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Weltmeister Felix Loch fährt seit der Saison 2006/2007 im Weltcup © getty

Georg Hackl gibt Felix Loch den entscheidenten Tipp. Der fährt zu Einzel-Gold und verhilft der Staffel zum WM-Titel.

Lake Placid - Georg Hackls Ratschlag war für Felix Loch im wahrsten Sinne des Wortes Gold wert.

Der 19-Jährige hörte auf den Rodel-Guru, entschied sich im letzten Moment bei der Materialwahl noch um und rauschte dann mit zwei Traumfahrten ins Glück.

Ein Jahr nach dem Sensationstriumph von Oberhof verteidigte Loch in Lake Placid seinen WM-Titel erfolgreich und verhinderte die größte WM-Pleite der deutschen Rodler seit 31 Jahren. Zum Abschluss sicherte Loch im nichtolympischenn Staffelwettbewerb eine weitere Goldmedaille.

"Titel noch wertvoller als in Oberhof"

"Das ist brutal schön", sagte der Berchtesgadener nach dem Einzelrennen und umarmte freudestrahlend seinen Vater und Cheftrainer Norbert Loch. Voller Stolz wischte sich der Senior ein paar Tränen aus den Augen. "Eine Klasseleistung", lobte der zum Trainerstab gehörende Hackl.

Der wegen einer komplizierten Schulterverletzung erst im Januar in die Weltcup-Saison gestartete Felix Loch sagte mit leuchtenden Augen: "Dieser Titel ist noch wertvoller. Es war schließlich keine Heim-WM wie in Oberhof. Außerdem musste ich wegen der Verletzung länger pausieren."

Ein Jahr vor den Winterspielen in Vancouver holte ausgerechnet der Jüngste im Team nach Silber für Natalie Geisenberger und Andre Florschütz/Torsten Wustlich den einzigen deutschen WM-Titel in den drei olympischen Disziplinen.

Staffel gewinnt vor Österreich

In der Staffel waren diese drei Schlitten dann gleich 1,510 Sekunden schneller als Österreich, sicherten den achten Team-Erfolg seit dem Jahr 2000 in Serie und den zwölften Erfolg in der insgesamt 16. Auflage.

Felix Loch berichtete, wie es zur goldrichtigen Materialwahl gekommen war: "Ich hatte schon eine meiner zwei Schienen ausgewählt. Eine dreiviertel Stunde vor dem Rennen, es wurde immer wärmer, sagte Hackl zu mir, dass er die andere nehmen würde - da habe ich mich umentschieden."

Plötzlich wird es wärmer

Die plötzlichen Plusgrade vor dem Start machten das holprige Eis auf der technisch anspruchsvollen Bahn am Mount van Houvenberg weich, nachdem am Morgen noch minus 13 Grad Celsius geherrscht hatten. Loch, trotz des Wetterumschwungs von 20 Grad nun bestens gerüstet, ging mit Bahnrekord vor dem zweimaligen Olympiasieger Armin Zöggeler aus Italien in Führung. Im Finale baute er den Vorsprung auf 0,213 Sekunden aus.

Die Bilanz für den Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) vom Vorjahr mit drei WM-Titeln (plus Staffel) und acht von neun möglichen Medaillen blieb unerreicht. "Das war aber auf dieser Bahn auch nicht zu erwarten, hier haben wir uns schon manchmal schwer getan", sagte Sportdirektor Thomas Schwab.

Der Ex-Cheftrainer stellte trotz des enttäuschenden Abschneidens bei den Frauen klar: "Es besteht kein großer Handlungsbedarf. Der Ausrutscher, wenn man das bei Silber überhaupt sagen darf, ist nicht so schlimm."

Hüfner nur Sechste

Ausgerechnet im 100. Rennen der Weltelite (88-mal Weltcup, 8-mal WM, 3-mal Olympia) seit der letzten Niederlage im November 2007 setzte sich die US-Amerikanerin Erin Hamlin (22) durch, Titelverteidigerin Tatjana Hüfner wurde gar nur Sechste.

Nachfolger Norbert Loch musste eingestehen: "Es ist nicht so gelaufen wie man sich das erhofft." Das traf auch aufs Männerrennen zu. Jan Eichhorn (Oberhof) fiel beispielsweise im Finale vom dritten auf den fünften Rang zurück, Bronze ging an den Österreicher Daniel Pfister.

Der zweimalige Weltmeister David Möller (Schalkau), durch einen Kreuzbandriss gehandicapt, vergriff sich beim Material und wurde Siebter.

"Hauptsache, Deutsche sind vorn"

Für Loch senior war es schon ein besonderes Gefühl, den Sieg des Sohnes so hautnah zu erleben. "Das ist doch etwas anderes. Letztes Jahr war ich ja weit weg von Oberhof, mit den Junioren in Lake Placid", sagte er.

Grundsätzlich sei es ihm aber egal, wer von seinem Team gewinnt: "Hauptsache, wir Deutschen sind vorn." Letztmals stand 1978 in Imst in allen drei Wettbewerben kein deutscher Rodler auf dem obersten WM-Podest.

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