzelstrecken-WM 2008 in Nagano über 3000 m.

Bei den Mehrkampf-Europameisterschaften 2005 und 2009 in Heerenveen gewann sie jeweils Silber, 2010 in Hamar kam noch einmal Bronze hinzu.

"Weltmeisterin der vierten Plätze"

In Erinnerung bleiben vor allem auch ihre vierten Plätze: Bei Saisonhöhepunkten holte sie innerhalb von 15 Jahren in der Weltspitze gleich zehnmal "Blech".

Allein in ihrer letzten Saison reichte es bei Olympia über 3000 und 5000 m sowie bei der Mehrkampf-WM nur zu Rang vier. "Ich bin Weltmeisterin der vierten Plätze. Das kann ich nur mit einem Lachen sehen", sagte sie.

Wenig zu lachen hatte Bundestrainer Markus Eicher nach Anschütz-Thoms' Rücktritt: "Ich hätte sie bei der WM 2011 in Inzell gerne dabeigehabt. Sie ist im Team unersetzbar. Sie wird uns fehlen.

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