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Claudia Pechstein holte bisher neun olympische Medaillen, fünf goldene © getty

Ein Infekt mit Schüttelfrost beendet Claudia Pechsteins Traum vom Double. Sie muss bei der Mehrkampf-WM erstmals aufgeben.

Hamar - Der Traum vom Double endete für Claudia Pechstein auf dem Hotelzimmer.

Nachts um 2.30 Uhr rief die Eisschnelllauf-Europameisterin noch bei Verbandsarzt Gerald Lutz ein paar Zimmer weiter an, doch gegen den Schüttelfrost und das hohe Fieber war auch der Erfurter Sportmediziner machtlos.

Vier Wochen nach ihrem EM-Triumph von Heerenveen gab die 37-Jährige vor dem zweiten Tag der Mehrkampf-WM in Hamar auf und zog damit einen Schlussstrich unter ein völlig verkorkstes Wochenende.

Aussichtsreich auf dem dritten Platz

"Es kam völlig überraschend. Es ist bitter, ich hätte hier gerne eine Medaille mitgenommen, aber an Eislaufen ist derzeit unmöglich zu denken", sagte Pechstein, die nach zwei von vier Läufen im "Wikingerschiff" noch aussichtsreich auf dem dritten Platz gelegen hatte.

In Abwesenheit der Altmeisterin mussten die deutschen Frauen das schlechteste Ergebnis seit 32 Jahren hinnehmen. Die Erfurterin Stephanie Beckert erreichte Platz zwölf, ließ aber als Dritte über 5000 m aufhorchen.

Den Titel holte erstmals die 21 Jahre alte Tschechin Martina Sablikova. Die 5000-m-Weltrekordlerin stürmte zum Abschluss auf ihrer Spezialstrecke vom vierten auf den ersten Gesamtrang und verwies die Kanadierin Kristina Groves und Ireen Wüst aus den Niederlanden auf die Plätze zwei und drei.

Malheur mit der Kufe

Der Wettkampf auf ihrer Trainings- und Lieblingsbahn, auf der sie 1994 ihren ersten Olympiasieg und zwei Jahre später ihren ersten WM-Titel holte, hatte für Pechstein schon mit einem kleinen Schock begonnen.

Im 500-m-Rennen rammte sie sich nach etwa 35 Metern die rechte Kufe an die linke Achillessehne. Der Fehltritt zog eine kleine, aber schmerzhafte Wunde nach sich. "Gott sei Dank war der Schuh dazwischen, sonst wär es richtig übel geworden", sagte Pechstein. (Kufen-Cut! Pechstein muss ums Double zittern)

Die Entwicklung in der Nacht danach hatte mit diesem Unfall allerdings nichts zu tun.

"Von vorne bis hinten tragisch"

"Sie ist ganz tief am Boden. Sie liebt den Wettkampf, sie liebt das Eis, und jetzt liegt sie im Bett. Das ist große Scheiße", meinte Pechsteins Trainer Peter Mueller, der sich wie alle deutschen Teammitglieder im "Wikingerschiff" keine Mühe gab, seinen Frust zu verbergen.

"Von vorne bis hinten tragisch" sei die Woche verlaufen, sagte Frauen-Bundestrainer Markus Eicher und spielte damit auch auf Vize-Europameisterin Daniela Anschütz-Thoms an.

Die Erfurterin hatte bereits am Mittwoch wegen eines Infekts ihren Startverzicht verkündet.

Keine Auswirkungen auf Qualifikationsplätze

Kleiner Trost für Eicher war, dass der Ausfall Pechsteins keine Auswirkungen auf Qualifikationsplätze für künftige Wettkämpfe hatte.

Dr. Lutz sprach mit Blick auf Pechsteins Symptomatik von einem "klaren Fall". Der Schüttelfrost, die plötzlich aufgetretenen Gliederschmerzen und das Fieber, das 39 Grad überstieg, sprächen für eine Influenza-Grippe, sagte Lutz.

Neben dem Mediziner stand Teamleiter Helge Jasch und telefonierte fast pausenlos, um die vorzeitige Heimreise von Pechstein in die Wege zu leiten. "Claudia ist nicht unbedingt in der Stimmung, noch lange hier zu bleiben", sagte Jasch.

Zum ersten Mal vorzeitig geschlagen

Pechstein verpasste es damit, sich in der 76-jährigen Geschichte der Mehrkampf-WM zur ältesten Siegerin zu krönen.

Bei ihrem 17. Start bei einer Mehrkampf-WM musste sich die erfolgreichste deutsche Wintersportlerin zum ersten Mal vorzeitig geschlagen geben. Bislang stehen für Pechstein eine Gold-, acht Silber und zwei Bronzemedaillen zu Buche. Das Double aus Mehrkampf-WM- und EM-Titel war zuletzt Anni Friesinger 2005 gelungen.

Auch für die deutschen Männer endete die WM enttäuschend. Der EM-Sechste Robert Lehmann aus Erfurt und der deutsche Meister Tobias Schneider (Berlin) verpassten die Qualifikation für den 10.000-m-Lauf und belegten die Plätze 13 bzw. 14.

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