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Markus Eicher machte sich als Erfolgstrainer von Anni Friesinger einen Namen © imago

Bundestrainer Eicher beharrt im "Diktatur"-Streit auf einer harten Linie, DESG-Sportdirektor Schumacher bestärkt ihn darin.

Klobenstein/Berlin- Der Verband spricht offiziell von "Deeskalation", doch der Streit um die "neue Diktatur" im deutschen Lager ist noch nicht ausgestanden.

Nach den Disziplinlosigkeiten der Mehrkämpfer drängt Bundestrainer Markus Eicher weiter auf einen harten Kurs.

"Wir müssen aufpassen, dass gewisse Einstellungen nicht auf unsere Jugend übertragen werden."

Bei der EM am Wochenende war der lang schwelende Streit offen ausgebrochen. Robert Lehmann und Tobias Schneider hatten es Eicher übel genommen, dass er die Einführung der Geldstrafen ausgeplaudert und von einer "Diktatur" gesprochen hatte.

"Das war unpassend", sagt auch DESG-Sportdirektor Günter Schumacher, der am Sonntag die Krisengespräche führte.

Annehmlichkeiten trotz schlechter Leistungen

Generell aber schlug sich Schumacher auf die Seite des Trainers.

Er geißelte die zu lasche Einstellung der Sportler, die seit Jahren der Weltspitze hinterherlaufen und dennoch die Annehmlichkeiten des Verbandes in Anspruch nehmen. (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News)

Das werde künftig geändert. "Wir befinden uns in einem Änderungsprozess und haben festgestellt, dass die ein oder andere liebgewonnene Gewohnheit nicht mehr zweckdienlich ist", sagte Schumacher.

"Sollte dieses Thema nicht zu hoch hängen"

Weitere Sanktionen wollte der Sportdirektor allerdings nicht verhängen. Dafür sei er auch die falsche Person.

Wer soll es dann machen? Präsident Gerd Heinze verfolgte das Wirrwarr aus dem heimischen Berlin und versuchte, die Brisanz runterzuspielen.

"Man sollte dieses Thema nicht zu hoch hängen", sagte er und sprach von einer "Deeskalation", die durch die Gespräche am Wochenende erreicht worden sei.

Nun müssten sich die Sportler darum kümmern, zumindest ihr altes Niveau zu erreichen.

Dokumentation der Trainingsumfänge

Doch wie deutlich das Tischtuch zwischen Eicher und seinen Mehrkämpfern zerschnitten ist, zeigte eine Begebenheit aus dem jüngsten Trainingslager in Südafrika.

Der Verband hatte extra eine Bahn für das Training auf Inlineskates angemietet, doch Lehmann war mit dem Rad angereist und bestand darauf, seine Trainingseinheiten auf zwei Rädern abzuspulen.

Die Einstellung der Top-Läufer hat ihren Ursprung in den Jahren unter dem niederländischen Coach Bart Schouten, der im September wegen Erfolglosigkeit durch Eicher ersetzt worden war.

Eicher führte Geldstrafen ein und forderte Dokumentationen über die Trainingsumfänge. "Einige hatten es sich bei Schouten zu bequem gemacht", so Eicher.

Schumacher: Kein Tiefpunkt

Wurde das Dilemma der deutschen Männer in den vergangenen Jahren immer noch durch die Glanztaten von Anni Friesinger und Co. überstrahlt, liefen die Frauen nach dem Rückzug der "Golden Girls" am Wochenende auch nur noch in der zweiten Reihe.

Bei der EM gab es keinen Finalplatz - erstmals seit 1970. (DATENCENTER: Alle Weltcup-Ergebnisse 2010/11)

Schumacher wollte dennoch nicht von einem Tiefpunkt sprechen. "Das sind Formulierungen, mit denen ich nichts anfangen kann", sagte er und lobte stattdessen die Auftritte der Nachwuchsläuferinnen Isabell Ost, Bente Kraus (beide Berlin) und Jennifer Bay (Dresden) auf den Rängen 14, 15 und 18.

Schumacher: "Unsere jungen Frauen haben sich achtbar aus der Affäre gezogen."

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