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Georg Hettich holte Gold bei Olympia 2006 in Turin © imago

Mit Tränen in den Augen nimmt Kombinierer Georg Hettich in Oslo Abschied vom Leistungssport. Die Familie ruft.

Oslo - Als sein letztes Rennen in Oslo vorbei war, kamen Georg Hettich doch noch die Tränen. (DATENCENTER: Der Weltcup)

In Sichtweite der Loge von König Harald von Norwegen nahm der Olympiasieger von Turin leise Abschied von seiner wechselvollen Karriere als Kombinierer.

Er spürte "ganz viel Wehmut", doch als ihn seine Freundin Birgit in den Arm nahm, war da auch ein tiefes Gefühl der Erleichterung.

"Ich bin fertig mit meinem Leben als Leistungssportler. Jetzt ist es genug, es kommt ein neuer Abschnitt. Ich freue mich auf mein neues Leben", sagte Hettich.

"Schorsch ist ein ganz feiner Mensch"

Ein Großteil seiner Familie war angereist, als sich der stille Mann am traditionsreichsten Ort der nordischen Ski-Welt mit einem 40. Platz verabschiedete.

Ohne großes Brimborium, wie es der Alpine Marco Büchel mit Knickerbocker und Weißbier bevorzugt hatte, und ohne Ankündigung eines großen Abschiedswettbewerbs.

"Ich werde im Mai nur ein kleines Fest für meine Freunde geben", sagte Hettich. Bundestrainer Hermann Weinbuch wird sicher dabei sein, denn die beiden verband über ein Jahrzehnt eine ganz besondere Beziehung.

"Wenn ich daran denke, dass er geht, komme ich selbst ins Weinen", meinte Weinbuch: "Schorsch ist ein ganz feiner Mensch, vor dem ich ganz viel Respekt habe. Er hat es geschafft, sein Studium mit einer erfolgreichen Sport-Karriere zu verbinden."

"Ich dachte, Olympiasieger gibt es nur im Fernsehen"

Dabei stand Georg Hettich eigentlich immer im Schatten von Leitwölfen wie Ronny Ackermann. Als er bei der WM 2003 in Val di Fiemme zweimal unglücklich Vierter wurde, verfestigte sich das Bild.

Doch dann kamen die Olympia-Tage von Turin, in denen sich Georg Hettich mit Gold, Silber und Bronze zu einem der erfolgreichsten deutschen Kombinierer der Geschichte krönte. "Ich dachte, Olympiasieger gibt es nur im Fernsehen", sagte Hettich damals.

Mit seiner Leistung, "bei der alles zu 110 Prozent zusammenpasste", gab er vielen Außenseitern Mut.

Und als es danach für den nie in einem Weltcup auf Platz 1 gelandeten Hettich nicht mehr so gut lief, lernte er mit der schwierigen Situation umzugehen - und schaffte mit der Qualifikation für die Winterspiele in Vancouver den perfekten Abschied, den er sich so sehr gewünscht hatte.

Erstmal in Urlaub

Nach seinem leisen Abschied von Oslo will der intelligente Mann aus dem Schwarzwald, der immer etwas anders als seine Kollegen war, mit seiner Freundin erstmal zwei, drei Wochen in den Urlaub fahren.

Danach wird er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Sportinstitut in Freiburg und will in den nächsten drei Jahren seine Doktorarbeit in Sportwissenschaften zuende schreiben.

Und natürlich will der 31-Jährige mit seiner Birgit eine Familie gründen: "Wenn das normale Leben für mich anfängt, wird das sicher alles von selbst kommen."

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