vergrößernverkleinern
Eric Frenzel mit der Königsfamilie König Harald (r.) und Königin Sonja (l.) von Norwegen © getty

Der Oberwiesenthaler ist der Hoffnungsträger einer ganzen Sportart. Bundestrainer Weinbuch prophezeit ihm eine glorreiche Zukunft.

Kuusamo - Ein wenig schüchtern ist er, ziemlich still und mit seinen 60 Kilo leicht zu übersehen.

Eric Frenzel wirkt nicht unbedingt wie der Hoffnungsträger einer ganzen Sportart, wenn er vor dem Weltcup-Start der Nordischen Kombinierer am Freitag (ab 13.30 Uhr im LIVE-TICKER) in Kuusamo zum Training stapft. (DATENCENTER: Ergebnisse Nordische Kombination)

Dabei ist er genau das.

"Eric ist als Mensch und Sportler gereift. Er wird noch viel erreichen", sagt Bundestrainer Hermann Weinbuch über den Weltmeister, der als erster Deutscher seit Ronny Ackermann 2008 den Gesamtweltcup gewinnen kann.

Sohn Philipp zähmt den jungen Wilden

23 Jahre alt ist Frenzel am Montag geworden. Im deutschen Team gehört er zu den jungen Wilden, die im Februar bei der WM in Oslo als "Medaillenhamster" für Schlagzeilen sorgten.

Doch wild ist der Oberwiesenthaler schon lange nicht mehr. Der Grund heißt Philipp und sitzt daheim auf der Couch.

18 Jahre alt war Frenzel, als er Vater wurde, seine Freundin Laura sogar erst 16. Kennengelernt hatten sich beide im Sportgymnasium in Oberwiesenthal.

Die Familie als Rückhalt

"Man wächst mit solchen Einschnitten", sagt Frenzel heute: "Die Familie ist mein Rückhalt. Ein Kind freut sich immer, wenn man nach Hause kommt, egal wie gut man war."

Inzwischen ist Philipp vier, hat seine eigenen Ski und ist Papas größter Fan. "Er kennt fast das ganze Starterfeld auswendig", sagt Frenzel stolz.

Sogar den eher schwer auszusprechenden Jason Lamy-Chappuis.

Frenzel strebt Podestplatz an

Der Franzose gilt als Frenzels schärfster Konkurrent im Rennen um den Weltcup.

"Jason hat in den vergangenen Jahren das Niveau bestimmt. Ihn gilt es zu schlagen", sagt der einzige deutsche Weltmeister von Oslo: "Aber die Norweger sind auch stark. Oder die Österreicher. Und natürlich wir Deutschen."

Das Podest sei daher sein Ziel, nachdem er zuletzt zweimal "nur" Vierter wurde.

Hoffnungsträger einer ganzen Sportart

Es ist auch diese Bescheidenheit, die dem Mann mit dem Spitznamen "Effe" viel Anerkennung verschafft hat. Und ihn zu einer Art Hoffnungsträger macht, der dem Sport zu altem Glanz verhelfen soll.

Denn die einstige Königsdisziplin hat an Zugkraft verloren, die Zuschauerzahlen sind gering, Live-Übertragungen selten.

Neue, unverbrauchte Gesichter wie Frenzel oder auch Vize-Weltmeister Johannes Rydzek kommen da gerade richtig.

"Penalty Race" bei mindestens zwei Weltcups

Doch das Problem ist auch ein internationales.

"Wir müssen über neue Formate sprechen", sagt DSV-Sportdirektor Thomas Pfüller: "Wir müssen das mit den großen Nationen abstimmen und es auf unterer Ebene testen."

Grünes Licht gab es bereits für das "Penalty Race" bei mindestens zwei Weltcups. Dabei bekommen die Athleten für schlechte Sprünge ähnlich wie beim Biathlon im Langlauf Strafrunden aufgebrummt.

"Ich finde diese Idee gut. Wir hoffen, dass wir so verstärkt wahrgenommen werden", sagt Frenzel und ist überzeugt: "Mit der Nordischen Kombination geht es jetzt wieder aufwärts."

Vermarktung weiter schwierig

Immerhin: In der neuen Saison gibt es statt 13 wieder stattliche 27 Wettbewerbe, darunter die Rennen in Schonach und Klingenthal.

"Wir schieben die Kombination gewaltig mit an", sagt Pfüller: "Wir richten Wettkämpfe aus, die wir uns eigentlich gar nicht leisten können."

Die Vermarktung bleibe allerdings ein Problem. "Andere Ausrichter, auch in Deutschland, gehen in Deckung, wenn sie Nordische Kombination machen sollen", so Pfüller.

Mehr Aufmerksamkeit erzielen

In Kuusamo teilen sich die Kombinierer die Schanze mit den Spezialspringern - ein weiterer Schritt, um mehr Aufmerksamkeit zu erzielen.

Es ist nun an Eric Frenzel und Co., diese Aufmerksamkeit zu nutzen. Am besten mit dem Sprung nach ganz oben.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel