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Eric Frenzel hat bei der WM in Oslo bereits einen kompletten Medaillensatz gewonnen © getty

Nach vier Einzelmedaillen wollen die Kombinierer jetzt im Team erfolgreich sein. Für Weinbuch soll es ein perfekter Abschied werden.

Oslo - Als die deutschen Kombinierer zum bislang letzten Mal bei einer WM einen Teamwettbewerb gewannen, war die Hälfte der aktuellen Mannschaft noch nicht einmal geboren und der Trainer als Athlet dabei.

24 Jahre nach dem Heimsieg von Hermann Weinbuch und Co. in Oberstdorf will das junge DSV-Team um Einzel-Weltmeister Eric Frenzel jetzt den "Goldfluch" am Holmenkollen bannen und seinem Coach mit dem ersehnten Titel den Abschied versüßen.

"Wir werden alles daran setzen, damit diese 24-jährige Durststrecke endlich ein Ende nimmt", sagt Frenzel, der erst über anderthalb Jahre nach dem WM-Coup von Weinbuch, Hans-Peter Pohl und Thomas Müller geboren wurde.

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr die News im TV auf SPORT1)

Einer muss es reißen

Auch als Pohl, Müller und Hubert Schwarz 1988 in Calgary zum bisher letzten Mal olympisches Staffel-Gold bei einem Großereignis gewannen, waren Frenzel und der 19 Jahre alte Vize-Weltmeister Johannes Rydzek noch nicht geboren.

Seither gab es siebenmal Team-Silber und zweimal -Bronze bei Olympia und Weltmeisterschaften.

"Um Weltmeister zu werden, braucht man einen Athleten im Team, der über sich hinauswächst. Das hat uns bislang immer gefehlt", sagt Weinbuch. Frenzel könnte das am Freitag (ab 11.15 Uhr im LIVE-TICKER) sein.

"Wir sind top drauf"

"Die Hoffnung auf Gold ist groß, wir sind top drauf und haben das Potenzial dazu", sagt er, "aber es wird hart für uns. Wir haben schon drei Wettkämpfe in den Beinen, in denen wir alles geben mussten. Andere Nationan haben zum Teil Leute geschont." (Alle Termine: Der WM-Zeitplan)

Das tat allerdings auch Weinbuch am Mittwoch, als er Björn Kircheisen nach Rang 24 im Springen rausnahm.

"Man muss schauen, wie Kirche sich fängt. Er ist sehr geknickt", sagt der Trainer, der bei Tino Edelmann ebenfalls Aufbauarbeit leisten muss.

Weinbuchs Abschied vergolden

Der Vize-Weltmeister von der Normalschanze war nach dem Zoff um seine Ski-Bindung und Rang 15 am Mittwoch "echt gefrustet".

Frenzel ist nach insgesamt schon drei Medaillen jedoch ebenso gut drauf wie Rydzek nach Silber im Einzelwettbewerb auf der Großschanze.

Frenzel scheint es ein besonderes Anliegen zu sein, Weinbuch zum Abschied das größtmögliche Geschenk zu machen.

"Ich finde es sehr schade, dass er nicht mehr weitermachen möchte", sagt er über den Erfolgscoach, der sich künftig mehr um seine Familie kümmern will.

Der Skiverband will ihn in einer anderen Funktion binden, was Frenzel "sehr glücklich" macht.

"Wir können von seiner Erfahrung noch sehr profitieren", sagt er. (DATENCENTER: Ergebnisse Nordische Kombination)

Hungrig auf Wettkampf

Vor dem letzten Wettbewerb ist Weinbuch aber auch als Psychologe gefragt, wie die "Fälle" Kircheisen und Edelmann zeigen.

"Er ist ein Trainer, mit dem man sehr gut reden kann - und der einem auch mal in den Hintern tritt, auch mal hart werden kann. Er kann uns richtig gut motivieren", sagt Frenzel.

Und genau da will Weinbuch ansetzen: "Ich will die Jungs nochmal hungrig machen, damit sie den Wettkampf entschlossen angehen."

Dass es sein letzter bei einem Großereignis als Bundestrainer sein wird, hat Weinbuch angeblich "nicht im Kopf". Und wenn er nicht dauernd auf 1987 angesprochen würde, betont er, wäre auch das "gar kein Thema für mich".

Der 50-Jährige beschäftigt sich lieber mit den Aussichten seiner Mannschaft und denen der Konkurrenz.

Österreich, das im ersten Teamwettbewerb hauchdünn vor den Deutschen gelegen hatte, ist neben Frankreich wohl der härteste Rivale. "Wir", betont Weinbuch jedoch, "wir greifen wieder voll an." Und nach Gold.

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