vergrößernverkleinern
Claudia Pechstein gewann bei der WM 2011 in Inzell zwei Bronzemedaillen © getty

Die Mehrkampf-WM in Moskau nimmt Claudia Pechstein nicht nur wegen körperlicher Probleme als Außenseiterin in Angriff.

Moskau/München - Bei der Mehrkampf-WM in Moskau bestreitet Claudia Pechstein am Wochenende den letzten Wettkampf vor ihrem 40. Geburtstag.

Und ausgerechnet vor dem ersten Höhepunkt der Saison und ihrem "Runden" am kommenden Mittwoch fühlt sich die fünfmalige Olympiasiegerin so, wie sich Spitzen-Sportlerinnen in fortgeschrittenem Alter wohl ab und zu mal fühlen.

"Erst hatte ich mir einen Infekt eingefangen, und beim Weltcup in Hamar kam eine Halswirbel-Blockierung hinzu. Moskau ade, dachte ich", sagte sie.

Doch die nimmermüde Pechstein beißt auf die Zähne.

"Mit einem Gefühl der Ungewissheit"

Zweifel bleiben allerdings.

Weil sie in den vergangenen Wochen kaum aussagekräftige Wettkämpfe bestritt - die EM auf der Freiluftbahn in Budapest, wo sie Zweite wurde, bezeichnet Pechstein als "Windlotterie", den Weltcup in Hamar brach sie wegen der Blockade nach einem 18. Platz über 1500 m ab - , kann sie ihre derzeitige Form nicht einschätzen.

"Ich weiß also beim besten Willen nicht, wie ich drauf bin", verrät Pechstein.

Einen letzten Test am Freitagmorgen absolvierte sie "mit einem Gefühl der Ungewissheit", wie es der deutsche Teamchef Helge Jasch ausdrückte.

Pechstein schweigt zu Vorwürfen

Immerhin macht das Moskauer Eis einen guten und schnellen Eindruck.

Zu den Zipperlein und der sportlichen Ungewissheit kommt die Doping-Affäre um den Erfurter Arzt Andreas Franke, zu dessen Patienten Pechstein nach "ARD"-Informationen gehört haben soll. (Frankes UV-Bestrahlung im Kreuzfeuer)

Wie sehr sie diese Entwicklung belastet, ist unklar. Bislang wehrte sie sich gewohnt lautstark, zu den konkreten Vorwürfen aber schweigt sie beharrlich.

Moskau als gutes Pflaster

Moskau könnte sie ablenken. In der Krylatskoje-Halle läuft sie gerne.

Dort holte sie im November 2008 ihre bislang letzten beiden Weltcup-Siege auf einer Einzelstrecke (SERVICE: Alles zum Wintersport).

Die Läufe, die sie damals über 1500 m (1:55,96) und 5000 m (6:49,92) auf das Eis der Flachlandbahn zauberte, waren derart beeindruckend, dass sie ihre Kritiker später, als sie wegen auffälliger Blutwerte gesperrt wurde, mit Argwohn betrachteten.

Mit der Bronzemedaille, die sie in der russischen Hauptstadt bei der Mehrkampf-WM vor sieben Jahren gewann, wäre sie am Sonntag mehr als zufrieden.

Sieg wäre eine Sensation

Nicht nur der Körper nämlich schmerzt, auch die Konkurrenz ist groß. Titelverteidigerin Ireen Wüst (Niederlande), Europameisterin Martina Sablikova (Tschechien) und Christine Nesbitt (Kanada) sind stärker einzuschätzen als Pechstein.

Der erste WM-Erfolg für eine deutsche Läuferin seit 2005 (Anni Friesinger - in Moskau) wäre eine Sensation.

Die deutsche Dominanz im Königswettbewerb ist längst gebrochen. Zwischen 1982 und 2002 hatte es im wichtigsten Vierkampf der Saison nur deutsche Siegerinnen gegeben, mit Ausnahme von 1994, als Emese Hunyady für Österreich gewann.

Pechstein ohne Druck

Mit einem Streckenerfolg oder einem Podiumsplatz auf einer der beiden Langdistanzen wäre Pechstein schon zufrieden.

"Bis auf Hamar stand ich bei allen Langstreckenrennen dieser Saison auf dem Treppchen", sagte sie: "Ich lasse mich aber nicht unter Druck setzen, will mich in der im Moment bestmöglichen Verfassung präsentieren."

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel