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Klaus Kröll gewann in der vergangenen Saison 2011/2012 den Abfahrtsweltcup © getty

Bei Svindals Abfahrts-Gold gehen die Gastgeber abermals leer aus. Keppler verletzt sich bei einer Eiskunstlauf-Aktion.

Von der Ski-WM berichtet Andreas Kloo

Schladming - Es sollte ein rot-weiß-roter Festtag werden.

36.000 Zuschauer waren zum heimlichen Höhepunkt der WM, dem Abfahrtsrennen der Herren, nach Schladming gekommen.

Mit dem ersten Abfahrts-Gold nach zehn Jahren wollte das ÖSV-Team die österreichische Ski-Seele streicheln und alle Diskussionen um den WM-Fehlstart vergessen machen (671737DIASHOW: Die Bilder der Ski-WM).

Der letzte Abfahrtsweltmeister der Alpenrepublik, Michael Walchhofer, gab sich zuvor in der Presse siegessicher und versprach einen Dreifacherfolg.

"Österreich wird Kopf stehen", prophezeite er.

Schweigend Richtung Bahnhof

Aber statt überschäumender Freude herrschte nach dem Rennen Begräbnisstimmung. Eine schweigende Masse machte sich auf den Rückweg Richtung Bahnhof.

Denn wieder war der Austria nur Blech geblieben. Österreichs heißestes Eisen, Klaus Kröll, landete auf dem undankbarsten aller Plätze, dem Vierten.

Kröll hadert mit Lichtverhältnissen

Hinterher haderte er mit den schwierigen Bedingungen auf der Planai: "Es war extrem schwierig zu fahren, es war irgendwie eine Suppe", sagte er über das diffuse Licht.

Im Gegensatz zu Freitag war die Sonne in der Steiermark diesmal nicht zum Vorschein gekommen.

Noch schlechter als Kröll erging es Mitfavorit Hannes Reichelt, der an einem Sprung in Rücklage geriet und ausschied. Die weiteren ÖSV-Fahrer Matthias Mayer und Max Franz kamen nicht über die Ränge 13 und 23 hinaus.

Zynismus bei der Presse

Für die selbsternannte Skination Nummer eins ist das ein katastrophales Ergebnis. Die letzte Abfahrtsmedaille bei einer WM errang die Alpenrepublik 2005.

Nach deutschen Maßstäben wäre das so, als würde die DFB-Elf mehrmals hintereinander die WM-Qualifikation verpassen.

Die Presse flüchtet sich bereits in den berüchtigten Wiener Zynismus.

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"Unsere einzige Freude sind nur noch die Eishackler", jammerte ein österreichischer Journalist nach dem Rennen und verwies zum Trost auf die Erfolge des Eishockey-Teams bei der Olympia-Quali.

Stimmung verbesserungswürdig

"Es ist schon bitter. Die Leute hätten eine Medaille verdient gehabt", entschuldigte sich Kröll bei den Fans.

Doch auch die Anhänger des Gastgeberlandes zeigten sich nicht im Topform. Als mit Mayer und Franz die ersten österreichischen Fahrer enttäuschten, war schnell die Luft raus bei den Fangesängen.

Svindal taktisch klug

So auch bei Aksel Lund Svindals Triumphfahrt.

Der Norweger kam mit der unruhigen Piste am besten zurecht und distanzierte den Italiener Dominik Paris und den Franzosen David Poisson auf die Plätze.

Dabei spielte der 30-Jährige seine ganze Routine aus: "Ich habe oben Gas gegeben und bin dann unten taktisch gefahren", beschrieb er sein Erfolgsrezept.

Beachtliche Medaillensammlung

Mit seinem hoch verdienten Triumph gelang dem Gesamt-Weltcupsieger mehrfach Historisches.

Als erster Skifahrer gewann er bei vier Weltmeisterschaften in Folge Gold - insgesamt war es sein fünfter Titel - bereits sein zweiter in der Abfahrt.

Svindals Sammlung bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen beläuft sich nun auf elf Medaillen.

Vom Rekord seines Landsmanns Kjetil-Andre Aamodt, der 20 mal Edelmetall errang, wagt er aber nicht zu träumen: "Da müsste ich wohl fahren, bis ich 40 Jahre alt bin."

Keppler am Knie verletzt

Demnächst erst einmal gar nicht fahren wird wohl Stephan Keppler, der sich bei einer waghalsigen Aktion am Knie verletzte.

Wie ein Eiskunstläufer bei einer Pirouette kam er plötzlich auf einem Ski daher. Mit Glück und Geschick vermied er zwar gerade noch einen Sturz, kam aber mit einem Rückstand von 3,68 Sekunden als 24. ins Ziel.

Dort spürte er starke Schmerzen: "Das Abfangen war nicht ganz so gut, jetzt ist das Knie kaputt", befürchtete er das Schlimmste.

Nach einer eingehenden Untersuchung bestätigte sich zwar nicht der Worst Case, doch mit einer Kreuzbandzerrung sowie einem Knorpelschaden fällt Keppler nun dennoch einige Wochen aus.

Schreckensbilanz für Abfahrer

Für das deutsche Speed-Team endet die WM damit in einem Fiasko.

Sowohl Keppler als auch Tobias Stechert verließen Schladming mit einem lädierten Knie. Andreas Sander konnte wegen eines gebrochenen Fingers erst gar nicht an den Titelkämpfen teilnehmen.

Bei den deutschen Abfahrern ist die Stimmung ähnlich im Keller wie bei den Gastgebern.

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