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Claudia Pechstein holte ihren ersten Erfolg im Profi-Sport bei den Spielen 1992: Bronze © getty

Die Berlinerin verpasst nach einer turbulenten Vorbereitung bei der Mehrkampf-WM in Moskau die erhoffte Medaille klar.

Moskau - Claudia Pechstein muss ihren 40. Geburtstag am Mittwoch ohne WM-Medaille feiern.

Die Berlinerin kam bei ihrer 18. Mehrkampf-Weltmeisterschaft nicht über den sechsten Platz hinaus und verpasste nach einer mäßigen Vorstellung im Krylatskoje-Eispalast ihr insgesamt zwölftes Edelmetall.

Auch der erhoffte Podestplatz in einem der vier Läufe blieb ihr beim Sieg der Niederländerin Ireen Wüst verwehrt.

"Nach dieser Vorbereitung war die Leistung okay, mehr war diesmal einfach nicht möglich", sagte Pechstein, die nach überstandenem Infekt und wegen einer Halswirbelblockade gehandicapt in den Wettkampf gegangen war.

Wüst unschlagbar

Solides Handwerk war alles, was Pechstein bieten konnte. Mit Platz 15 auf der von ihr so ungeliebten Sprintstrecke war sie gestartet, es folgten die Ränge vier über 3000, neun über 1500 und fünf über 5000 Meter - es fehlte die Form, um ganz oben eingreifen zu können.

Die Niederländerin Ireen Wüst, die über 5000 m den Angriff von Weltrekordlerin Martina Sablikova bravourös abwehrte und ihren Titel etwas überraschend erfolgreich verteidigte, wäre für Pechstein wohl auch in Bestform unerreichbar gewesen.

Bronze hinter Europameisterin Sablikova holte Christine Nesbitt aus Kanada.

Bahnrekord ebenfalls futsch

Schon nach dem 1500-m-Rennen war Pechstein klar gewesen, "dass es für mich nicht mehr um Medaillen geht".

Zu allem Überfluss verlor sie über die Mittelstrecke auch noch ihren Bahnrekord.

Nesbitt war eine Hundertstelsekunde schneller als die Berlinerin im November 2008, als sie in Moskau über ihre letzten Weltcup-Siege (1500 und 5000 m) feierte.

Es folgte ein 5000-m-Rennen, das Pechstein als bessere Trainingseinheit diente - und als Ablenkung von der Doping-Affäre um den Erfurter Mediziner Andreas Franke, zu dessen Patientinnen sie gezählt haben soll (SERVICE: Alles zum Wintersport).

"Nicht ihr normales Leistungsvermögen"

"Sie hat sich tapfer geschlagen. Es war wichtig für sie, dass sie sich der Sache gestellt hat. Nach ihrer Verletzung und ihrer Krankheit hat sie das Maximale herausgeholt", sagte Teamchef Helge Jasch:

"Das ist aber ganz klar nicht ihr normales Leistungsvermögen."

Ost verpasst Finale

In Moskau blieben die deutschen Läuferinnen zum fünften Mal in Folge ohne Edelmetall in dem Wettbewerb, den Karin Enke, Gunda Niemann-Stirnemann, Anni Friesinger und Co. über 20 Jahre lang fast nach Belieben dominiert hatten.

Zwischen 1982 und 2002 hatte es im wichtigsten Vierkampf der Saison nur deutsche Siegerinnen gegeben, mit Ausnahme von 1994, als Emese Hunyady für Österreich gewann. Pechstein konnte den Königswettbewerb wegen ihrer Sprint-Schwäche nur einmal (2000) gewinnen.

Ihre Berliner Teamkollegin Isabell Ost verpasste das Finale der besten zwölf Läuferinnen klar und belegte im Endklassement den 22. Platz.

Oranje-Triumph bei den Männern

Bei den Männern wurde Superstar Sven Kramer zum fünften Mal Mehrkampf-Weltmeister. Der 25 Jahre alte Niederländer siegte souverän vor seinen Teamkollegen Jan Blokhuijsen und Koen Verweij, die den Oranje-Triumph im Eispalast Krylatskoje perfekt machten.

Mit seinem fünften Titel schloss Kramer in der "ewigen" WM-Bestenliste zu zwei Legenden auf und belegt nun den dritten Platz hinter Clas Thunberg (Finnland) und Oscar Mathisen (Norwegen), die den Eisschnelllauf Anfang des vergangenen Jahrhunderts dominiert hatten.

Der Erfurter Patrick Beckert, der das Finale der besten zwölf Läufer nur wegen einer Disqualifikation des Franzosen Alexis Contin erreicht hatte, belegte zum Abschluss in 13:47,32 Minuten den zehnten Platz und wurde damit auch Gesamt-Zehnter.

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