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Claudia Pechstein holte in ihrer Karriere fünf olympische Gold-Medaillen © getty

Claudia Pechstein erhält nach ihrem Comeback Respekt von der Konkurrenz. Der Trainer sieht eine WM-Medaille in Reichweite.

Salt Lake City - Als Claudia Pechstein auch auf der ungeliebten 1500-m-Distanz zurück in die Weltspitze gestürmt war, fiel sie mit letzter Kraft in die Arme von Freund Matthias.

"Ich bin total happy. Das war ein super Wochenende", sagte die Eisschnellläuferin nach ihrem Comeback.

Nur elf Tage nach Ablauf ihrer zweijährigen Sperre hat sich Claudia Pechstein eindrucksvoll zurückgemeldet - das mussten auch die Erzfeinde aus den Niederlanden einsehen (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr die News im TV auf SPORT1) .

"Es war mutig von ihr, zurückzukommen. Die Leistungen waren gut, auch wenn ein Beigeschmack bleibt", sagte der niederländische Trainer Bart Veldkamp.

Der Olympiasieger von 1992 hatte Pechsteins Doping-Affäre mit einem Krebs-Geschwür verglichen, mit dem die Eisschnelllauf-Welt leben müsse.

Pechstein kontert Veldkamp

Pechstein ließ sich nicht besänftigen und ärgerte sich auch im Moment des Triumphes noch über Veldkamps Aussagen. "Zum Glück gibt es noch andere Menschen in den Niederlanden", sagte sie.

Bei ihrem Weltcup-Comeback bestach die fünfmalige Olympiasiegerin durch mentale Stärke. Dabei war die Lage im Olympic Oval prekär, immerhin ging es um alles oder nichts.

Hätte sie zweimal gepatzt, wäre die Saison nach nur knapp zwei Wochen schon wieder beendet gewesen - und damit vielleicht auch das komplette Projekt Pechstein.

"Druck war riesig"

"Der Druck war riesig, und dann diese Top-Zeiten", schwärmte der deutsche Teamchef Helge Jasch. Pechstein verblüffte über 5000 m in 6:51,63 Minuten mit der viertbesten Saisonmarke.

Über 1500 m blieb sie in 1:55,38 nur eine Sekunde über ihrer Bestzeit - trotz einer Oberschenkelverletzung. "Ich bin wieder da und habe auf dem Eis die richtige Antwort gegeben", sagte die Rückkehrerin.

Dank ihrer Leistung beim Comeback hat sich die 38-Jährige auf beiden Strecken für die Saisonhöhepunkte beim Weltcup-Finale in Heerenveen (4. bis 6. März) und eine Woche später bei der Einzelstrecken-WM in Inzell qualifiziert.

Eicher glaubt ans Podium

"Ich traue ihr in Inzell das Podium zu", sagte Bundestrainer Markus Eicher.

Pechsteins Freundin Martina Sablikova, die sie mit einer herzlichen Umarmung in Salt Lake City begrüßt hatte, glaubt: "Sie wird bei der WM eine Medaille holen. Ich weiß nur noch nicht, welche."

Sablikova eine Klasse für sich

Gold scheint für Sablikova selbst reserviert zu sein. Die Tschechin lief in Salt Lake City über 5000 m in 6:42,66 Weltrekord. Stephanie Beckert kam in persönlicher Bestzeit (6:47,04) auf Platz zwei.

Das waren jedoch die einzigen Läuferinnen, die an diesem Wochenende schneller als Pechstein waren.

Die Debatte um eine Rückkehr in die Sportförderung wird durch die gezeigten Leistungen neu aufleben. Um im Streit mit der ISU zu beweisen, dass die hohen Blutwerte auf eine Anomalie zurückzuführen sind, wurden wieder eigene Dopingproben genommen(228201DIASHOW: Kuriose Doping-Ausreden).

Eric Heiden, der fünfmalige Olympiasieger von 1980, half als promovierter Mediziner bei der Blutentnahme in einer Klinik in der Nähe der Eishalle.

ISU verweigert Kommentar

Eine unglückliche Figur gab die ISU ab. Trotz der anhaltenden Spannungen mit dem Pechstein-Lager trug der Verband nicht zur Aufklärung bei und verweigerte jeden Kommentar.

ISU-Vizepräsident Jan Dijkema sagte über Pechsteins Comeback nur: "Das Einzige, was ich sagen kann, ist, dass es ein gutes Resultat war. Jetzt schauen wir in die Zukunft. Keiner weiß, was kommen wird."

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