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Claudia Pechstein hat bislang 34 WM-Medaillen gesammelt © getty

Das Eis bei der Heim-WM in Inzell verspricht Bestzeiten en masse. Die DESG hat hohe Ziele. Es droht aber erneut Zickenterror.

Inzell - Claudia Pechstein zurück im Rampenlicht, an vier Tagen volles Haus und ganz schnelles Eis: Die deutschen Eisschnellläufer hoffen bei der Heim-WM in Inzell von Donnerstag bis Sonntag auf ein großes Spektakel.

Wenn die letzten Handwerker nur wenige Stunden vor Wettkampfbeginn die schmucke neue Eishalle verlassen haben werden, sollen Medaillen her.

"Vier sind machbar, fünf wären grandios", sagt Bundestrainer Markus Eicher.

"Es ist ein richtig gutes Eis, es wird viele Bestzeiten geben", sagt Anni Friesinger.

Friesinger: "Tolle Wettkämpfe"

Die Inzellerin hat im vergangenen Sommer ihre Karriere beendet, ist beim Event in ihrer Heimatstadt jedoch als Moderatorin des niederländischen TV-Senders "NOS" im Einsatz.

Auch bei ihr herrscht Vorfreude: "Wir werden tolle Wettkämpfe erleben."

Pechsteins Blutwerte wieder schwankend

Mit Spannung wird der Auftritt von Pechstein erwartet. Nach Ablauf ihrer Sperre am 8. Februar stürmte die 39-Jährige im Eiltempo zurück in die Weltspitze und löste gleich vier WM-Tickets.

Unklar blieb, ob die 39-Jährige vor dem WM-Start eine Ausnahmegenehmigung vom Weltverband ISU erhalten würde. Diese hatte die fünfmalige Olympiasiegerin beantragt, um während der Wettkämpfe nicht aus dem Verkehr gezogen zu werden.

Immerhin sind ihre Blutwerte ähnlich schwankend wie zu dem Zeitpunkt, an dem sie für zwei Jahre gesperrt wurde. (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr die News im TV auf SPORT1)

Medaillen für die Förderung

"Ich habe bislang alle Ziele erreicht. Alles, was jetzt kommt, ist Zugabe", sagte Pechstein vor ihrem ersten Lauf am Donnerstag über 3000 m.

Eine Medaille wäre ein gewichtiges Argument im Streit mit dem Bundesinnenministerim um ihre Rückkehr in die Sportförderung.

Je besser die Berlinerin abschneidet, desto größer dürfte ihre Chance sein, ab Montag nicht ihren Dienst als Hauptmeisterin der Bundespolizei antreten zu müssen.

Die Rückkehr an den Schreibtisch hatte Thomas de Maiziere in einer seiner letzten Amtshandlungen als Bundesinnenminister angeordnet.

"Fall Pechstein" sorgt für Angst

Am Mittwoch wurde zudem bekannt, dass im Zusammenhang mit dem Dopingfall Pechstein anscheinend bei zahlreichen deutschen Spitzensportlern Blutanomalien aufgetaucht sind. Nach Informationen des "Bayerischen Rundfunks" wurden an der Uni-Klinik Ulm neben Pechstein und zwei weiteren Eisschnellläuferinnen auch die

Blutbilder von diversen Ausdauerathleten und Fußballern analysiert und ebenfalls seltene Blutanomalien diagnostiziert. Zu den Behandlungen kam es anscheinend nur, weil die betreffenden Sportler im Zuge des Pechsteins-Falles Angst vor Sperren bekommen hatten. (228201DIASHOW: Kuriose Doping-Ausreden)

Top-Favoritin Jenny Wolf

Einzel-Gold in Inzell scheint für Pechstein außer Reichweite. Einzige deutsche Top-Favoritin ist Sprinterin Jenny Wolf, die am Wochenende ihren sechsten Gesamtweltcup in Folge über 500 m holte.

Die Olympiazweite ist in blendender Form und lief auf der neuen Bahn in Oberbayern vor zwei Wochen bei einem Testlauf Bahnrekord (37,88 Sekunden).

Vielleicht ist es ihr letzter Auftritt. Der Rücken schmerzt.

"Im Sommer entscheide ich, ob ich weitermache", sagte die 32-Jährige.

Beckert hat Silber im Visier

Kandidatin für gleich dreimal Edelmetall ist die Erfurterin Stephanie Beckert.

Die 22-Jährige gilt wie schon bei Olympia 2010 sowohl über 3000 als auch über 5000 m als zweitbeste Athletin nach Martina Sablikova aus Tschechien und hat jeweils Silber ins Visier genommen.

Beckert im Team mit Pechstein?

Ihre dritte Medaille will Beckert mit der deutschen Mannschaft holen.

Allerdings ist fraglich, ob sie gemeinsam mit Pechstein in einem Team läuft. Die beiden sind zerstritten und reden kein Wort miteinander.

"Ich sehe da kein Problem", sagt Eicher. "Die beiden werden nie Freundinnen. Dennoch sind sie Profi genug, um in einer Mannschaft zu laufen", sagte der 56-Jährige.

Gute Ansätze bei Herren

Schon traditionell wachsen bei den deutschen Herren die Bäume nicht in den Himmel, auch wenn es in der abgelaufenen Saison gute Ansätze gab.

Nico Ihle und Samuel Schwarz erzielten einige Top-Ergebnisse, Stephanie Beckerts Bruder Patrick lief deutschen Rekord über 10.000 m.

"Wir haben den Abwärtstrend gestoppt, doch mit Medaillen rechne ich bei den Männern nicht", sagte Eicher.

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