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Maria Höfl-Riesch gewann in Vancouver zwei Mal Olympia-Gold © getty

Maria Höfl-Riesch feiert mit WM-Gold in der Super-Kombi einen ihrer größten Siege. Wasmeiers Kritik dient als Motivation.

Von der Ski-WM berichtet Andreas Kloo

Schladming - Maria Höfl-Riesch lief mit einem Dauergrinsen durch den Zielraum, immer wieder winkte sie dem extra aus Garmisch-Partenkirchen angereisten Fanclub und ihren Eltern zu. Zwischendurch blickte sie mehrmals ungläubig gen Himmel.

Die frischgebackene Weltmeisterin in der Super-Kombination tat sich sichtlich schwer, ihre Emotionen zu ordnen.(671737DIASHOW: Die Bilder der Ski-WM)

"Es war schon sehr emotional", sagte die frisch gebackene Weltmeisterin in der Super-Kombination über diesen Moment.

Ihre Emotionen waren ein Mix aus Freude, Erleichterung und Genugtuung. Genugtuung gegenüber Kritikern, die sie schon abgeschrieben hatten - wie beispielsweise Markus Wasmeier.

Sticheln gegen Wasmeier

Der hatte vor der WM felsenfest behauptet, Höfl-Riesch werde bei dieser WM keine Rolle spielen.

Mit dieser Fehleinschätzung löste er nicht nur eine Schlammschlacht mit Marcus Höfl aus, sondern verhalf dessen Ehefrau sogar mit zu WM-Gold. (Herren-Abfahrt Sa., ab 11 Uhr im LIVE-TICKER)

"Das war schon eine kleine Sondermotivation", gab Höfl-Riesch nach ihrem Gold-Coup zu und machte aus ihrem Herzen keine Mördergrube: "So bisschen freut es mich schon gegenüber Markus Wasmeier."

Starke Selbstzweifel

Sie fügte aber auch hinzu: "In erster Linie spüre ich auch Genugtuung gegenüber mir selbst. Ich habe bewiesen, dass ich noch ganz vorne mitfahren kann." Zurecht sprach die 28-Jährige von einem ihrer größten Siege.

In den letzten Wochen waren nämlich auch bei ihr selbst Zweifel an der eigenen Stärke aufgekommen.

Der letzte Sieg der Doppel-Olympiasiegerin lag drei Monate zurück. In den vergangenen sechs Rennen - inklusive WM-Super-G - kam sie vier Mal nicht ins Ziel.

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Blitz-Aktion nach der Abfahrt

Deshalb war sie trotz des starken vierten Platzes in der Abfahrt am Vormittag vor dem Kombi-Slalom nervös.

"Mein Selbstvertrauen vor dem Slalom war nicht besonders groß. Ich bin zuletzt zweimal ausgefallen, das verunsichert einen dann doch."

Aber mit einer geheimen Blitz-Aktion verschafften die Trainer um Technikcoach Christian Schwaiger ihrer Läuferin mehr Sicherheit.

Nach der Abfahrt ging es sofort von Schladming aus zur einigen Kilometer entfernten Reiteralm, wo für Höfl-Riesch ein Trainingslauf gesteckt war.

Auch deshalb bedankte sich die Partenkirchenerin innig bei ihren Trainern und umarmte sie nach der Flower Ceremony alle der Reihe nach.

Lauf fühlt sich nicht gut an

Als sie nach ihrem Slalomlauf die Ziellinie überquerte und die Eins aufleuchten sah, spürte sie allerdings immer noch Selbstzweifel, wie sie hinterher erzählte: "Ich hätte mit Gold überhaupt nicht gerechnet, der Lauf hat sich nicht besonders gut angefühlt."

Doch die Rivalinnen patzten alle der Reihe nach. Die Schweizerin Lara Gut und Titelverteidigerin Anna Fenninger schieden beide aus. Elisabeth Görgl kam als Speed-Spezialistin auf den kurzen Latten nicht zurecht.

Maze schmollt

Und Top-Favoritin Tina Maze fuhr zu verkrampft. Eigentlich hatte die Slowenin nach Rang eins in der Abfahrt fest mit ihrem zweiten WM-Gold gerechnet. "Ich war sehr überrascht, dass ich Tina im Slalom schlagen konnte, das macht mich wirklich stolz", sagte Höfl-Riesch.

Die Enttäuschung war Maze hinterher dann auch anzusehen ? zumindest, wenn die Kameras nicht auf sie gerichtet waren. Dann setzte Maze nämlich einen schmollenden Gesichtsausdruck auf.

Riesenerleichterung für Österreich

Erleichterung spürten dagegen die Gastgeber, denen Nicole Hosp mit Bronze die erste WM-Medaille verschaffte.

"Es war verdammt wichtig, für die Fans, aber auch für das Organisationskommitee. Wenn man im eigenen Land keine Medaille gewinnt, ist das verdammt hart, aber jetzt geht?s bergauf", sagte Hosp stellvertretend für die ganze rot-weiß-rote Nation.

Die Austria-Fans werden ebenso die Nacht zum Tage machen wie wohl Höfl-Riesch: "Das wird heute noch länger dauern", ahnte die nämlich bereits im Zielraum.

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