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Glückwunsch: Anni Friesinger und Claudia Pechstein bei Olympia 2006 © getty

Mit dem Doppelsieg von Moskau hat sich Claudia Pechstein eindrucksvoll zurückgemeldet, Weggefährten stimmen Lobeshymnen an.

Moskau - Die Eisschnelllauf-Welt verneigt sich vor Claudia Pechstein.

Die 36-Jährige konnte sich nach ihrem grandiosen Doppelsieg beim Weltcup in Moskau vor Lob kaum retten, und während sich die Berlinerin nach ihrer Rückkehr schon wieder auf ein lockeres Trainingslager auf Mallorca (ab Donnerstag) vorbereitete, zog auch Anni Friesinger den Hut vor der einstigen Erzrivalin.

"Das war einfach super. Ich freue mich riesig für sie. Da hat sie es ihren Kritikern aber mal so richtig gezeigt", meinte die Doppel-Weltmeisterin.

"Das war wieder die alte Claudia"

Friesinger , die sich nach ihrer Knie-Operation seit Sonntag auf Lanzarote auf ihr Comeback im Dezember vorbereitet, hatte nie Zweifel an Pechsteins Leistungsfähigkeit.

"Mir war immer klar, dass sie noch für Medaillen gut ist. Um so schöner, dass es jetzt sogar zum Doppelsieg gereicht hat, auch wenn sie mir dabei über 1500 m den Bahnrekord weggeschnappt hat", sagte die 31-Jährige.

"Die Rennen waren der Wahnsinn", meinte auch "Jahrhundert-Eisschnellläuferin" Gunda Niemann-Stirnemann, "das war wieder die alte Claudia".

Die Rekord-Weltmeisterin und -Weltcupgewinnerin (98 Siege) sieht sogar im vergleichsweise hohen Alter Pechsteins nicht umbedingt einen Nachteil:

"36 Jahre, das heißt auch geballte Erfahrung. Diese Siege waren ein Fingerzeig, dass es auch bei Olympia 2010 in Vancouver zu einem Podestplatz reichen könnte."

Ausnahmetalent Pechstein

Pechsteins langjähriger Trainer Joachim Franke, der die erfolgreichste deutsche Wintersportlerin zu allen fünf Olympiasiegen geführt hat, sah am Wochenende "stimulierende Resultate auf dem Weg nach Vancouver. Claudias physische Leistungsfähigkeit ist unglaublich. In ihrer Verfassung fällt sie noch lange nicht hinten runter", meinte der 68-Jährige.

Pechstein sei ein Ausnahmetalent.

Sie übe den Hochleistungssport mit allen Konsequenzen aus und habe ihr ganzes Leben darauf ausgerichtet.

"Sie kann anderen Sportlern als Vorbild dienen, ihnen Mut machen, durchzuhalten", sagte Franke.

OP bewirkt Wunder

Der erfolgreichste Eisschnelllauf-Coach aller Zeiten steht Pechstein noch immer mit Rat und Tat zur Seite, hielt mit seinem Schützling auch in Moskau regelmäßigen Telefonkontakt und ist sich nach dem erfolgreichen Wochenende sicherer denn je: "Podestplätze und auch Titel bleiben realistisch."

Pechstein war fast ohne gesundheitliche Probleme durch die Saison-Vorbereitung gekommen.

Eine Operation an der Nasenscheidewand, die der oft verschnupften Pechstein das Atmen im Rennen erleichtert, half ihr enorm weiter.

Hartes Training

Im harten Training unter dem norwegischen Nationalcoach Peter Mueller oder mit den deutschen Männern in Berlin holte sich die älteste Weltklasse-Läuferin ihre Topform zurück.

Vor allem dank ihres unwiderstehlichen Schlussspurts zeigt Pechstein der Konkurrenz nun wieder die Hacken.

"Bei ihrem Sieg über 1500 m ist sie die letzte Runde in 30,4 Sekunden gelaufen. Das ist unglaublich stark", meinte Helge Jasch, Teamchef der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG), der Pechstein seit Frankes Rücktritt während der Rennen auf dem Eis betreut.

Der deutschstämmige Amerikaner Mueller will dagegen nicht mehr viele Worte über das Phänomen Pechstein verlieren: "Ich bin sehr zufrieden mit ihren Ergebnissen. Ich halte nicht viel vom Rumquatschen über ihr Alter. Antworten mit Leistungen auf dem Eis finde ich besser."

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