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Claudia Pechstein war bei der Verkündung live vor Ort
Claudia Pechstein wurde 2009 wegen erhöhter Retikulozyten-Werte für zwei Jahre gesperrt © getty

Die 40-Jährige triumphiert in Kolomna erstmals seit ihrer Doping-Sperre auf einer Einzelstrecke und freut sich diebisch.

Kolomna - Martina Sablikova und Stephanie Beckert glitten mit letzter Kraft über die Ziellinie, da ertönte aus dem Innenraum des Eislaufzentrums von Kolomna ein lauter Jubelschrei.

Claudia Pechstein stand dort, längst wieder dick in warme Kleidung eingepackt, und konnte ihr Glück nach Minuten des Bangens kaum fassen.

Erstmals seit dem 23. November 2008 war der fünfmaligen Eisschnelllauf-Olympiasiegerin wieder ein Weltcup-Sieg über eine Einzelstrecke gelungen.

Klar, ich hätte nicht gedacht, dass die Zeit zum Sieg reicht. Letztendlich habe ich aber gut trainiert und auch schon vorher gute Leistungen gezeigt. Warum soll die Pechstein also nicht mal wieder gewinnen", sagte die 40 Jahre alte Berlinerin.

Beckert verpasst das Podest

In Saisonbestleistung von 4:02,31 Minuten lief sie sowohl Doppel-Olympiasiegerin Martina Sablikova aus Tschechien (4:02,47), als auch der Erfurterin Stephanie Beckert (4:04,18) davon und feierte ihren 29. Weltcupsieg.

Beckert musste sich mit dem vierten Platz hinter Marije Joling (4:03,90) begnügen. (DATENCENTER: Der Weltcup-Kalender 2012/13)..

Für Pechstein erwies sich damit das russische Eis erneut als besonders schnell. Schon vor ihren beiden Weltcupsiegen in Moskau im November 2008 über 1500 und 5000 m hatte sie zwei Jahre warten müssen, bis sie erneut einen Einzelstrecken-Weltcup gewann. 2006 war sie ebenfalls in Moskau erfolgreich gewesen.

Der Führenden vor die Füße

Mit ihrem Triumph schickte die 40-Jährige nicht nur ein deutliches Zeichen an ihre Konkurrentinnen, sondern machte auch den etwas unglücklichen Auftritt vom Samstag wett, als sie von Fehlern der Konkurrenz beeinträchtigt worden war.

Über die 1500 m lief Pechstein in 1:58,27 Minuten auf den zehnten Rang, nachdem sie durch einen frühen Sturz der Niederländerin Lotte van Beek fast das gesamte Rennen alleine bewältigen musste.

Im Massenstart lief der lange Zeit Führenden eine ihrer Konkurrentinen direkt vor die Füße und verbaute ihr den Sprung auf das Podest. Pechstein wurde Vierte.

"Lange nicht mehr so gesehen"

"Vom Pech bin ich etwas verfolgt. Die Zeit war gestern aber nicht so schlecht, allein zu laufen war nicht ganz einfach. Ich hatte das schnell abgehakt", sagte Pechstein am Sonntag.

Zufrieden war auch Chef-Bundestrainer Markus Eicher: "Das war ein absolut toller Lauf von ihr, das habe ich lange nicht mehr so gesehen. Sie ist von Anfang an sehr offensiv und stabil durchgelaufen."

Beckert hatte dagegen im direkten Duell mit Sablikova einen schwachen Start erwischt. Die 24-Jährige verpasste nach zuvor zwei Siegen erstmals in dieser Weltcup-Saison das Podium.

Geisreiter mit persönlicher Saisonbestleistung

"Stephanie und Sablikova haben gegenseitig viel taktiert, sie ist nicht so entspannt gelaufen", sagte Eicher.

Bei den Männern machte Moritz Geisreiter einen Patzer aus der Vorwoche vergessen. Der WM-Vierte aus Inzell kämpfte sich in 1:47,52 Minuten und persönlicher Saisonbestleistung als schnellster Läufer der schwächer eingestuften B-Gruppe in den Kreis der Top-Athleten zurück.

Beim Heimweltcup im Februar startet Geisreiter wieder in der A-Gruppe gegen die stärkere Konkurrenz.

Weiter geht's in Astana

"Das ist eine tolle Leistung, nachdem es zuletzt nicht so ganz rund lief", sagte Chef-Bundestrainer Markus Eicher. Geisreiter war beim Weltcup-Auftakt in Heerenveen früh gestürzt und war deshalb für das Rennen in Russland herabgestuft worden.

In der A-Gruppe wäre Geisreiter auf dem 16. Platz gelandet.

Der nächste Weltcup führt die deutsche Eisschnelllauf-Auswahl am kommenden Wochenende ins kasachische Astana.

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