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Ted Ligety (l.) wurde 2006 in Turin Olympiasieger in der Kombination © getty

Der Riesenslalom-Favorit gewinnt Gold im Super-G - dank Svindals Trainer. Die enttäuschenden Deutschen hadern und humpeln.

Von der Ski-WM berichtet Andreas Kloo

Schladming - Alles schien gerichtet für die fünfte WM-Goldmedaille von Aksel Lund Svindal.

Der Norweger ging nach drei Siegen in vier Rennen als absoluter Topfavorit in den Super-G von Schladming (DATENCENTER: Ergebnisse).

Und dann stand am Ende jemand ganz oben auf dem Podest, den die Ski-Fans nur von den Riesenslalom-Podiums kennen: Ted Ligety (Bericht).

Der Amerikaner konnte seinen Erfolg kaum glauben: "Es ist cool, ich hatte nicht erwartet, dass ich heute Weltmeister werde. Es ist surreal", beschrieb der frisch gebackene Champion seine Gefühle.

Svindal-Trainer steckt engen Kurs

Der Super-G ist ein Zwitter aus Abfahrt und Riesenslalom.

Es gibt genaue Regeln, was Torabstände und Zahl der Richtungsänderungen angeht.

Aber diese Regeln lassen dem Kurssetzer einen großen Spielraum. Der eine steckt eher einen kurvigen Kurs, der andere einen schnellen, was den Abfahrern mehr entgegenkommt.

Der Norweger Tron Moger entschied sich für die Riesenslalom-Variante - auch um seinem Läufer Aksel Lund Svindal einen Vorteil gegenüber den Abfahrtsspezialisten zu verschaffen.

Zielhang entscheidend

Doch die Kurssetzung seines Trainers erwies sich als klassisches Eigentor.

Denn Riesenslalom-Weltmeister Ted Ligety nutzte die Gunst der Stunde. Mit Nummer zehn ging der Amerikaner ins Rennen und stellte eine Zeit auf, die keiner mehr erreichte.

Vor allem den eng gesteckten Zielhang erwischte er besser als alle anderen. Dort patzte auch Svindal, so dass es für den haushohen Favoriten nur zu Bronze reichte.

Svindal verteidigt Coach

Der zweifache Gesamtweltcupsieger verteidigte aber hinterher seinen Trainer: "Man kann durch die Kurssetzung sicherstellen, dass es ein Vorteil ist. Oder man kann sicherstellen, dass ein Kurs kein Nachteil ist."

Sein Coach habe die letzte Variante gewählt - auch weil er wusste, dass Svindal in Topform ist.

Kein Hang für Abfahrer

Für Svindal war aber auch gar nicht die Kurssetzung so sehr entscheidend, sondern der Hang an sich.

"Man kann hier nur zweimal in Abfahrtsposition gehen, kurz nach dem Start und 50 Meter vor dem Ziel. So konnte ich keine Zeit auf Ted rausholen", beschrieb der 30-Jährige die Charakteristik des Hanges.

Keppler als Negativbeispiel

Außerdem riskierte Ligety auch mehr als seine Rivalen.

"Ich habe mir die Läufer vor mir im Fernsehen angesehen, die haben alle versucht, so sauber wie möglich zu fahren. Das wollte ich besser machen", erzählte der 28-Jährige.

Zu den Läufern, die vor ihm starteten, gehörte auch Stephan Keppler.

Er gab hinterher offen zu, was Ligety nicht entgangen war: "Ich habe versucht einen technisch sauberen Lauf zu fahren, aber das ist nichts für mich, da finde ich nicht zu meiner Aggressivität."

Heraus kam ein verkorkstes Rennen, nach dessen Ende sich Keppler auf Rang 33 wiederfand.

Nominierung nicht gerechtfertigt

Keppler hatte die WM-Norm eigentlich verpasst und nur eine der zwei geforderten Top-15-Platzierungen erreicht.

Dennoch nominierte ihn der DSV für Schladming. Mit der Leistung im Super-G hat Keppler diese Entscheidung nicht gerechtfertigt.

Für die Abfahrt am Samstag (ab 11 Uhr im LIVE-TICKER) glaubt er dennoch an eine bessere Leistung: "Ich hoffe mal, dass es da dann nicht ganz so kurvig ist", sagte er auf SPORT1-Nachfrage.

Knieschmerzen bei Stechert

Für die Abfahrt wäre eigentlich auch Tobias Stechert ein deutscher Hoffnungstäger. Gerade erst von seiner Knieverletzung wiedergenesen, meldete sich der Allgäuer zumindest mit Rang 24 zurück.

Allerdings machte ihm hinterher sein im Dezember verletztes Knie zu schaffen.

"Ich hoffe, es wird im Laufe des Tages besser", sagte er humpelnd.

De Tessieres unverhofft zu Silber

Stechert und Keppler waren ähnlich auf den letzten Drücker nominiert worden wie der Silbermedaillengewinner Gauthier de Tessieres.

Der Franzose sprang nur als Ersatzmann für den verletzten Johan Clarey ein.

"Vor fünf Tagen war ich noch daheim, dann haben sie mich angerufen und gesagt: Komm nach Schladming. Das Schicksal hat es gut mit mir gemeint", freute er sich über seinen unverhofften zweiten Platz.

Frust bei Österreichern

Nichts zu lachen hatten dagegen erneut die Österreicher.

Wie schon beim Super-G der Damen verpasste die rot-weiß-rote Armada die Medaillenränge.

24.000 Zuschauer waren am Morgen euphorisch nach Schladming gekommen, um einen ihrer Läufer jubeln zu sehen.

Nach dem Rennen zogen sie enttäuscht von dannen. Hannes Reichelt und Matthias Mayer landeten auf den undankbaren Plätzen vier und fünf.

Reichelt hat aber bereits eine Idee, wie er seinen Frust abbauen kann: "Vielleicht muss ich ein bisschen auf einen Boxsack einschlagen."

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