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Eric Frenzel räumte bei der Nordischen Ski-WM in Oslo vier Medaillen ab © getty

Eric Frenzel erklärt seine Faszination für den Sport, warum er nicht nur Springer sein will und sich nicht auf Facebook traut.

Von Marcus Giebel und Martin Hoffmann

München - Vier Starts, vier Medaillen.

Mit Gold im Einzelwettbewerb krönte Eric Frenzel seine einzigartige Vorstellung bei der Nordischen Ski-WM, in den anderen Rennen räumte er noch zwei Silber- und eine Bronzemedaille ab. (DATENCENTER: Ergebnisse Nordische Kombination)

Überhaupt gewannen die Nordischen Kombinierer sechs der acht deutschen Medaillen in Oslo.

Dass seine Sportart trotz der Erfolge noch nicht so populär ist wie andere Wintersport-Disziplinen, kann der Überraschungs-Weltmeister nur bedingt nachvollziehen. Für den 22-Jährigen ist die Kombination die Krone des nordischen Skisports - gerade weil sie so komplex ist.

(Auch um 12 und 13 Uhr: die News im TV auf SPORT1)

Im SPORT1-Interview spricht Frenzel über sein Erfolgsrezept bei der WM, das fachkundige Publikum in Norwegen und den Reiz der Nordischen Kombination.

SPORT1: Mit einem Weltmeistertitel und drei weiteren Medaillen sind Sie der deutsche Überflieger der WM in Oslo. Sind Sie rundherum zufrieden? Zum dreifachen Champion hat ja nicht viel gefehlt.

Eric Frenzel: Natürlich bin ich rundherum zufrieden, sogar sehr zufrieden. Diese vier Medaillen liegen schon ein wenig über meinen Erwartungen vor der WM. Mein Ziel war es, in einem Einzelwettbewerb eine Medaille zu holen und im Team voll anzugreifen. Das hat bestens funktioniert. Dass dann sogar eine Goldmedaille rauskommt, macht mich schon sehr stolz und glücklich. Genauso freue ich mich aber auch über die anderen Medaillen, denn damit habe ich meine Goldene bestätigen können.

SPORT1: Im Gegensatz zu den meisten Weltcups waren die WM-Wettbewerbe gut besucht. Wie haben Sie die Atmosphäre in Norwegen wahrgenommen? Hat es Sie besonders angespornt?

Frenzel: Die Atmosphäre war echt gigantisch, gerade bei unseren Rennen im Laufstadion. Auf der Strecke habe ich die Stimmung sehr genossen. Wenn man von so vielen Menschen angefeuert wird, spornt das natürlich auch an. Ich denke, dass viele Norweger ein sehr gutes Verständnis vom Sport haben. Dadurch können sie viele Aktionen wie beispielsweise Attacken, Sprünge oder ähnliches gut einschätzen. Das Puplikum hat gute Leistungen immer mit viel Applaus honoriert, egal aus welchem Land der Sportler war. Somit war das schon etwas Besonders.

SPORT1: Sie sagen, dass Ihre Schwäche die leichte Beeinflussbarkeit sei. Wie haben Sie in Norwegen die Einflüsse vermieden?

Frenzel: Indem ich versucht habe, so viele Entscheidungen wie möglich im Vorfeld zu treffen. So konnte ich bei der WM ohne große Veränderungen an den Start gehen. Dies betraf insbesondere mein Material. Durch die Weltcup-Pause im Vorfeld hatte ich Zeit, genau das Material im Sprungbereich zu finden, mit dem ich im Moment am besten zurecht komme. Deshalb hatte ich in Oslo keinen Stress und konnte mich hundertprozentig auf meinen Sprung konzentrieren. Das war in den letzten Jahren bei Großereignissen leider nicht immer ganz der Fall. Beim Laufen gibt es ohnehin nur eine Devise: alles rausholen was geht!

SPORT1: War die WM der bisherige Höhepunkt ihrer Karriere?

Frenzel: Ich glaube nicht, dass der erste WM-Titel von irgendetwas zu übertreffen ist, vor allem, wenn man den auch noch in Oslo, dem Mekka des Nordischen Skisports, gewinnen darf.

SPORT1: Sehen Sie sich mit den Erfolgen bei der WM nun als Vorreiter im Team, der die noch Jüngeren führt wie früher beispielsweise Ronny Ackermann?

Frenzel: Ehrlich gesagt, eher nicht, weil ich ja immerhin noch der Zweitjüngste im Team bin und die Älteren ebenfalls Top-Leistungen bringen. Da sind wir auf einem Niveau unterwegs. Außerdem denke ich, dass das schon noch etwas dauern wird und ich sicherlich diese Erfolge bestätigen muss, ehe ich in eine solche Position komme. Dann wird das sicherlich auch von ganz allein passieren. Ich bekomme sicher genügend Respekt für meine Leistungen vom Team - und ich weiß das auch gebührend zu schätzen.

