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Claudia Pechstein wurde 1994 in Lillehammer erstmalig Olympiasiegerin © getty

Die Berlinerin wird derzeit psychologisch betreut. Ihr Freund prangert den "menschenverachtenden" Umgang mit Pechstein an.

Berlin - Die wegen erhöhter Blutwerte schon seit mehr als einem Jahr gesperrte fünfmalige Olympiasiegerin Claudia Pechstein hat einen Nervenzusammenbruch erlitten und sich in psychologische Behandlung begeben.

Das bestätigte ihr Management. Damit steht die Karriere der 38-Jährigen endgültig vor dem Aus.

"Das ist das Resultat der menschen- und leistungsverachtenden Art und Weise, wie mit Claudia in den letzten 17 Monaten umgegangen wurde", sagte Pechteins Lebensgefährte Matthias Große der "BILD":

"Die Funktionäre und ihr Arbeitgeber sollten sich fragen, wie weit man einen Menschen treiben kann. Mehr gibt?s dazu nicht zu sagen, ohne dass man seine gute Kinderstube vergisst. Claudia wird wiederkommen, egal, wie weit es jetzt noch runter geht."

BMI-Entscheidung als Auslöser

Auslöser für den Zusammenbruch soll die Entscheidung des Bundesinnenministeriums (BMI) gewesen sein, der Läuferin keinen "Sonderurlaub unter Wegfall der Bezüge" zu gewähren.

"Mit einer solchen Ablehnung hatte sie nie und nimmer gerechnet, nachdem ihr die Bundespolizei diesen Schritt noch vor einigen Wochen selbst empfohlen hatte", teilte Pechsteins Manager Ralf Grengel mit.

Die Berlinerin ist als Polizeihauptmeisterin bei der Bundespolizei angestellt. Das BMI hatte ihr vor einigen Wochen eine Stelle in Berlin angeboten und sie zum Dienstantritt aufgefordert.

Comeback in weiter Ferne

Pechstein hatte mit dem Sonderurlaub erreichen wollen, dass sie bis zur Klärung ihres Falles vor dem Schweizer Bundesgerichts nicht ihren Dienst antreten muss, um sich so auf die Rückkehr in den Sport vorbereiten zu können.

Weiterhin soll das BMI der sechsmaligen Weltmeisterin mitgeteilt haben, dass Mediziner einen Plan erarbeiten würden, der sie zum Abtrainieren anhalten sollte - für Pechstein käme dies dem Karriereende gleich.

Zuletzt hatte die Berlinerin immer wieder betont, spätestens nach dem Ablauf ihrer Sperre im Februar 2011 ein Comeback starten zu wollen.

Pechstein-Anwalt prüft Rechtsmittel

"Dass ihr diese Entscheidung jetzt offensichtlich durch das völlig unnötige, öffentliche Vorpreschen des Bundesinnenministers aufdiktiert werden sollte, war definitiv zu viel für Claudias Nervenkostüm", sagte Grengel.

Das Pechtein-Lager kündigte an, gegen die Entscheidung des BMI weitere Rechtsmittel einzulegen.

"Mir ist unverständlich, warum dem Antrag nicht entsprochen werden konnte", sagte Anwalt Alexander Friedhoff.

Revisionsurteil erwartet

Die fünfmalige Olympiasiegerin ist vom internationalen Eisschnelllauf-Verband ISU wegen erhöhter Blutwerte bis Februar 2011 gesperrt.

Der Internationale Sportgerichtshof CAS hatte die Sperre bestätigt. Pechstein hat vor dem Schweizer Bundesgericht Revision gegen das Urteil des CAS eingelegt. Mit einer Entscheidung wird in den nächsten Wochen gerechnet.

"Steuergelder verschwendet"

Entschieden trat Pechsteins Anwalt Friedhoff dem Vorwurf entgegen, es würden Steuergelder verschwendet, weil Pechstein trotz ihrer Sperre nicht ihren Dienst als Polizeibeamtin erfüllen würde.

"Das BMI hätte keine Steuergelder für die Bezahlung meiner Mandantin verwenden müssen, und Frau Pechstein hätte sich im Rahmen von selbstorganisierten Trainingsmaßnahmen zielgerichtet auf ihr Comeback vorbereiten können", sagte Friedhoff.

Disziplinarverfahren eingestellt

Erst vor wenigen Wochen hatte Pechstein neue Hoffnung schöpfen dürfen, nachdem das BMI das Disziplinarverfahren gegen sie eingestellt hatte.

"Ein Dienstvergehen sei nicht zweifelsfrei zu beweisen gewesen", hatte die Behörde damals mitgeteilt.

Pechsteins Stellung als Beamtin hatte durch die Sperre auf dem Spiel gestanden.

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