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Bei den Olympischen Spielen 2010 holte Hüfner (r.) Gold vor Geisenberger (Bronze) © getty

Tatjana Hüfners Jubel über einen Fehler von Natalie Geisenberger sorgt im deutschen Rodel-Team für eine Eiszeit.

Altenberg/Berlin - Das neue Jahr war gerade einmal fünf Tage alt, als im deutschen Rodelteam die Eiszeit ausbrach.

In der Leaderbox verfolgte Tatjana Hüfner beim Weltcup in Königssee den entscheidenden Lauf ihrer Teamkollegin Natalie Geisenberger. Als der Miesbacherin ein schwerer Fehler unterlief und sie den sicher geglaubten Sieg noch aus den Händen gab, platzte es aus Hüfner heraus.

Die sonst so introvertierte Olympiasiegerin schrie vor Freude und umarmte jeden, der nicht schnell genug das Weite suchte. (SERVICE: Alles zum Wintersport)

Seitdem sprechen die beiden besten Rodlerinnen der Welt nicht mehr miteinander, das Wort "Zickenkrieg" macht die Runde. Geisenberger empfand Hüfners emotionalen Ausbruch als persönlichen Affront.

Eine Frage der Zeit

Wahrscheinlich war es aber nur eine Frage der Zeit, bis aus dem gesunden Konkurrenzkampf eine erbitterte Rivalität wird, die auch das Bild beim WM-Rennen am Sonntag in Altenberg prägen wird.

Dort machen beide Gold wohl unter sich aus.

"Ich freue mich auch über Siege, aber nicht, weil eine andere einen Fehler gemacht hat. Ich weiß nicht, was das sollte", sagt Geisenberger.

Die Olympiadritte gibt aber selbst zu, dass auch sie "nicht mit jeder 'best friend' sein muss".

Veränderte Vorzeichen

Beste Freundinnen waren Hüfner und Geisenberger auch vorher nie. Dafür sind beide charakterlich zu unterschiedlich und sportlich zu ehrgeizig und gut.

So lange Hüfner sportlich unantastbar war, fügte sich ihre schärfste Konkurrentin zähneknirschend in die Rolle der Nummer zwei. Doch in dieser Saison schwächelt die Dominatorin der vergangenen Jahre.

"Pushen sich gegenseitig"

"Beide haben den Anspruch, vor der anderen zu landen. Deswegen pushen sie sich gegenseitig", sagt Bundestrainer Norbert Loch.

Doch der Konkurrenzkampf hat inzwischen eine neue Ebene erreicht. Loch ist zunehmend auch als Frauenversteher gefragt, um in der angespannten Atmosphäre zu vermitteln.

"Es ist mein Job, die Sportler bei Laune zu halten. Bei den Damen ist das etwas schwieriger als bei den Männern", sagt der Bundestrainer.

Harmonischere Vergangenheit

Dabei war das Verhältnis zwischen Hüfner und Geisenberger nicht immer so belastet. In der Vergangenheit hatten beide Athletinnen immer wieder betont, keine Probleme miteinander zu haben.

"Wenn ich einen Rückstand auf die Tati persönlich nehme und denke: 'Jetzt ist die blöde Kuh wieder schneller als ich' - damit komme ich nicht weiter", hatte Geisenberger einmal gesagt: "Keine ist langsamer, nur weil sie der anderen einen 'Guten Morgen' wünscht."

Doch selbst harmlose Floskeln tauschen beide derzeit nicht mehr aus.

Mangelnde Konkurrenz

Vielleicht ist das auch ein Ergebnis mangelnder Konkurrenz aus dem Ausland. Auf den ersten vier Plätzen der Weltcupgesamtwertung liegen vier Deutsche.

Einzig die Kanadierin Alex Gough, die den BSD-Rodlerinnen im vergangenen Winter nach 13 Jahren und 105 Siegen die erste Niederlage im Weltcup zugefügt hatte, könnte möglicherweise bei der WM die ein oder andere deutsche Athletin vom Podest stoßen.

"Auf sie müssen wir ein Auge haben", sagt Geisenberger.

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