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Claudia Pechstein ist fünfmalige Olympiasiegerin © getty

Die Rückkehrerin erläuft sich in Erfurt auf Anhieb das Startrecht für den Weltcup. Ums Olympia-Ziel gibt's wohl noch ein Tauziehen.

München/Erfurt - Claudia Pechstein ist der erste Schritt auf dem Weg zurück in die Weltklasse geglückt.

Vier Tage nach Ablauf ihrer Sperre wegen erhöhter Blutwerte lief Pechstein bei ihrem Comeback in Erfurt die 3000 Meter in 4:10,05 Minuten und blieb damit deutlich unter der Weltcup-Norm (4:15,0).

Die Eisschnellläuferin kann nun beim Weltcup in Salt Lake City am kommenden Wochenende starten und dort das Ticket für die Einzelstrecken-WM in Inzell (10. bis 13. März) lösen.

Im Ziel riss Pechstein die Siegerfaust hoch und fuhr anschließend mit einem breiten Lächeln an den Zuschauertribünen entlang. Minutenlang ließ sie sich feiern und nahm mehrere Blumensträuße entgegen.

Pechstein: "Druck war enorm hoch"

"Ich bin froh, dass ich es geschafft habe", sagte Pechstein übers Hallenmikrofon und wurde mehrfach vom Beifall der rund 1500 Besucher unterbrochen. "Es ist mir nicht leicht gefallen. Der Druck war enorm hoch. Übermorgen geht es nach Salt Lake City."

Um genau 13 Uhr am Samstagmittag war die lange Wartezeit für Pechstein beendet. Die fünfmalige Olympiasiegerin setzte den Tunnelblick auf, wirkte am Start ruhig und gefasst. Im Rennen fand sie schnell zu ihrem Rhythmus.

Die 21-jährige Nachwuchshoffnung Bente Kraus, die neben ihr lief, war nach zwei Runden abgehängt.

Schneller Beginn

"Sie ist mit einer 31-er Runde schnell angegangen", sagte ihr Trainer Joachim Franke: "Deshalb musste sie am Ende etwas draufzahlen. Aber so ist das eben, wenn die Wettkampfhärte noch nicht da ist."

Nach ihrem persönlichen Triumph musste Pechstein viele Hände schütteln. "Für mich ist es der größte Sieg in meiner Karriere, dass ich wieder zurück bin", sagte Pechstein, die trotz ihrer guten Ergebnisse im Training nicht unbedingt mit dem Erfolg gerechnet hatte.

"In so einem Rennen kann viel passieren. Die Bahmmarkierung ist schnell überfahren. Das darf man ja laut neuer Regel nicht", sagte die sechsmalige Weltmeisterin.

Auch über 1500 Meter erfolgreich

Dreieinhalb Stunden später rundete Pechstein ihr Comeback ab und erfüllte auch über 1500 Meter die Weltcupnorm.

Die Berlinerin blieb auf ihrer "Hass-Strecke" in 2:01,22 Minuten klar unter dem Limit (2:03,5) und könnte nun auch auf der Mitteldistanz in Salt Lake City starten.

Mit der Weltcupnorm auf beiden Strecken hat Pechstein nun alle Trümpfe in der Hand, noch in diesem Winter in die Weltklasse zurückzukehren. Beim Weltcup in Salt Lake City will sie auf jeden Fall auf den 5000 Metern übers Timeranking für die Heim-WM in Inzell qualifizieren.

In Heerenveen wieder dabei?

"Ich denke, sie muss dort glatt sieben Minuten laufen", sagte Franke. Sollte sie das Rennen in der B-Gruppe gewinnen, hätte sie zusätzlich die Chance, beim Weltcup-Finale Anfang März in Heerenveen zu starten.

Seit ihrer Verurteilung durch den Weltverband ISU im Juli 2009 hatte Pechstein stets erklärt, dass sie aufs Eis zurückkehren werde. Da sie an Lehrgängen der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) nicht teilnehmen durfte, war sie im Training oft auf sich allein gestellt.

Blutwerte wohl weiter schwankend

"Sie hat ganz gravierende Fortschritte gemacht und ist als Persönlichkeit in letzter Zeit enorm gereift", sagte Franke über ihre Entwicklung während der Zwangspause.

Neben ihrem sportlichen Comeback kämpft Pechstein auch auf juristischem Wege um ihre Rehabilitation. Angesehene Hämatologen haben ihr eine Blutanomalie bescheinigt, die Ursache für ihre schwankenden Blutwerte sein soll. Pechstein glaubt, dass die Werte weiter schwankend bleiben.

Um das zu demonstrieren, ließ sie am Samstag um 9 Uhr Bluttests entnehmen, die ins Labor nach Berlin gebracht wurden. Auch die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) nahm Dopingtests vor.

Olympia 2014 ist das Ziel

Trotz ihres vorgerückten Alters will Pechstein ihre Karriere auch über das Saisonende hinaus fortsetzen.

Geplant ist sogar 2014 eine Teilnahme an den Olympischen Spielen - die aktuell allerdings ausgeschlossen scheint, denn: Laut Reglement darf sie dort als Doping-Sünderin nicht starten.

Indes: Der Hämatologe Stefan Eber hat für sie beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) eine Petition eingebracht, die einen Olympia-Start wegen der neuesten Erkenntnisse über ihre Anomalie ermöglichen soll.

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