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Ackermann hat bei Olympischen Spielen bisher drei Silbermedaillen gewonnen. © getty

Nach dem für ihn enttäuschenden Weltcup-Auftakt sieht sich der einstige Weltmeister großer interner Konkurrenz ausgesetzt.

Kuusamo - Sein letztes großes Ziel ist Olympiagold, doch nach einem völlig missglückten Weltcup-Auftakt muss der viermalige Weltmeister Ronny Ackermann ernsthaft um die Teilnahme in Vancouver bangen.

"Er hat sich da in eine schwierige Situation reinmanövriert", sagte Kombinierer-Bundestrainer Hermann Weinbuch und übte Kritik an seinem 32 Jahre alten Leitwolf:

"Er hat zu viel trainiert. Es geht einfach nicht mehr wie mit 20. Aber das will er nicht wahrhaben."

Ackermann fühlt sich platt

Nach einem enttäuschenden 22. Platz im Einzel war Ackermann im finnischen Kuusamo im Springen des zweiten Saionwettbewerbs auf Platz 51 abgestürzt und anschließend gar nicht erst zum Langlauf angetreten.

"Ich bin platt, mir fehlt noch die Spritzigkeit", sagte Ackermann danach und fügte auf die Frage nach dem Traum vom noch fehlenden Olympiasieg hinzu:

"Mit Olympia beschäftige ich mich noch nicht, erstmal ist mein Ziel die Qualifikation."

Vier Athleten erfüllen interne Norm

Die wird schwer genug, denn die Konkurrenz im deutschen Team ist gewaltig.

Am Auftatktwochenende erfüllten in Tino Edelmann (2. und 11.), Eric Frenzel (3. und 3.), Björn Kircheisen (6. und 10.) und Johannes Rydzek (10. und 13.) gleich vier Athleten die offizielle Olympianorm des DOSB von zwei Platzierungen unter den Top 15.

Dazu schaffte Olympiasieger Georg Hettich als Zwölfter eine halbe Qualifikation - und genau diese fünf Plätze stehen Weinbuch für seine Kombinierer in Vancouver zur Verfügung.

Kein Bonus für den Weltmeister

Zwar hat der Chefcoach intern zwei sechste Plätze für das Olympia-Ticket zur Bedingung gemacht, aber die Lage von Ronny Ackermann ist trotzdem prekär.

"Es gibt bei der Olympia-Qualifikation keinen Bonus für niemanden", sagt Weinbuch knallhart:

"Acker würde dann auch von sich aus gar nicht mitwollen. Schließlich will er da eine Medaille gewinnen."

Dafür muss der einstige Sportler des Jahres aber bis allerspätestens zum Heim-Weltcup am 23./24. Januar in Schonach Topleistungen angeboten haben.

Auf der Suche nach dem Sprungski

Das klingt wie viel Zeit, aber Weinbuch glaubt nicht, dass die "Frische in Kopf und Körper" bei Ronny Ackermann schon bis zum nächsten Weltcup am Wochenende in Lillehammer zurückkehrt.

Deshalb erwägt der Chefcoach eine Pause für den Thüringer, allerdings steht der darauffolgende Weltcup in Harrachov (12./13. Dezember) wegen Schneeproblemen vor der Absage.

Zu all diesen Punkten kommt noch hinzu, dass Ackermann bei seinem zweiten schweren Sturz kurz vor dem Weltcup-Auftakt seinen besten Sprungski eingebüßt hat und noch nach dem perfekten Material fahndet.

Olympia ohne Ackermann schwer vorstellbar

Zumindest die Teamkollegen glauben noch an den dreimaligen Gesamtweltcupsieger. "Ronny kriegt das in den Griff, den darf man nie abschreiben", sagt Edelmann.

Auch Hermann Weinbuch glaubt, dass der frisch verheiratete Vater des kleinen Hugo wieder ganz vorn dabei sein kann, wenn er seinem Körper ab und zu eine Pause gönnt wie es zum Beispiel Kuusamo-Sieger Hannu Manninen (31) macht.

"Und er darf einfach nicht den Glauben an sich verlieren", sagt Weinbuch. Schließlich ist Olympia ohne Ronny Ackermann nicht nur für den Bundestrainer "ganz schwer vorstellbar".

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