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Claudia Pechstein gewann bislang fünf Goldmedaillen bei Olympischen Spielen © imago

Claudia Pechstein steht nach dem Sieg in Utah kurzzeitig vor der Disqualifikation. Ihr Lager schimpft auf den Weltverband.

Salt Lake City - Als sie endlich hoch oben auf dem Siegerpodest stand, musste Claudia Pechstein doch noch mit den Tränen kämpfen.

Die so erfahrene Eisschnellläuferin schluckte kurz, fing sich dann aber und winkte mit den Siegerblumen ins Publikum. Überstanden war ein Tag voller Erleichterung und Glück, der fast noch böse geendet wäre.

Der Weltverband ISU diskutierte über den Ausschluss der fünfmaligen Olympiasiegerin und zog sich wieder einmal den Zorn des Pechstein-Lagers zu.

"Es ist doch klar, dass die ISU alles versucht, uns irgendwie zu schaden", sagte Pechsteins Lebensgefährte Matthias Große.

Pechstein will juristisch kontern

Die Fronten sind verhärtet. Nach der zweijährigen Sperre durch die ISU wegen erhöhter Blutwerte bereitet das Pechstein-Lager den juristischen Gegenangriff vor. Man will Entschädigung.

Pechsteins fulminante Rückkehr mit dem Sieg in der B-Gruppe über 5000 m in starken 6:51,63 Minuten wirkte da wie ein erstes Halali, das die ISU deutlich vernommen haben dürfte (228201DIASHOW: Kuriose Doping-Ausreden).

Aufregung um Körperkontakt

Der deutsche Teamchef Helge Jasch versuchte die Wogen der Empörung zu glätten. "Eigentlich war das ein normaler Fall", sagte Jasch zur Untersuchung der ISU. Ein Kurvenrichter hatte gesehen, dass Pechstein beim Überholen kurz die Hand gegen die US-Amerikanerin Maria Lamb ausgefahren hatte.

"Ein Körperkontakt ist nicht erlaubt", meinte Jasch. Letztendlich aber habe die ISU eingesehen, dass Pechstein mit ihrem Eingreifen Schlimmeres verhindert hätte. Etwa einen Sturz.

Zurück in der Weltspitze

Nicht auszudenken, wenn ihr Comeback ausgerechnet am grünen Tisch der ISU geendet wäre.

So stand die strahlende Rückkehrerin nach Jahren mal wieder hoch oben auf einem Siegerpodest und genoss den Augenblick. Mit ihrer Zeit meldete sie sich eindrucksvoll in der Weltspitze zurück.

"Das war hervorragend. Ich traue ihr bei der WM in Inzell eine Medaille zu", sagte Bundestrainer Markus Eicher mit Blick auf den Saisonhöhepunkt im März.

Sablikova mit Fabelzeit

Dass aber zur absoluten Spitze noch eine Lücke klafft, wurde im letzten Rennen des Tages über 5000 m deutlich.

Martina Sablikova (23) und Stephanie Beckert (22) liefen in einer anderen Liga. Sablikova verbesserte ihren Weltrekord um knapp drei Sekunden auf 6: 42,66, Beckert ihre Bestzeit um zweieinhalb Sekunden auf 6:47,04.

Fast hätte sie ihrer Rivalin Pechstein noch den deutschen Rekord aus dem Jahr 2002 (6:46,91) abgejagt - doch an diesem Tag war der Eisschnelllauf-Gott noch ein Pechsteinianer.

"Sie braucht jetzt Wettkämpfe"

Doch mit ihren 6:51,63 lief Pechstein immerhin die viertbeste Zeit der Saison und ordnete sich in der Weltspitze auf Rang drei ein.

Deutlich zu spüren sind ihre große Motivation und der unstillbare Hunger nach Erfolg. "Sie braucht jetzt Wettkämpfe", sagt ihr Trainer Joachim Franke.

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