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Hermann Weinbuch holte 1985 WM-Gold in der Nordischen Kombination © getty

Mit einem Doppelsieg verabschieden die nordischen Kombinierer ihren Erfolgstrainer. Nachfolger soll ein Weltmeister werden.

München - Hermann Weinbuch stand mit finnischem Bier und einer Thüringer Rostbratwurst in einer Wachskabine in Lahti und blickte auf seine Zeit als Bundestrainer der nordischen Kombinierer zurück.

"Große Wehmut ist noch nicht aufgekommen, weil ich ja noch gar nicht genau weiß, wo es hingeht für mich", sagte er nach seinem letzten Diensttag als Chefcoach, den ihm Johannes Rydzek und Eric Frenzel mit einem Doppelsieg versüßten. (DATENCENTER: Ergebnisse Nordische Kombination)

Weinbuch gibt seinen Posten auf, um sich mehr um seine beiden Kleinkinder kümmern zu können, bleibt dem Deutschen Skiverband (DSV) aber in anderer, noch nicht genau definierter Rolle erhalten.

Tritt Ackermann die Nachfolge an?

Nachfolger könnte laut Sportdirektor Thomas Pfüller der viermalige Weltmeister Ronny Ackermann werden, der nach seiner Auszeit wohl nicht mehr als Athlet zurückkommen wird.

Für Weinbuch wäre Ackermann eine gute Wahl. "Ronny wird mal ein sehr guter Trainer werden. Er muss noch die Ausbildung in Köln machen, aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass man ihn einbaut. Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu ihm", sagte er. (Auch um 12 und 13 Uhr: die News im TV auf SPORT1)

Würdiger Abschied

Ein sehr gutes Verhältnis pflegte Weinbuch auch zu seinen Athleten, zu denen Ackermann lange gehörte. Weltmeister Frenzel und Co. war es deshalb ein besonderes Anliegen, ihrem Chef einen würdigen Ausstand zu bescheren.

Und das gelang: Am Freitag gewann Björn Kircheisen vor Frenzel, am Samstag folgte zum Saisonschluss Rydzeks erster Weltcup-Sieg im Fotofinish vor Frenzel. "Das ist Wahnsinn", sagte der Vize-Weltmeister.

Weinbuch: "Überragende WM"

Frenzel beendete den Winter als bester Weinbuch-Schüler auf Rang vier der Gesamtwertung, die der französische Olympiasieger Jason Lamy-Chappuis gewann. Rydzek, Kircheisen und der WM-Zweite Tino Edelmann belegten die Ränge sechs, sieben und neun (Eric Frenzel im Interview bei SPORT1).

"Ich bin sehr zufrieden mit dieser Saison", sagte Weinbuch, "obwohl wir in der Mitte recht rumpelig unterwegs waren." Zum Höhepunkt, der WM in Oslo, fand sein Quartett aber zu ganz großer Form und gewann sechs Medaillen. "Überragend" fand Weinbuch das.

Obwohl er ein starkes, junges Team hinterlässt, warte auf seinen Nachfolger viel Arbeit, sagte der 50-Jährige: "Wir haben vier richtig gute Leute, aber dahinter sieht es etwas mau aus. Bis Olympia 2014 müssen wir es schaffen, noch zwei, drei heranzuführen."

Job wurde "zu aufwändig"

Er "will und kann das nicht mehr" als Bundestrainer tun, der Job ist ihm "zu aufwändig" geworden: "Aber der Verband will mit mir weiterarbeiten. Und ich will das auch." Es läuft wohl auf einen Posten hinaus, der dem eines Sportdirektors oder Teammanagers nicht unähnlich ist.

Am Samstag blickte Weinbuch im Teamkreis noch einmal zurück auf 14 Jahre an der Spitze seiner Mannschaft. Mit dem ebenfalls nach 14 Jahren verabschiedeten Techniker Enrico Heisig habe er "in Erinnerungen geschwelgt", erzählte er.

Höhen und Tiefen

"26 Medaillen bei Großereignissen, der Olympiasieg von Georg Hettich, der am letzten Anstieg Felix Gottwald verblasen hat, die Erfolge von Ronny Ackermann, 1999 der erste Sieg, der WM-Titel von Marko Baacke, Oslo. Es gab so viele Highlights", erinnerte sich Weinbuch. 357151(DIASHOW: Die besten Bilder aus Oslo)

Aber auch manchen Tiefpunkt, wie der schwere Sturz Baackes im November 2001. "Er ist fast verblutet und gerade noch mit dem Leben davongekommen. Da habe ich mich gefragt, ob ich alles richtig gemacht habe", sagte Weinbuch über den schwersten Moment seiner Trainerkarriere.

Es war ein kurzes Innehalten. Dann stürzte sich der Bundestrainer a.D. mit seinen Jungs ins Nachtleben von Lahti.

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