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Cathleen Martini gewann in der Saison 2011/12 zum ersten Mal den Gesamtweltcup © imago

Das Verhältnis der deutschen Bobpilotinnen ist frostig. Cathleen Martini fehlt der Anstand. Bei der WM kämpfen beide um Gold.

Lake Placid - Als das Gespräch auf Sandra Kiriasis kommt, stößt Cathleen Martini einen kurzen Seufzer aus.

Nicht schon wieder dieses Thema, scheint die Weltmeisterin zu denken.

Sie antwortet dann aber doch - und nimmt dabei kein Blatt vor dem Mund (SERVICE: Alles zum Wintersport).

Das Verhältnis zwischen den beiden deutschen Bobpilotinnen, die ab Freitag bei der WM in Lake Placid als Mitfavoritinnen im Kampf um Gold an den Start gehen, ist und bleibt unterkühlt.

Mangelnde Fairness

Vor allem Kiriasis' Verhalten nach Niederlagen stößt bei ihrer Teamkollegin auf Unverständnis.

Die Olympiasiegerin von 2006 kann nur schlecht verlieren, Glückwünsche an die Konkurrentinnen, auch aus dem eigenen Team, fallen - um es höflich auszudrücken - verhalten aus.

"Für mich gehört es zum Anstand, der besseren Athletin zu gratulieren. Wenn sie das mit ihrer Überehrgeizigkeit nicht kann - okay. Ich habe mich inzwischen damit abgefunden", sagte Martini.

Identische Zielsetzung

Privat gehen sich die beiden besten deutschen Fahrerinnen der vergangenen Jahre so gut es geht aus dem Weg.

"Wir sind charakterlich zu unterschiedlich, aus uns würden nie beste Freundinnen werden", sagte Martini:

"Auf sportlicher Ebene arbeiten wir gut zusammen, denn wir haben das gleiche Ziel."

Zickenkrieg als Auslöser

Kiriasis macht aus ihrem gesteigerten Ehrgeiz keinen Hehl. "Professionalität ist mir sehr wichtig", sagte die neunmalige Gesamtweltcupgewinnerin.

Dass sie dabei manchmal über das Ziel hinausschießt, dürfte ihr bewusst sein.

Im Jahr 2009 löste ihr Streit mit der Anschieberin Romy Logsch einen "Zickenkrieg" aus, der auch Ausgangspunkt für das schwierige Verhältnis zu Martini ist.

Konsequenzen für Kritik

Kiriasis hatte Logsch, mit der sie zuvor im Bob prächtig harmoniert und zweimal Weltmeisterin (2007 und 2008) geworden war, Disziplinlosigkeiten vorgeworfen.

Nach dem Krach wechselte die Anschieberin in Martinis Schlitten - und mit ihr der Erfolg. Mit Logsch an der Bremse gewann Martini vor einem Jahr in Königssee ihren ersten WM-Titel.

Auf den Erfolg ihrer ehemaligen Teamkollegin angesprochen, fragte Kiriasis einmal bissig: "Wer ist Romy Logsch?"

"Frauenversteher" Langen

Solche Sticheleien dürften bei den diesjährigen Titelkämpfen in Lake Placid ausbleiben, da Logsch wegen einer Achillessehnenverletzung ausfällt.

Zudem scheint Bundestrainer Christoph Langen bei den Athletinnen den richtigen Ton zu treffen.

"Christoph haben wir in einem Schnellkurs zu einem Frauenversteher gemacht", sagte Kiriasis.

Spitzen-Duell im Eiskanal

Gut möglich, dass sich die teaminterne Rivalität also weiter leistungsfördernd auswirkt.

Auch beim WM-Rennen werden sich Kiriasis und Martini im schwierigen Eiskanal nichts schenken.

Martini gibt der erstmalige Gewinn des Gesamtweltcups trotz ihrer Fußverletzung Rückenwind, bei der in diesem Winter noch sieglosen Kiriasis zeigte die Formkurve zuletzt deutlich nach oben.

Schneiderheinze hofft

Auch Anja Schneiderheinze macht sich als dritte deutsche Starterin Hoffnungen auf Edelmetall.

Die Winterbergerin, die 2006 als Anschieberin von Kiriasis Olympiagold gewonnen hatte, schloss die abgelaufene Weltcupsaison auf dem zweiten Platz ab.

"Bei der WM bin ich ein guter Außenseiter. Auch da will ich vorne mitkämpfen", sagte Schneiderheinze.

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