959 Tage nach Ablauf ihrer zweijährigen Sperre holt Claudia Pechstein zum großen Gegenschlag aus.

Die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin fordert ab Mittwoch im Zivilprozess vor dem Münchner Landgericht vom Weltverband ISU und von der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) Schadensersatz in einstelliger Millionenhöhe.

"Das ist der größte Fall, der in dieser Art in Deutschland verhandelt wurde und wird bestimmt Sportgeschichte schreiben", sagte Pechsteins Anwalt Thomas Summerer. Der Münchner Advokat hatte 1996 schon 1,2 Millionen Mark Schadensersatz für die ehemalige Weltklasse-Sprinterin Katrin Krabbe rausgeholt.

"Der Fall Krabbe hat sieben Jahre gedauert. Das war aber auch der erste große Fall dieser Art in Deutschland. Das muss nicht wieder so kommen. Vielleicht setzt sich ja auch der neue IOC-Präsident Thomas Bach ein", sagte Summerer.

"Ich bin stolz darauf, dass wir so weit gekommen sind. Ich freue mich darauf, dass mein Fall endlich von einem deutschen Zivilgericht behandelt wird", sagte Pechstein. Die Berlinerin war 2009 wegen erhöhter Blutwerte von der ISU für zwei Jahre gesperrt worden.

Der Prozess stelle für sie im Olympia-Winter zwar eine "Doppelbelastung" dar, doch in juristischen Fragen habe sie "ein dickes Fell bekommen", sagte Pechstein, die im Februar in Sotschi an ihren sechsten Olympischen Spielen teilnehmen will.

Am Mittwoch wird das Landgericht in München prüfen, ob es den Fall annimmt. Sollte es so sein, wird der Richter wohl einen Vergleich vorschlagen.

"Wenn da etwas Vernünftiges von der ISU kommt, insbesondere eine Entschuldigung mit Schadensersatz, würden wir darauf eingehen", sagte Summerer. Die Dauer des Verfahrens hängt davon ab, wieviel Zeugen vernommen werden müssen.

Pechsteins Strategie zielt auf ein möglicherweise fehlerhaftes Vorgehen des Internationalen Sportgerichtshofes CAS ab. Der CAS als letzte sportgerichtliche Instanz hatte die zweijährige Sperre von Pechstein wegen angeblichen Blutdopings bestätigt.

"Wir halten den CAS für kein echtes Schiedsgericht. Wir haben den CAS angegriffen als Institution, weil er weit hinter den rechtstaatlichen Standards deutscher Gerichte zurücksteht", sagte Summerer.

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