Im Wintersport fristet die Kombination ein stiefmütterliches Dasein. SPORT1-Redakteur Wolfgang Kleine erinnert an bessere Zeiten.

Hurricane-Start, Kombi-Sprint, Einzelwettbewerb, Massenstart-Wettkampf, Staffel usw., usw.! Nach dem Motto "Öfter mal was Neues" wurde in der Nordischen Kombination experimentiert, um die sogenannte Königsdisziplin des nordischen Skisports attraktiv für die Medien am Leben zu erhalten.

Doch die vielen Schnellschüsse gingen nach hinten los. Biathlon, Skispringen und Ski alpin boomen, die "Kombi" fristet ein Schattendasein. Weltverbands-Chef Gian Franco Kasper treibt's die Schweißperlen auf die Stirn, wenn er an den nordischen Zweikampf denkt.

Veranstalter und Sponsoren sprangen ab, nur noch 13 Einzelwettbewerbe stehen in der im finnischen Kuusamo beginnenden Saison auf dem Programm.

Snowboard statt Kombi - so sehen es die jugendlichen Fans lieber. Duelle wie sie einst in der Kombination aus Springen und Langlauf stattgefunden haben, holen kaum noch die Fans hinter dem Ofen hervor.

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Erinnern wir uns: Bei Olympia 1960 in Squaw Valley feierte Georg Thoma einen Sensationssieg. Der damals 23-Jährige aus Hinterzarten wurde nach der Rückkehr aus den USA begeistert von den Fans und den deutschen Medien gefeiert.

Wie litten die Leute mit, als Publikumsliebling Thoma vier Jahre später in Innsbruck wegen verwachster Ski im 15-km-Langlauf noch die Führung vom Springen verlor und sich in der Loipe zu Bronze quälte.

Franz Keller gewann 1968 in Grenoble nach großen Kampf in der Spur Gold vor dem Favoriten Alois Kälin aus der Schweiz. Tagelang wurde der Nesselwanger gefeiert und später Deutschlands Sportler des Jahres.

1976 schlug die Stunde der Deutschen in Innsbruck. Drei DDR-Asse waren nach dem Springen vorn, doch dann stürmte Urban Hettich von Platz zwölf im Springen nach einem grandiosen Lauf noch auf den Silber-Platz. Nur einer hielt dem Angriff, der von Millionen vor den Fernsehschirmen verfolgt wurde, stand: Ulrich Wehling.

Und just dieser Ulrich Wehling ist nun als FIS-Renndirektor der Buhmann.

Bundestrainer Hermann Weinbuch sieht in ihm die personifizierte Ohnmacht der Kombination, die für Veranstalter und Sponsoren finanziell unattraktiv geworden ist: "Die FIS hat es nicht geschafft, dass man mit der Kombination nicht mehr draufzahlt. Und da ist Wehling der Hauptverantwortliche."

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eines bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

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