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Tino Edelmann sprang trotz Rückenwinds beachtliche 118,5 m weit © getty

Das ewig zweite deutsche Kombinierer-Team unterliegt bei der WM einem Sensationssieger. Ein Mitfavorit verbummelt alle Chancen.

Liberec - Eine halbe Skilänge fehlte zum ersten WM-Teamgold seit 22 Jahren, deshalb konnten sich Deutschlands Kombinierer auch nicht so recht über ihre sechste Silbermedaille in Serie freuen.

Tino Edelmann schlug im Schnee liegend die Hände vors Gesicht, nachdem er trotz eines Spagats auf der Ziellinie den Spurt gegen den krassen Außenseiter Japan verloren hatte.

0,0 Sekunden Rückstand stand auf der Ergebnistafel - aber den langersehnten Titel gab es trotzdem nicht. (DATENCENTER: Die WM-Ergebnisse)

Kobayashi fasst es nicht

"Ich freue mich über die Medaille, aber wenn man so knapp davor ist, ist das schon ärgerlich. Ich habe fast die ganze Zielgerade an mich geglaubt und mein Bein vorgeschmissen - aber es sollte einfach nicht sein", erklärte Edelmann.

Nach Platz zwei im Massenstart (Edelmann springt zu Silber) holte er die insgesamt fünfte Silbermedaille für das deutsche WM-Team in Liberec.

Vor der Siegerehrung schlug er seinem japanischen Kontrahenten Norihito Kobayashi scherzhaft auf die Schulter, der über den sensationellen Sieg nur den Kopf schütteln konnte: "Wir haben Deutschland geschlagen und sind Champion. Unglaublich."

Nur der Gössner-Ski sticht

Bei Bundestrainer Hermann Weinbuch mochte sich mit Blick auf die seit Olympia 2002 andauernde Silber-Serie bei Teamwettbewerben nicht die rechte Freude einstellen.

Er hatte in Oberstdorf 1987 selbst noch das letzte deutsche WM-Teamgold gefeiert: "Wir haben um Gold gekämpft und ich freue mich über Silber. Aber es hat am Ende wieder das letzte Quäntchen gefehlt. Die Japaner hatten überragende Ski."

Bestes Material hatte nur Eric Frenzel an den Füßen, der mit den Ski der zuvor zu Staffel-Silber gestürmten Biathletin Miriam Gössner lief.

Schludriger Demong disqualifiziert

Edelmann rang dann auf der Zielgerade den haushohen Favoriten Magnus Moan für Norwegen nieder, aber der kleine Mann aus Fernost hatte etwas gegen die erste deutsche Siegesparty in Tschechien.

Dabei war diesmal fast alles für die Deutschen gelaufen. Zuerst meldete sich Gesamtweltcup-Spitzenreiter Anssi Koivuranta wegen einer Erklältung aus dem finnischen Team ab. Dann verschluderte Bill Demong (USA), WM-Bronzegewinner im Einzel, beim Springen seine Startnummer.

Die Strafe war die Disqualifikation, null Punkte für ihn - das mitfavorisierte US-Team trat daraufhin in der Langlauf-Staffel nicht mehr an.

Ackermann ist "heilfroh"

Auf der Schanze bei schwierigsten Bedingungen mit Wind und Schneefall zeigten besonders Ronny Ackermann (122 Meter) und Björn Kircheisen (120,5) starke Leistungen.

Das deutsche Team hatte die 17 Sekunden Rückstand nach dem Springen schnell aufgeholt. Björn Kircheisen riss an dritter Position eine Lücke, doch Edelmann konnte den Vorsprung nicht verteidigen und verlor den Zielspurt.

Der viermalige Weltmeister Ackermann war trotzdem zufrieden: "Wir müssen froh sein, dass wir überhaupt eine Medaille gewinnen. Tino hat es fast gerissen - wir können stolz auf Silber sein."

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