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Claudia Pechstein (r., mit Matthias Große) gewann fünf Mal Gold bei Olympia © imago

Beckerts Klubchef Thoms fordert einen Akkreditierungs-Stopp für Claudia Pechsteins Freund. Pechsteins Management kontert.

Erfurt - Der Gegenwind für die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein im Konflikt (BERICHT: Mobbing-Vorwürfe gegen Pechstein) mit ihrer Teamkollegin Stephanie Beckert wird immer schärfer.

Beckert erhielt Rückendeckung aus ihrem Erfurter Trainingszentrum, das neben Pechstein auch deren Lebensgefährten Matthias Große ins Visier nahm. Große selbst war für SPORT1 nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

"Die DESG darf Pechsteins Freund nicht mehr bei Wettkämpfen akkreditieren. Bei Wettkämpfen hält er sich im Innenraum auf und stört dort die anderen Sportler. Einige fühlen sich sogar eingeschüchtert. Es entsteht der Eindruck, als ob ihr Management die Mannschaft aufstellt", sagte Marian Thoms, Geschäftsführer des ESC Erfurt und Ehemann der zweimaligen Team-Olympiasiegerin Daniela Anschütz-Thoms.

"Pechstein schadet dem Eisschnelllauf"

Nach Thoms Einschätzung sorge das Pechstein-Lager hinter den Kulissen für Spannungen.

"Was Claudia und ihr Management betreiben, schadet dem deutschen Eisschnelllauf", sagte Thoms. Da passiere "zu viel Negatives".

Auch beim Weltcup in Erfurt habe Pechsteins Umfeld für Ärger gesorgt. Die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) unter Präsident Gerd Heinze müsse endlich handeln. Thoms: "Es kann nicht so weitergehen."

Facebook-Aktion als Begründung?

Pechsteins Manager Ralf Grengel wies daraufhin, dass er sich über die Kritik Thoms wundere.

"Die Ausführungen von Herrn Thoms überraschen schon sehr, war doch seine Frau Daniela eine der ersten, die den Gefällt-mir-Button unter Claudias Analyse des Teamrennens bei Facebook gedrückt hat", erklärte Grengel.

Beckert lehnt Team mit Pechstein ab

Beckerts Management bekräftigte erneut, dass die Athletin nicht für eine Aussprache mit Pechstein zur Verfügung stehe.

"Die Entscheidung steht. Stephanie Beckert geht nicht mit Claudia Pechstein in einem Team aufs Eis. Es ist ihr mental nicht zuzumuten. Sie wird sich in diesem Spiel nicht zerreiben lassen. Stephanie muss sich jetzt auf sich selbst und auf ihre Einzelstrecken 3000 m und 5000 m konzentrieren", sagte Beckerts Berater Jochen Habermaier:

"Man kann nicht so tun, als ob nichts passiert wäre. Es gibt keinen Zickenzoff. Die Anfeindungen kommen nur von einer Seite. Wir haben keinen Streit mit Frau Pechstein."

Die DESG hatte am Dienstagabend angekündigt, noch vor dem Abflug der deutschen Mannschaft am Sonntag zur Einzelstrecken-Weltmeisterschaft nach Sotschi (21. bis 24. März) Gespräche mit den Sportlerinnen führen zu wollen, um die Probleme aus der Welt zu räumen - auf die neuen Vorwürfe reagiert Präsident Gerd Heinze verschnupft.

Pechstein zum Dialog bereit

"Es steht jedem frei, seine Äußerungen mitzuteilen. Ich will das aber nicht kommentieren, um neues Öl ins Feuer zu gießen", sagte Heinze:

"Wir müssen verhindern, dass sich im Vorfeld der WM und dann bei den Titelkämpfen alles nur noch um dieses Thema dreht."

Vor allem Chef-Bundestrainer Markus Eicher ist nun an allen Fronten gefordert. Der Coach aus Oberbayern nahm am Mittwoch von München aus per Telefon die Krisengespräche auf. Am Abend ging es mit dem Flieger nach Berlin, wo sich die deutsche Mannschaft auf die WM vorbereitet.

Zumindest bekräftigte Pechstein ihre Gesprächsbereitschaft am Mittwoch: "Ich musste für meine Kritik vom Wochenende eine Menge öffentlicher Schelte einstecken. Wenn nun allerdings tatsächlich ein Dialog einsetzt, der eine klare Ansage im Sinne der Zielsetzung und Motivation zwingend erforderlich macht, dann kann ich damit leben."

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