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Claudia Pechstein (M.) gewann in Moskau erstmals seit 2008 wieder ein Weltcup-Rennen © imago

Mit dem Sieg in Moskau sorgt Claudia Pechstein auch sportlich wieder für Aufsehen. Ihren Kritikern verpasst sie einen Seitenhieb.

Kolomna/München - Claudia Pechstein war noch immer im Angriffsmodus.

Vier Jahre hatte die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin auf einen Sieg auf der Einzelstrecke warten müssen, bis sie beim Weltcup im russischen Kolomna am Sonntag über die 3000 Meter triumphierte (BERICHT: Pechsteins Paukenschlag: Erster Sieg seit 2008).

Eine Ewigkeit, in der Pechstein weniger der Sport als ihre Sperre mit den vielen Begleiterscheinungen beschäftigte.

Die Erleichterung und Genugtuung, die Pechstein nach dem russischen Eismärchen empfand, war riesig.

"Leistung keine Frage des Alters"

"Ich weiß, dass einige nur müde gelächelt haben, als ich während meiner Sperre erklärt habe, mir meine gestohlenen Spiele von Vancouver in Sotchi wiederholen zu wollen", sagte Pechstein:

"Diese Leute sollten lieber regelmäßig das Training in der Eishalle besuchen, anstatt dummes Zeug zu reden. Dann würden Sie begreifen, dass Leistung keine Frage des Alters sein muss."

Für viele war Pechsteins Erfolg eine Überraschung, für sie selbst aber keineswegs.

Sablikova und Beckert geschlagen

Bereits auf der Strecke war die 40-Jährige in die Offensive gegangen. Weder ihre "beste Freundin" Martina Sablikova (4:02,46) noch Stephanie Beckert (Erfurt/4:04,18) hatten Pechsteins Welt-Saisonbestleistung von 4:02,31 Minuten etwas entgegenzusetzen (DATENCENTER: Der Weltcup-Kalender 2012/13).

Als besonders schnell erwies sich für Pechstein erneut das russische Eis, auf dem sie im November 2008 in Moskau bei den Rennen über 1500 und 5000 m ihre letzten Weltcuprennen über die Einzelstrecken gewonnen hatte.

Feier mit dem Wirtschaftsclub Russland

"In Russland zu laufen, ist etwas ganz Spezielles für mich. Die Menschen begegnen mir mit viel Wärme und Freundlichkeit", sagte Pechstein.

Sie pflege einige gute Freundschaften, unter anderem zum Wirtschaftsclub Russland, mit dessen Vorstand sie mit ihrem Lebenspartner auch ihren Sieg über 3000 Meter gefeiert hat.

Nicht nur positive Erinnerungen

Doch dürfte Pechstein nicht nur positive Erinnerungen an die Rennen in der russischen Hauptstadt vor vier Jahren haben.

Denn diese beiden Erfolge waren es, die den Weltverband ISU dazu veranlassten, Pechstein bei der Mehrkampf-WM 2009 in Hamar/Norwegen auf ihre Blutwerte hin intensiv zu kontrollieren.

Das Ergebnis beschäftigt Pechstein noch heute.

"Habe alles gewonnen"

"Aus solchen Siegen schöpft man Mut, trotz aller Widrigkeiten, seine Ziele zu erreichen", sagte Pechstein. Ihr großer Traum, bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi zu starten und dort ihre zehnte Medaille zu holen, ist mit ihrem derzeitigen Leistungsvermögen durchaus realistisch.

"Ich selbst mache mir keinen Druck mehr. Ich habe alles gewonnen, was man gewinnen kann. Alles was jetzt noch kommt, ist Zugabe", sagte Pechstein, die in Kolomna über die 1500 m Zehnte wurde.

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