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Stephanie Beckert gewann bei Olympia in Vancouver bereits Silber über die 3000 Meter © getty

Die Team-Olympiasiegerin belegt hinter Wüst und Sablikova Platz drei. Claudia Pechstein verpasst eine Medaille deutlich.

Inzell - Einbruch für Claudia Pechstein, Jubel bei Stephanie Beckert: Bei den deutschen Eisschnellläuferin hätte die Gefühlslage nach dem Auftakt-Rennen der Einzelstrecken-WM in Inzell nicht unterschiedlicher sein können.

Pechstein kam über 3000 m in 4:08,11 Minuten nur auf Rang acht und verpasste die insgeheim erhoffte Medaille deutlich.

Beckert gewann Bronze hinter der Ireen Wüst (Niederlande/4:01,56) und Doppel-Olympiasiegerin Martina Sablikova (Tschechien/4:02,07) und holte ihre erste Medaille bei einer Einzelstrecken-WM.

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"Es hat Spaß gemacht"

"Es hat Spaß gemacht, hier gelaufen zu sein. Aber es war schwer. Ich habe mein Bestes gegeben", sagte Pechstein nach ihrem ernüchternden Abschneiden.

"Ich wollte hier mehr zeigen. Schade, dass es nicht geklappt hat. Aber es war gut, dass ich dabei war", meinte die fünfmalige Olympiasiegerin knapp fünf Wochen nach Ablauf ihrer Sperre wegen erhöhter Blutwerte. (228201DIASHOW: Kuriose Doping-Ausreden)

Beckert machte es etwas besser und sicherte sich ihre erste Medaille bei einer Einzelstrecken-WM. "Ich bin wahnsinnig glücklich. Bronze ist super", sagte Beckert: "Mir fehlten am Anfang die schnellen Runden, wie sie Wüst oder Sablikova laufen können."

Immerhin lief Beckert die beste Zeit, die sie je in Europa erzielt hatte. "Jetzt können die 5000 m kommen", sagte sie.

Altersrekord bleibt aus

Pechstein hatte unterdessen Mühe, ihre Kraft richtig einzuteilen. Ihr Tempo nahm von Runde zu Runde ab.

Erst gelangen ihr noch 32-er Runden, doch am Ende lagen ihre Werte bei mageren 33, 5 und 33,7 Sekunden. Ihr blieb damit die triumphale Krönung ihrer vierwöchigen Comeback-Tour versagt.

Mit einem Platz auf dem Podium wäre sie die erste Athletin gewesen, die mit 39 Jahren bei einer Einzelstrecken-WM Edelmetall gewonnen hätte. Eine Medaille wäre für sie zudem ein gewichtiges Argument im Streit mit der Bundesinnenministerium (BMI) um eine Rückkehr in die Sportförderung.

Das BMI hatte seiner Hauptmeisterin der Bundespolizei am Mittwoch zumindest noch Sonderurlaub für die Dauer der Heim-WM gewährt.

Zwei weitere Starts

Bei der Heim-WM in Inzell greift Pechstein noch zweimal ins Geschehen ein. Am Samstag startet sie über 5000 m. Dort war sie dreimal Olympiasiegerin.

Am Sonntag nimmt sie zum Abschluss der Titelkämpfe am Teamwettbewerb teil. In beiden Fällen hat die Langstrecken-Spezialistin Medaillen-Chancen.

Auch Beckert startet noch über 5000 m und im Team. "Es war klar, dass Claudia irgendwann wiederkommt. Sie ist zurück", sagte die WM-Dritte. Ireen Wüst freute sich indes reisig über ihren Titel.

"Ich bin sehr glücklich, dass es gereicht hat", meinte die Niederländerin, die nach ihrer Bestzeit bis zum letzten Lauf warten musste, bis ihr Erfolg feststand. "Das war sehr spannend", meinte Wüst, die nervös an den Fingernägeln gekaut hatte.

Männer ohne Chance

Die deutschen Männer liefen zum Auftakt der WM mal wieder hinterher.

Der deutsche Rekordhalter Robert Lehmann kam über 1500 m in 1:47,73 Minuten nur auf den 16. Rang. Jörg Dallmann (Erfurt) musste sich in 1:50,62 Minuten sogar mit Platz 23 begnügen.

Beide waren im Klassement am Ende noch einen Platz nach vorne gerückt, weil der Niederländer Mark Tuitert wegen Überfahrens der Bahnmarkierung disqualifiziert wurde.

Der Norweger Havard Bokko sicherte sich in 1:45,04 Minuten Gold und verwies den US-Amerikaner Shani Davis (1:45,09) und Lucas Makowski aus Kanada (1:45,22) auf die Plätze zwei und drei.

ISU sorgt für Wirbel

Für einigen Wirbel sorgte am WM-Auftakttag der Weltverband ISU bei der Auswertung seiner Dopingkontrollen.

Offenbar hat die ISU für die Analyse der Bluttests falsch geplant und kurzfristig das Labor gewechselt. Wie Recherchen des "ZDF" ergaben, sollten ursprünglich sämtliche Doping-Tests in einem nahe gelegenen Labor in Traunstein vorgenommen werden.

Doch dannn entschied sich die ISU um, da das Labor in Traunstein die Analysen der Bluttests nicht gemäß der Regeln der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) durchführen kann.

"Organisatorische Gründe"

"Es wurde aus organisatorischen Gründen ein Wechsel vorgenommen", sagte Traunsteins Labor-Chef Burkhardt Müller.

Der Weltverband wollte eine Panne jedoch nicht bestätigen: "Es war von Anfang an geplant, dass die Proben in einem WADA-akkreditierten Labor durchgeführt werden", sagte Joel Shobe, Mitglied der medizinischen Kommission der ISU.

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