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Lindsey Vonn (M.) riss sich beim Super G das Kreuz- und Innenband im rechten Knie © getty

Lindsey Vonns Kreuzbandriss schockt die Ski-Welt. Die Wut auf die Jury ebbt nicht ab. Vonn steht vor einer langen Pause.

Von der Ski-WM berichtet Andreas Kloo

Schladming - Lindsey Vonns Schicksal bewegte am Dienstag in Schladming alle. Selbst der Fehlstart der österreichischen Gastgeber rückte durch den schweren Sturz der Amerikanerin beim Super-G ( 671737 DIASHOW: Die Bilder der Ski-WM ) in den Hintergrund.

"Lindsey tut mir leid, sie ist die Populärste, sie ist die Stärkste. Ich hoffe, dass sie nicht zu schwer verletzt ist", sagte ÖSV-Sportdirektor Hans Pum direkt nach Ende des Auftaktrennens der alpinen Ski-WM (täglich im LIVE-TICKER).

Pums Hoffnungen erfüllten sich nicht.

Vonn erlitt einen Kreuz- und Innenbandriss sowie einen Abbruch des Schienbeinkopfes.

Operation notwendig

Wie das US-Ski-Team mitteilte, ist die Speed-Queen schon wieder aus dem Krankenhaus in Schladming entlassen.

Eine Operation wird aber nötig sein, diese wird in den USA durchgeführt.

Nicht nur die WM ist für Vonn gelaufen, sechs Monate wird sie auf alle Fälle pausieren müssen.

Susanne Riesch geschockt

Die Skiwelt ist bestürzt: "Gute Besserung, Lindsey! Ich bin total geschockt", twitterte Susanne Riesch, die im Herbst 2011 ebenfalls einen Kreuzbandriss erlitten hatte und noch heute an den Folgen laboriert.

Bei manchen wandelte sich der Schock aber auch in Wut über die Entscheidung der Jury, das Rennen doch noch durchzuführen (DATENCENTER: Ergebnisseder Ski-WM).

Maier: "Elfer verschossen"

"Man will bei der WM in Schladming Superlative schaffen, so wird das nicht gehen. Denn statt Superlativen hat man nun ein Rennen, das nicht für alle gleich war, einen Abbruch sowie einen schwer verletzten Superstar. Da hat man einen Elfer aus fünf Metern verschossen", echauffierte sich DSV-Sportdirektor Wolfgang Maier.

[image id="7a43085f-63e3-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Mit dem Bild des verschossenen Elfmeters meint Maier die Chance zur Verschiebung des Rennens. Die war durchaus gegeben.

"Das Ersatzprogramm war schon fixiert, wir hätten den Super-G am Donnerstagvormittag ausgetragen", berichtete Pum.

Schwierige Situation für Fahrerinnen

Doch die Jury zögerte eine Entscheidung immer wieder hinaus, die Fahrerinnen wussten nicht, woran sie sind.

"Dieses zizerlweise um fünfzehn Minuten verschieben, ist das Zäheste, das man den Mädels zumuten kann. Da kann niemand in die Hütte und niemand aus den Skischuhen raus. Das ist eine Strategie, die ich absolut kritisiere", beschwerte sich Pum.

Dürftige WM-Bilanz

Für Vonn persönlich ist die schwere Verletzung tragisch.

Sie hatte sich sehr viel vorgenommen: "Ich fahre so gut vorbereitet wie nie zu einer WM." In Schladming wollte sie ihre persönliche WM-Bilanz ausbessern.

Mit zwei Goldmedaillen fällt diese im Vergleich zu ihren 59 Weltcupsiegen fast schon mickrig aus.

[kaltura id="0_f4jldn62" class="full_size" title="Reaktionen auf Vonns Horrorsturz"]

Aber Weltmeisterschaften und Vonn - das ist von jeher eine unglückliche Beziehung.

2005 in Bormio: Vonn, die damals noch Kildow heißt, stürzt im Abfahrtstraining spektakulär.

2007 in Are: Wieder stürzt sie im Training und zieht sich einen Kreuzbandeinriss zu.

2009 in Val d'Isere: Vonn holt zwar Gold in Abfahrt und Super-G. Beim Feiern verletzt sie sich aber beim Öffnen einer Champagnerflasche böse an der Hand.

2011 in Garmisch-Partenkirchen: Wenige Tage vor WM-Beginn fällt sie beim Riesenslalomtraining auf den Hinterkopf und erleidet eine Gehirnerschütterung. Geschwächt geht sie an den Start und gewinnt nur einmal Silber in der Abfahrt.

Depressions-Beichte im Dezember

Nicht nur durch diese Ereignisse bekam Vonn den Beinamen "Drama Queen".

In diesem Winter setzten sich die dramatischen Ereignisse um die 28-Jährige nahtlos fort.

Zunächst litt sie an einer komplizierten Magen-Darm-Erkrankung, was zu einem verspäteten Saisoneinstieg führte.

Mit einem Sieg bei der Abfahrt in Lake Louise meldete sie sich dann triumphal zurück.

Am 14. Dezember sorgte sie mit ihrer Depressions-Beichte im "People-Magazine" für Aufsehen. Beim Rennen am gleichen Tag in St. Moritz flog sie spektakulär in die Fangnetze.

Rekord noch zu erreichen?

Sie legte eine Weltcup-Pause ein und kehrte wieder erfolgreich zurück.

Sie gewann die Abfahrt von Cortina und auch den Riesenslalom von Maribor.

Vonn schien auf dem besten Wege, die erfolgreichste Skifahrerin aller Zeiten zu werden. Drei Siege fehlen ihr nur noch zu den 62 Weltcup-Erfolgen der legendären Annemarie Moser-Pröll.

Ob ihr dieser Rekord jetzt noch gelingt?

Verzicht auf Medizin Skifahren

Der US-Verband geht fest davon aus, dass sie in der Weltcup-Saison 2013/14 wieder am Start steht und bei Olympia in Sotschi um Medaillen kämpft.

Aber es bleibt abzuwarten, wie stark sie nach der Verletzungspause zurückkehrt.

Es stellt sich auch die Frage, wie sie persönlich mit der Skipause umgeht. Kürzlich hatte sie Skifahren als beste Medizin gegen ihre Depressionen beschrieben: "Wenn ich Skifahren kann, bin ich glücklich."

Bleibt zu hoffen, dass sie einen guten Ersatz fürs Skifahren findet.