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Claudia Pechsteins Zwei-Jahres-Sperre läuft im Februar 2011 aus © getty

Das BMI erntet für Pechsteins Ausschluss aus der Sportförderung viel Lob. Sie tanze der Polizei auf der Nase herum.

Berlin - Bundesinnenminister Thomas de Maiziere hat für den Ausschluss von Claudia Pechstein aus der Sportförderung des Bundes viel Lob erhalten.

Pechsteins Manager Ralf Grengel reagierte dagegen mit bissigen Kommentaren verärgert über Aussagen einiger Politiker.

Der Fall Pechstein sorgte im Sportausschuss des Deutschen Bundestages für helle Aufregung. Zunächst hatten Sportpolitiker von CDU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen die Entscheidung von de Maiziere unterstützt, die Eisschnellläuferin nach Ablauf ihrer Sperre nicht mehr in die Fördergruppe aufzunehmen.

Zweifel an Treue und Loyalität

Lediglich die Linken forderten einen Sonderstatus für die 38-Jährige und die Rückkehr in die Förderung.

"Ich will ausdrücklich die Entscheidung des Ministers begrüßen", sagte Winfried Herrmann von den Grünen. Pechstein sei ihrem Dienstherrn in den letzten zwei Jahren auf der Nase herumgetanzt und habe die nötige Treue und Loyalität vermissen lassen.

Der Sportausschuss folge den Urteilen der Sportgerichte und könne keine Glaubensgemeinschaft nach dem Motto sein: 'Claudia, wir glauben Dir!'

De Maiziere hatte festgelegt, Pechstein müsse nach Ende ihres Urlaubs am 11. März wieder den Dienst bei der Bundespolizei antreten. Die fünfmalige Olympiasiegerin will jedoch ihre sportliche Karriere über diesen Winter hinaus fortsetzen.

Manager attackiert Sportausschuss

Pechsteins Manager Ralf Grengel ärgerte sich stattdessen über den Kenntnisstand vor allem von Vertretern der Grünen.

"Ich wundere mich, wie wenig Ahnung Mitglieder des Sportauschusses über einen Fall haben, der weltweit Beachtung fand", schimpfte Grengel. Die Grünen hatten gemeint, Pechstein habe nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft, ihr Blut frühzeitig untersuchen zu lassen. Das zeuge von Unkenntnis, so Grengel.

Mit Unverständnis reagierte Grengel auch auf Aussagen vieler Politiker, Pechstein sei durch ein ordentliches Gericht verurteilt worden. Man habe vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS, der Pechsteins zweijährige Sperre letztinstanzlich bestätigt hatte, keine Möglichkeit zur Revision gehabt.

"Die einzige Möglichkeit, dieses Urteil aufzuheben, wäre gewesen, wenn Pechstein in der CAS-Sitzung gefoltert worden wäre", sagte Grengel mit reichlich Polemik.

"Hat sich in eine Sackgasse verrannt"

Zuvor hatte sich Klaus Riegert (CDU) dem Lob für die BMI-Entscheidung angeschlossen. "Der Dienstherr war langmütig und nicht kleinkariert."

Die Entscheidung sei nachvollziehbar. Dennoch müsse man auch die menschliche Komponente beachten. "Pechsteins verzweifelten Versuch vor den Gerichten zeigen, dass sie sich in einer Sackgasse verrannt hat."

Martin Gerster von der SPD lobte ebenfalls die Haltung des BMI. Allerdings meinte der Oppositionspolitiker, dass das BMI schon früher hätte eingreifen müssen. "Ich habe gehört, Pechstein sei seit zwei Jahren nicht im Dienst gewesen, hat hohe Ausfallzeiten. Da wäre es richtig gewesen, früher einzugreifen."

Jens Petermann von den Linken kritisierte, dass im Fall Pechstein nicht genügend über den Schutz des Sportlers diskutiert würde.

Der Sportausschuss des Bundestages müsse vielmehr eine Stimmung herstellen, die Athleten in ähnlichen Situationen dazu bringen, sich um eine Wiederaufnahme in die Sportförderung zu bewerben.

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