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Bart Schouten trainiert die deutschen Eisschnelläufer seit 2006 © getty

Zwist im Eisschnelllauf: Bundestrainer Bart Schouten beklagt das armselige Niveau bei den Männern, auch Anschütz-Thoms schimpft.

Jenny Wolf stürmte zu zwei Siegen, Daniela Anschütz-Thoms überzeugte als Zweite, doch trotz der guten Bilanz von Heerenveen rumort es im deutschen Eisschnelllauf-Lager mal wieder kräftig.

Team-Olympiasiegerin Anschütz-Thoms griff die Verbandsspitze an, weil ihr Trainer Stephan Gneupel nicht mit zum Weltcup in die niederländische Hochburg fahren durfte.

Männer-Chefcoach Bart Schouten wähnt derweil die ruhmreiche Kufen-Nation Deutschland in naher Zukunft "auf dem Niveau von Tschechien".

Zufriedene Wolf

So war nur Jenny Wolf rundum zufrieden. "Ich fahre mit einem sehr guten Gefühl nach Hause, die Saison hat hervorragend begonnen", sagte Wolf nach ihren beiden 500-m-Siegen gegen Dauer-Konkurrentin Wang Beixing (Revanche und Rekord) .

Die Chinesin hatte der Weltrekordlerin eine Woche zuvor in Berlin die erste Niederlage nach knapp einem Jahr zugefügt.

Anschütz-Thoms wütend

Anschütz-Thoms war von derart guter Laune meilenweit entfernt, obwohl sie mit ihrem zweiten Rang über 1500 m ihre beste Platzierung auf dieser Strecke seit fast vier Jahren erreichte. Was hängenblieb, war Platz fünf auf ihrer Lieblingsstrecke 3000 m.

"Mit ihm an der Seite wäre es besser gelaufen. Ich fühlte mich nicht richtig gut. Er hätte mir den notwendigen Ruck gegeben", meinte die 33-Jährige: "Wir haben alles versucht, dass Gneupel mich in dieser Saison wieder begleitet. Ich hole immerhin Medaillen. Aber die DESG blockt ab."

Seit der nach Turin 2006 in Kraft getretenen Strukturreform des Verbandes sind nur die Cheftrainer bei jedem Weltcup dabei, die Heimtrainer dürfen im Wechsel mitfahren.

Gneupel ist erst in der kommenden Woche in Moskau wieder an der Reihe. Das habe man im Trainerrat so beschlossen, erklärte DESG-Teamchef Helge Jasch.

Attacke auf Friesinger

"Ich kritisiere die anderen Trainer nicht. Sie geben ihr Bestes. Aber wenn es darauf ankommt, kann mein Heimtrainer immer noch das Letzte herausholen", meinte die Erfurterin, die auch "nicht versteht, dass schlechtere Sportler hier von ihrem Trainer betreut werden dürfen".

Damit meinte sie Anni Friesingers Coach Gianni Romme, der in Abwesenheit der verletzten Doppel-Weltmeisterin Pamela Zoellner, Judith Hesse und Anton Hahn betreute.

Glaubt man Schouten, dürften derlei Scharmützel in naher Zukunft noch das geringste Problem darstellen. "Ich war geschockt, als ich erfuhr, wie wenig Eisschnellläufer es in Deutschland gibt", sagte der Ex-Coach der US-Olympiasieger Derek Parra und Chad Hedrick der niederländischen Nachrichtenagentur ANP.

Bei den Männern werde zwangsläufig jeder, der ein bisschen Leistung zeigt, in die Nationalmannschaft aufgenommen.

Niemand außer Wolf

In Heerenveen erreichte der Chemnitzer Marco Weber mit Platz 13 über 5000 m das beste Einzelergebnis. Auf den Kurz- und Mittelstrecken sind die deutschen Männer schon gar nicht mehr in der starken A-Gruppe vertreten.

Wenn Friesinger (Zoff um den engen Stoff) und Claudia Pechstein ihre Karrieren beendeten, so der Niederländer Schouten, sänke das Niveau in Deutschland auf das in Tschechien.

Die Osteuropäer haben in Martina Sablikova eine einzige Siegläuferin, nach der 3000- und 5000-m-Weltrekordlerin kommt lange nichts. Deutschland bleibt nach den Winterspielen 2010 in Vancouver als Erfolgsgarantin wohl nur noch Jenny Wolf.

Monique Angermüller überrascht

Die Berliner Eisschnellläuferin Monique Angermüller hat beim Weltcup in Heerenveen das bislang beste Ergebnis ihrer Karriere erreicht.

Die 24-Jährige belegte über 1000 m in 1:17,29 Minuten den fünften Platz.

Nesbitt siegt

In Abwesenheit der verletzten Weltmeisterin Anni Friesinger siegte die Kanadierin Christine Nesbitt (1:16,18) vor ihrer Teamkollegin Kristina Groves (1:16,76) und 500-m-Spezialistin Wang Beixing aus China (1:17,01).

Angermüller hatte bereits beim ersten Weltcup in Berlin auf der 1000-m-Distanz als Achte überzeugt.

Frauen im Teamwettbewerb Dritte

Das deutsche Frauen-Team hat auch ohne die verletzte Anni Friesinger einen Podestplatz erreicht.

Nach Rang zwei zum Saisonauftakt in Berlin belegten Claudia Pechstein, Lucille Opitz (beide Berlin) und Daniela Anschütz-Thoms (Erfurt) in 3:02,34 Minuten den dritten Platz hinter den Niederlanden (3:01,32) und Kanada (3:02,34).

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