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Maria Höfl-Riesch fuhr im Weltcup bisher achtmal in der Super-Kombi aufs Podest © getty

Maria Höfl-Riesch legt in der Super-Kombi eine Aufholjagd hin und holt WM-Gold. Topfavoritin Maze beißt sich die Zähne aus.

Schladming - Maria Höfl-Riesch hatte feuchte Augen, als sie die deutsche Nationalhymne mitsang.

Nur mit größter Mühe hielt sie die Tränen zurück. Weltmeisterin in der Super-Kombination - das fühlte sich für die 28-Jährige an wie ein unwirklicher Traum.

Doch der Traum war rund eine halbe Stunde zuvor wahr geworden, und so stand Höfl-Riesch nun am Fuße der Planai im Zielraum von Schladming ganz oben auf dem Podium ( 671737 DIASHOW: Die Bilder der Ski-WM ).

"Gold, das ist Wahnsinn, Wahnsinn!", sagte sie unmittelbar nach einem ihrer größten Siege, dem zweiten bei einer WM nach dem 2009 im Slalom von Val d'Isere: "Das hat den höchsten Stellenwert, den man sich nur vorstellen kann. Ich kann es gar nicht glauben."

Vierte nach Durchgang eins

Höfl-Riesch war Vierte gewesen nach der Abfahrt, lag nur 0,20 Sekunden hinter der Spitze.

Doch die bildete Tina Maze, die alles überragende Läuferin des Winters und Weltmeisterin im Super-G von Schladming. Im Slalom griff Höfl-Riesch an, doch ihr Lauf war nicht perfekt.

Fast schien es so, als würde es wieder nicht reichen - wie schon so oft in dieser für sie so schweren Saison.

"Und jetzt bin ich Weltmeisterin"

Doch als Maze ins Ziel fuhr und da plötzlich die "2" aufleuchtete, stürmte Höfl-Riesch in den Zielraum und hüpfte vor Glück. Die Konkurrentin fuhr auf die "Gold-Maria" zu und umarmte sie herzlich.

"Ich habe so viel Druck am Start gefühlt, wollte ruhig bleiben. Ich habe gekämpft, aber Maria war einfach besser, ich habe zu viel gebremst", sagte Maze, die am Ende 0,46 Sekunden zurücklag.

Dritte wurde Nicole Hosp, die den Gastgebern die erste Medaille bescherte.

"Dass ich die Tina Maze hier schlagen kann, das hätte ich nie geglaubt", meinte Höfl-Riesch: "Sie ist so stark, da habe ich mir gedacht: Silber ist auch super - und jetzt bin ich Weltmeisterin."

Deutschlands fünfte Kombi-Queen

Und das nach einer schwierigen Saison.

"Die Vorzeichen waren nicht gut", gab sie zu, "die letzten Wochen waren nicht gut, das Vertrauen war nicht da."

Doch sie stand mal wieder auf, als es darauf ankam. Ihr Ehemann Marcus und die Eltern Sigi und Monika jubelten auf der Tribüne mit.

Höfl-Riesch ist Olympiasiegerin in der Kombination, gewann in diesem Winter aber nur ein Rennen im Weltcup, eine Abfahrt.

Bei der einzigen Kombi war sie Vierte. Jetzt ist sie Weltmeisterin, die fünfte deutsche in dieser Disziplin und die erste seit Martina Ertl 2001 in St. Anton. Ertl, die mittlerweile den Beinamen Renz trägt, gehörte in Schladming zu den ersten Gratulanten.

Riesch behält die Nerven

Für Höfl-Riesch war es nach Slalom-Gold 2009 in Val d'Isere und zweimal Bronze bei der Heim-WM in Garmisch-Partenkirchen 2011 in Abfahrt und Super-G die vierte WM-Medaille.

"Man hat einfach Tage, da geht's leichter, und Tage, da geht's schwerer. Ich habe gewusst, dass ich in der Kombi meine beste Chance habe. Und ich war vom Kopf her locker drauf", sagte Höfl-Riesch. Am Ende, ergänzte sie, "habe ich die Nerven behalten".

"Eigentlich ganz locker drauf"

Höfl-Riesch machte schon vor der Abfahrt einen konzentrierten, aber auch relaxten Eindruck.

Die Ereignisse vom Super-G, als ihre Freundin Lindsey Vonn (USA) sich schwer verletzt hatte und Höfl-Rieschs Fahrt bereits nach 21 Sekunden beendet war, hatte sie weggesteckt (DATENCENTER: Ergebnisse).

"Ich bin eigentlich ganz locker drauf", sagte sie nur wenige Minuten vor dem Start des Rennens.

Dass die Piste sich zum ersten Mal bei diesen Titelkämpfen eisig präsentierte, "taugt mir ganz gut", sagte Höfl-Riesch, "es ist anspruchsvoll zu fahren".

Lächelnd im Starthaus

Diesem Anspruch wurde sie gerecht. Neben Maze lag die zeitgleich führende Titelverteidigerin Anna Fenninger aus Österreich, die im Slalom ausschied, noch vor ihr, auch deren Teamkollegin Elisabeth Görgl.

Doch vor dem Slalom schaffte es Höfl-Riesch noch einmal, sich zu konzentrieren. Sie fuhr sich auf der nahen Reiteralm "gscheit ein" - auch um zu kompensieren, dass sie zuletzt im Training selten Zeit für den Tanz durch die Stangen gefunden hatte.

Das zahlte sich aus.

Höfl-Riesch erschien lächelnd am Starthaus - und holte Gold.