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Claudia Pechstein bereitet sich nun auf 2010 und ihre sechsten Olympischen Spiele vor © getty

Nach zwei Infekten sagt Pechstein die Einzelstrecken-WM ab und beendet die Saison. Der Gold-Express ist auseinandergerissen.

München - Claudia Pechstein hat am Donnerstag den Kampf gegen ihren Körper aufgegeben und nach zwei Infekten ihren Start bei der Einzelstrecken-WM auf der Olympiabahn in Richmond (12. bis 15. März) abgesagt.

Traurig musste die 37 Jahre alte Berlinerin ihre 18. Profi-Saison, die wie eine Achterbahnfahrt verlaufen ist, vorzeitig beenden. (MOBILE: Alle Wintersport-News auf Ihr Handy!)

"Es macht keinen Sinn, nach Kanada zu reisen. Ich habe nicht das Gefühl, dort ernsthaft um die Medaillen mitlaufen zu können", sagte Pechstein.

Ohne Chancen auf den Gesamt-Weltcup

In den vergangenen Tagen hatte sie in Berlin vergeblich versucht, ihren Trainingsrückstand aufzuholen. Auch das Weltcup-Finale am Freitag und Samstag in Salt Lake City findet ohne Deutschlands erfolgreichste Wintersportlerin statt.

Chancen auf einen Weltcup-Gesamtsieg hatte die fünfmalige Olympiasiegerin ohnehin nicht mehr, viel schwerer wiegt die WM-Absage.

Zum einen kann sie ihre unglaubliche Erfolgsserie nicht fortsetzen. Bei jeder der bislang zwölf Ausgaben der Titelkämpfe hatte Pechstein mindestens eine Medaille gewonnen, insgesamt holte sie fünfmal Gold, zwölfmal Silber und sechsmal Bronze. Nun fehlt sie zum ersten Mal.

Mitgefühl von Friesinger

Zum anderen ist durch ihre Absage der Gold-Express auseinandergerissen, ein Traum-Team mit Anni Friesinger und Daniela Anschütz-Thoms wird es in Richmond nicht geben. Damit fallen die Gold-Chancen der Mannschaft zum WM-Abschluss am 15. März rapide.

Schon am Tag vor Pechsteins Entscheidung hatte Friesinger mit ihrer alten Rivalin mitgefühlt. "Diese Situation tut mir leid für sie. Es wäre sehr schade, wenn sie nicht starten könnte, aber die Gesundheit geht vor", sagte Friesinger: "Ein Team in Paradeformation kann es nur mit Claudia geben."

Kaum für möglich gehaltenes Comeback

Pechstein will sich jetzt ganz in Ruhe auskurieren, um dann im Frühjahr die Vorbereitung auf die Olympia-Saison in Angriff zu nehmen: "Ich hätte die Olympiabahn natürlich schon jetzt gerne getestet und dort auch liebend gerne eine Medaille gewonnen. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben."

Auf den Langstrecken wäre die Berlinerin in Bestform bei der WM eine Siegkandidatin gewesen. Wie ihre Bestform aussieht, hatte sie im Verlaufe der Saison eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Ende November feierte Pechstein beim Weltcup in Moskau ein von vielen nicht mehr für möglich gehaltenes Comeback auf dem Siegerpodest. Sie lief die Konkurrenz über 1500 und 5000 m förmlich in Grund und Boden.

Fieber in Hamar

Dass diese Leistung keine Eintagsfliege war, stellte sie bei der EM im Januar unter Beweis. In Heerenveen ließ sie im Vierkampf die komplette Konkurrenz hinter sich.

Doch unmittelbar nach der Rückkehr aus der friesischen Kufen-Hochburg erwischte Pechstein der erste Infekt.

Knapp einen Monat später ging sie wieder optimistisch in die Mehrkampf-WM auf ihrer Lieblings- und Trainingsbahn in Hamar. Nach dem ersten Tag des Vierkampfes lag sie auf Rang drei und besaß noch realistische Titelchancen, als sie in der Nacht hohes Fieber bekam und aufgab.("Sie ist ganz tief am Boden")

Der 500-m-Weltrekord "ist fällig"

Nun fiebert das deutsche Team ohne Pechstein dem Weltcup-Finale auf der schnellsten Bahn der Welt und der folgenden WM entgegen. "Ich glaube, dass die Weltrekorde nur so fliegen werden", sagte Bundestrainer Markus Eicher.

Auch 500-m-Weltrekordlerin Wolf, deren Bestzeit bei 37,02 Sekunden steht, traut er erneut den großen Wurf zu: "Für eine 36er-Zeit muss einfach alles passen, aber wenn Jenny einen perfekten Lauf hinlegt, ist der Weltrekord fällig."

Auch Friesinger zeigte zuletzt nach ihrem Comeback ansteigende Form, bleibt aber zurückhaltend. "Ich glaube nicht, dass ich körperlich schon wieder in der Lage bin, Rekorde zu laufen", sagt Friesinger, die noch immer Probleme beim Start hat. In Salt Lake City, wo sie über 1000 und 1500 m startet, wären aus ihrer Sicht "Top-Drei-Plätze oder vielleicht auch ein Sieg ganz wunderbar".

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