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Claudia Pechstein gewann fünfmal die Goldmedaille bei Olympischen Spielen © getty

Claudia Pechstein gewinnt WM-Bronze und entscheidet das erste Duell mit Erzrivalin Beckert für sich. Wüst holt den Titel.

Sotschi/München - Claudia Pechstein hielt sich mahnend den Zeigefinger vor den Mund und schickte eine eindeutige Botschaft an ihre Kritiker.

Die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin hat bei der Einzelstrecken-WM in Sotschi Bronze über 3000 m gewonnen und damit auch den ersten Showdown mit ihrer Rivalin Stephanie Beckert für sich entschieden.

Dank eines beeindruckenden Kraftaktes auf den letzten Metern holte die Berlinerin in einer Zeit von 4:07,75 Minuten ihre 27. Medaille bei einer Einzel-WM.

"Habe fast nicht dran geglaubt"

"Ich bin sehr zufrieden mit dem Lauf. Es war definitiv schweres Eis, ich habe fast nicht mehr daran geglaubt. Es ist ein schönes Gefühl", sagte Pechstein: "Ich freue mich über die Medaille."

Im Ziel schüttelte die 41-Jährige ungläubig den Kopf, immer wieder hauchte sie auch Küsse in Richtung ihres Lebensgefährten Matthias Große.

Nach ihrer harschen öffentlichen Kritik an Beckert beim Weltcup-Finale in Heerenveen und dem anschließenden Gegenwind durch Verband und Medien stand ihr die Genugtuung ins Gesicht geschrieben.

Wüst holt WM-Titel

Weltmeisterin wurde Olympiasiegerin Ireen Wüst (Niederlande), die in 4:02,43 Minuten einen Bahnrekord aufstellte. Silber sicherte sich Martina Sablikova (Tschechien/4:04,80).

Beckert kam in 4:11,71 Minuten lediglich auf Position sieben, Bente Kraus zeigte ein gutes Rennen und landete in 4:12,35 auf Rang acht.

Pechstein legte in der "Adler Arena", wo sie in knapp einem Jahr bei den Olympischen Winterspielen erneut groß auftrumpfen will, einen guten Start hin. Ihren ganzen Willen demonstrierte sie aber erst in der Schlussrunde, als sie ihre direkte Gegnerin Diane Valkenburg noch überholte und letztlich auf das Podium raste.

Beckert startet angeschlagen

Beckert dagegen war mit Rückenproblemen angeschlagen ins Rennen gegangen, in Vorbereitung auf den Wettkampf war sie intensiv von Physiotherapeuten behandelt worden. Nach einem traditionell schwachen Start steigerte sich Beckert, kam an die Medaillenränge aber nicht heran.

"Ich bin auf gar keinen Fall zufrieden, weil ich weiß, dass ich mehr kann. Ich habe versucht, mich zu konzentrieren, aber die ganze Geschichte geht mir nicht aus dem Kopf. Zumal es schon lange so geht", sagte Beckert.

Beim Weltcup-Finale in Heerenveen war es zum Eklat zwischen Pechstein und der 17 Jahre jüngeren Beckert gekommen, nachdem Pechstein ihrer Mannschaftskollegin nach deren Auftritt im Teamlauf via Facebook "Arbeitsverweigerung" vorgeworfen hatte.

Was folgte, waren eine öffentliche Schlammschlacht und der Rückzug Beckerts aus der WM-Teamverfolgung.

Nächstes Duell über 5000 m

Beckert wird in der nur wenige Hundert Meter von der Schwarzmeerküste entfernten Eis-Arena nur noch am Samstag über 5000 m starten, wenn es zum nächsten Aufeinandertreffen mit Pechstein kommt.

Wer Beckerts Platz im Teamrennen am Sonntag einnehmen wird, ist offen. Zu den Kandidatinnen zählen Gabriele Hirschbichler und die Berlinerin Monique Angermüller.

Gesetzt ist neben Pechstein Bente Kraus, deren starker Auftritt für Sonntag hoffen lässt. "Ich musste vor der Eispflegepause die Anzeigetafel fotografieren. Das ist mir noch nie passiert, dass ich bei der Pause auf Platz eins lag", sagte die 24-Jährige.

Juskow siegt bei den Männern

Bei den Männern sicherte sich am Donnerstag der Russe Denis Juskow den ersten Titel.

Der Viertplatzierte des Gesamtweltcups legte über 1500 m in Bahnrekord (1:46,32 Minuten) die beste Zeit auf das Eis und verwies den Olympiazweiten Shani Davis (USA/1:46,83) sowie Iwan Skobrew (Russland/1:46,97) auf die Plätze.

Moritz Geisreiter hatte nach einer Lebensmittel-Unverträglichkeit auf einen Start über 1500 m verzichtet.

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