SPORT1: Letztlich haben die Kombinierer das deutsche Team mit sechs von acht WM-Medaillen gerettet. Haben sich die Langläufer und Skispringer schon bedankt, dass Sie und Ihre Kollegen die Kohlen aus dem Feuer geholt haben?

Frenzel: Ich glaube nicht, dass sich da irgendein Sportler bei mir oder uns bedanken muss, die anderen haben genauso ihre Top-Leistungen gebracht und ich denke, dass sie auch für uns schon mal die Kohlen aus dem Feuer geholt haben. Unsere Erfolge wurden gebührend von allen aus dem DSV-Team anerkannt und respektiert. Wir wurden auch von allen beglückwünscht und haben uns gemeinsam über die Medaillen gefreut.

SPORT1: Wie verändert sich eigentlich das Leben so als Weltmeister? Nehmen zum Beispiel die Facebook-Freundesanfragen zu?

Frenzel: Bisher hat es sich noch nicht groß verändert. Aber in der Heimat gibt es offensichtlich einige Menschen, die unsere Wettkämpfe in Oslo verfolgt haben und mich deshalb öfters auf der Straße ansprechen beziehungsweise beglückwünschen. Das freut mich natürlich! Ob jetzt die Anfragen bei Facebook soviel mehr geworden sind, kann ich gar nicht genau sagen, weil ich mich da noch nicht so richtig getraut habe, reinzuschauen. Es waren schon vorher so viele, die ich leider noch nicht beantworten konnte. Aber Nachrichten und Pinnwand-Einträge gab es schon sehr sehr viele.

SPORT1: Die Nordische Kombination steht trotzdem deutlich im Schatten anderer Wintersportarten wie Skispringen oder Biathlon. Warum ist die Kombination aus Ihrer Sicht vielen nicht sexy genug?

Frenzel: Ist sie das? Also ich finde sie schon sexy und wahnsinnig spannend. Wer das Gegenteil behauptet, muss mir das erstmal beweisen. Ich denke schon, dass die Nordische Kombination etwas Besonderes ist, das kann jeder Fan bestätigen. Allerdings ist es aber auch nicht jedermanns Sache, weil es doch etwas aufwändiger ist. Sich als Hobbysportler so richtig damit zu identifizieren, fällt sicherlich schwer. Es ist eben sehr komplex. Nicht nur Skispringen und nicht nur Langlauf, sondern beides zusammen. Wer kann sich ohne genügend Hintergrundwissen schon richtig vorstellen, was es heißt, diese beiden doch so unterschiedlichen Sportarten zu vereinen. Dies macht uns auf der anderen Seite aber auch einzigartig.

SPORT1: Sehen Sie denn eine Möglichkeit, die Massenwirkung ihres Sports zu erhöhen?

Frenzel: Ich denke es ist schwierig das "Schattendasein", das die Kombination derzeit führt, zu ändern. Das wichtigste ist, dass wir den Zuschauern spannende und tolle Wettkämpfe liefern.

SPORT1: Wären Sie rückblickend nicht lieber Spezialspringer geworden? Schließlich werden die deutschen Spitzenleute dort ja richtig umschwärmt...

Frenzel: Nein, das nicht. Schon mal gar nicht wegen der größeren Aufmerksamkeit. Ich bin stolz darauf ein Kombinierer zu sein! Die Kombination wird ja nicht umsonst die Krone des nordischen Skisports genannt. Ich möchte es auch nicht missen, beide Sportarten zu betreiben. Denn genau das ist auch das, was mich an der Nordischen Kombination so reizt - den Spagat zwischen Skispringen und Skilanglauf bestmöglich hinzubekommen.

SPORT1: Am kommenden Wochenende steht der Saisonabschluss in Lahti auf dem Programm. Mit welchen Zielen reisen Sie nach Finnland?

Frenzel: Mein Ziel wird es sein, noch mal anzugreifen. Der vierte Platz im Gesamtweltcup ist noch drin und außerdem möchte ich auch gerne zeigen, dass meine Ergebnisse in Oslo nicht von irgendwo her kamen.

SPORT1: Mit Blick auf die Olympiasaison: Die Trainerfrage ist derzeit offen, Ronny Ackermann wird als Nachfolger von Hermann Weinbuch gehandelt.

Frenzel: Momentan wird viel spekuliert. Daran möchte ich mich nicht beteiligen, sondern zuerst gerne meine Saison möglichst positiv abschließen.

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