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Claudia Pechstein holte bisher neun olympische Medaillen, fünf goldene © getty

Beim Auftakt der Mehrkampf-WM fügt sich Claudia Pechstein eine Schnittwunde zu. Sie redet die Bedeutung der Titelkämpfe klein.

Hamar - Europameisterin Claudia Pechstein muss nach einem mäßigen ersten Tag und einem schmerzhaften Fehltritt im 500-m-Rennen bei der Mehrkampf-WM in Hamar um das Double zittern.

Die fast 37 Jahre alte Berlinerin, die sich zur ältesten Siegerin in der 76-jährigen Geschichte der Titelkämpfe krönen könnte, liegt einen Monat nach ihrem EM-Coup von Heerenveen zur Halbzeit des Vierkampfes auf dem dritten Platz.

Nach dem fünften Rang über 500 m (39,74) erreichte Pechstein über 3000 m leicht angeschlagen den vierten Rang, denn ein Missgeschick im Sprint hatte schmerzhafte Folgen.

"Ein komisches Gefühl"

"Ich habe mir nach ungefähr 35 Metern die rechte Kufe links hinten reingehackt. Gott sei Dank war der Schuh dazwischen, sonst wär es richtig übel geworden", sagte Pechstein, die eine kleine Wunde im Bereich der Achillessehne und "ein komisches Gefühl" mit ins 3000-m-Rennen nahm.

Dort lief sie vor über 9000 Zuschauern im ausverkauften "Wikingerschiff", darunter auch der norwegische König Harald V., auf Rang vier (4:06,00) und verlor viel Zeit auf die Tschechin Martina Sablikova (4:01,90), die mit ihrem Streckensieg im Gesamtklassenment die Führung vor der Kanadierin Christine Nesbitt übernahm.

Sablikova spielt Stärke aus

"Mit Platz drei bin ich im Soll, denn ein Podestplatz ist mein Ziel. Vielleicht geht noch was nach oben, vielleicht wird es für Sablikova ja noch mal eng", sagte Pechstein, die aber schon mal vorsichtshalber anfügte: "Es ist ja nicht der wichtigste Wettkampf der Saison."

Der Cut am Fuß habe sie nicht direkt behindert, "aber im Hinterkopf hat man so etwas schon".

Sablikova hatte sich auf ihrer mit Abstand schwächsten Strecke über 500 m sehr gut geschlagen (Platz 10) und dann ihre Stärke auf der Langstrecke voll ausgespielt.

Die siebte Double-Gewinnerin?

"Mir war schon klar, dass sie hier sehr gut laufen würde", sagte Pechstein, die vor den 1500 m am Sonntag 0,23 Sekunden hinter der Tschechin liegt.

Deutschland erfolgreichste Wintersportlerin, die den ersten ihrer bislang fünf Olympiasiege vor kann 15 Jahren in Hamar feierte und dort nun ihre 17. Allround-WM absolviert, war nach der Absage der erkrankten Vize-Europameisterin Daniela Anschütz-Thoms aus Erfurt mehr denn je als Gold-Kandidatin an den Start gegangen.

Pechstein kann in Hamar als insgesamt siebte Läuferin das Double aus EM- und WM-Titel holen. Zuletzt war dies Anni Friesinger, die keine klassischen Mehrkämpfe mehr bestreitet, im Jahr 2005 gelungen.

Kramer unterbietet seinen Flachland-Rekord

Bei den Männern zeigte Titelverteidiger Sven Kramer den norwegischen Fans mit einem phantastischen 5000-m-Lauf, wer Herr im Hause ist.

Der 22 Jahre alte Europameister gewann das 5000-m-Rennen in 6:09,75 Minuten und blieb damit eine Hunderstel unter seinem inoffiziellen Flachland-Weltrekord, den er 2006 in Berlin aufgestellt hatte.

Den Bahnrekord von Anni Friesingers Trainer Gianni Romme aus dem Jahr 2004 (6:19,06) unterbot er um knapp zehn Sekunden.

Lehmann bester Deutscher

Damit übernahm der "fliegende Holländer", der über 500 m Sechster geworden war, souverän die Spitze vor dem Norweger Havard Bökko und dem Italiener Enrico Fabris.

Lokalmatador Bökko, großer Hoffnungsträger der Norweger, verlor als Zweiter über 5000 m mehr als sechs Sekunden auf Kramer und damit wohl entscheidenden Boden.

Bester Deutscher im Gesamtklassement ist der EM-Achte Robert Lehmann, der nach seinem 5000-m-Lauf auf Rang 16 (6:35,19) im Gesamtklassement Zehnter ist. Der deutsche Mehrkampf-Meister Tobias Schneider (Platz 14 in 6:33,98) belegt Rang 14.

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