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Tatjana Hüfner gewann bei Olympia 2010 in Vancouver die Goldmedaille © getty

Tatjana Hüfner gewinnt zum fünften Mal den Weltcup und zieht mit Legende Kraushaar-Pielach gleich. Nur das EM-Gold fehlt ihr.

Paramonowo/Berlin - Vor dem Showdown bedrohten sich die beiden Rodel-Rivalinnen für das Fernsehen im Schattenboxen scherzhaft mit den Fäusten, nach dem Saisonfinale war vom vieldiskutierten "Zickenkrieg" nichts zu mehr zu spüren.

Natalie Geisenberger nahm ihre Widersacherin Tatjana Hüfner in den Arm, erkannte ihre Niederlage neidlos an und gratulierte der Teamkollegin zum historischen Triumph.

Durch ihren zweiten Platz beim auch als EM ausgefahrenen Weltcupfinale im russischen Paramonowo sicherte sich Olympiasiegerin Hüfner ihren fünften Weltcup-Gesamtsieg in Folge. (SERVICE: Alles zum Wintersport)

Hüfner hat noch nicht genug

Damit zog die überragende Rodlerin der vergangenen Jahre in der ewigen Bestenliste mit Rekordhalterin Silke Kraushaar-Pielach gleich.

"Es ist schon gigantisch, was für eine erfolgreiche Zeit hinter mir liegt. Ich hoffe, dass ich die noch fortsetzen kann", sagte Rodel-Königin Hüfner. SHOP: Jetzt Rodel-Artikel kaufen

Die sonst so selbstsichere Weltmeisterin aus Friedrichroda gab zu, dass sie vor dem Herzschlagfinale "etwas nervös" gewesen sei: "Ich wusste: Es geht um alles. Aber ich hatte alle Trümpfe in der Hand und bin froh, dass ich sie auch ausspielen konnte."

Geisenberger im Finale nur Vierte

Die Olympiadritte Geisenberger, die den Kampf um die Kristallkugel durch ihren Sieg eine Woche zuvor im lettischen Sigulda noch einmal spannend gemacht hatte, musste ihre Hoffnungen auf den Gesamtsieg schon nach einem schwachen ersten Durchgang begraben und wurde im letzten Saisonrennen nur Vierte.

"Ich kann trotzdem zufrieden sein. Jetzt freue ich mich auf Freizeit, Skifahren und Golfen", sagte die 24-Jährige aus Miesbach, die sich nun schon zum vierten Mal in Serie in der Endabrechung mit Platz zwei hinter Hüfner zufrieden geben musste.

Zwischenzeitliche Eiszeit

Es ist vor allem diese teaminterne Rivalität, die für eine Eiszeit zwischen den aktuell besten Rodlerinnen der Welt gesorgt hatte.

Kurzzeitig sprache beide sogar nicht mehr miteinander, nachdem Hüfner Anfang des Jahres in Königssee einen Patzer von Geisenberger ausgelassen bejubelt hatte. "Ich freue mich auch über Siege, aber nicht, weil eine andere einen Fehler gemacht hat. Ich weiß nicht, was das sollte", hatte Geisenberger damals geschimpft.

Beste Freundinnen werden die beiden Sportlerinnen mit den so unterschiedlichen Charakteren wohl nie, doch der Streit ist inzwischen vergessen.

"Jetzt wird gefeiert"

Nach dem Saisonfinale wollten beide sogar gemeinsam mit den anderen Teamkolleginnen auf einen erfolgreichen Winter anstoßen. "Klar wird jetzt gefeiert", sagte Geisenberger, und Hüfner fügte an: "Ein, zwei Gläschen werden wir sicher trinken."

Auf den EM-Titel wurde aber nicht angestoßen, denn den sicherte sich auf der ersten russischen Kunsteisbahn Lokalmatadorin Tatjana Iwanowa vor Hüfner, die damit weiter auf das erste EM-Gold ihrer Karriere warten muss. Dritte wurde Corinna Martini.

Hüfner macht Sicherheit Sorgen

Dem verpassten EM-Titel trauerte Hüfner aber nicht hinterher, dafür machte sich die 28-Jährige um die Sicherheit im schwierigen Eiskanal von Paramonowo Sorgen:

"Diese Bahn zählt nicht gerade zu den modernsten. Unter dem Sicherheitsaspekt ist sie auch nicht ganz unbedenklich. Da kommt es schon mal zu einem Ping-Pong-Effekt."

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