Der WM-Start in Schladming wird vom Sturz Lindsey Vonns überschattet. Maria Höfl-Riesch verkraftet die Geschehnisse nicht.

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Von der Ski-WM berichtet Andreas Kloo

Schladming - Markus Wasmeier dürfte seine Worte nun nochmal überdenken.

Vor Beginn der WM in Schladming hatte er die Damen-Strecke (täglich im LIVE-TICKER) als zu leicht befunden: "Da kommt jede runter", sagte der Doppel-Olympiasieger in einem Interview despektierlich.

Lindsey Vonn kam beim Super-G der Damen nicht runter.

Die weltbeste Abfahrerin stürzte beim "Posersprung" nach 45 Sekunden schwer. Bei der Landung knickte ihr rechtes Knie weg, sie überschlug sich und krachte in ein Tor.

Die niederschnetternde Diagnose: Kreuzbandriss, Innenbandriss sowie Abbruch des Schienbeinkopfes . ( 671737 DIASHOW: Die Bilder der Ski-WM )

Auch Maze geschockt

Selbst die vor ihr gestartete Erzrivalin Tina Maze war geschockt und starrte mit offenem Mund auf die Zeitlupe der Szene.

"Der Sprung ging sehr weit, das war schon eine Überraschung", kommentierte die spätere Siegerin und Super-G-Weltmeisterin die verhängnisvolle Stelle. (DATENCENTER: Ergebnisse)

Höfl-Riesch hört Geschrei

Maria Höfl-Riesch sah den Sturz ihrer Freundin zwar nicht.

Aber sie bekam dennoch mit, dass der direkt vor ihr gestarteten Vonn etwas Schlimmeres passiert ist.

Als sie gerade ins Rennen starten wollte, wurde sie zurückgehalten, das Rennen unterbrochen.

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"Ich hörte das Geschrei der Leute, als der Sturz im Fernsehen gezeigt wurde", berichtete die Partenkirchenerin.

"Schwer auszublenden"

Höfl-Riesch gelang es nicht, die Geschehnisse abzustreifen. Nach 21 Fahrsekunden rutschte sie an einer harmlosen Stelle mit dem Außenski weg und schied aus.

"Das ist schwer auszublenden, wenn die Freundin direkt vor einem stürzt", beschrieb die 28-jährige die psychologisch schwierige Situation.

Ständige Verschiebungen

Schwierig war der Tag für die Fahrerinnen ohnehin gewesen. Der Start des Super-G's war eigentlich für 11 Uhr vorgesehen.

Aber da sich der Nebel hartnäckig in der Strecke hielt, wurde der Start immer weiter nach hinten verschoben, bis es letztlich um 14.30 Uhr doch noch Grünes Licht gab.

"Wir haben schon gar nicht mehr damit gerechnet, dass das Rennen noch stattfindet. Einige hatten sich die Schuhe schon ausgezogen", sagte Höfl-Riesch zu den Geschehnissen am Start.

Unterbrechungen und Abbruch

Und das Rennen selbst zog sich dann auch noch in die Länge. Erst kam ein Fahrer des Rutschkommandos zu Fall.

Er musste auf der Strecke behandelt werden, ein Helikopter transportierte ihn ins Krankenhaus, er zog sich aber offenbar nur einen Nasenbeinbruch zu. Eine Rennunterbrechung von 20 Minuten war jedoch die Folge.

Nach Vonns schwerem Sturz folgte noch einmal eine längere Pause.

Als dann nach 36 Läuferinnen der Nebel zurück kam, wurde das Rennen schließlich ganz abgebrochen.

Hronek verpasst Sensation

Für eine Deutsche hätte es dennoch beinahe ein Happy End gegeben.

Veronique Hronek war bei ihrem ersten WM-Super-G drauf und dran eine Medaille zu holen - und verpasste dann ein Tor.

"Ich habe das Tempo falsch eingeschätzt", erklärte sie hinterher ihren verhängnisvollen Fehler auf SPORT1-Nachfrage.

Die 21-Jährige war allerdings nicht die Einzige, die an dieser Stelle patzte. Auch die hochgewettete Österreicherin Anna Fenninger und die Liechtensteinerin Tina Weirather verpassten das blaue Tor nach der Kuppe.

Maier-Kritik an Höfl-Riesch

Deshalb wollte DSV-Sportdirektor Wolfgang Maier auch hinterher nicht den Stab über die junge Läuferin brechen. Unzufrieden war er dagegen mit Maria Höfl-Riesch: "Ich hatte mir eigentlich mehr erhofft von ihr. So ein Fehler dürfte ihr nicht passieren."

Verschiebung gewünscht

Noch verärgerter war Maier aber über die Organisatoren. Er hätte sich lieber eine Verschiebung des Rennens gewünscht.

"Wenn man wirklich nicht garantieren kann, dass es gleich ist für alle, soll man es gut sein lassen." Eine Verschiebung auf Mittwoch nachmittag oder den rennfreien Donnerstag wäre theoretisch möglich gewesen. Vonns Knie wäre dann noch heil.

Skaardal verteidigt sich

Renndirektor Atle Skaardal war jedoch bemüht, solche Diskussionen nicht aufkommen zu lassen.

"Bei Lindsey Vonns Fahrt gab es keine Sichtprobleme, keine Probleme mit der Strecke", stellte er klar.

Vonn dürften diese Worte wenig trösten, die Saison ist für sie beendet. Sie wird wohl sechs Monate lang nicht mehr auf Skiern stehen können.