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Richard Freitag und Severin Freund wollen einen erfolgreichen Tourneeabschluss
Richard Freitag und Severin Freund (r.) verfehlen Gold um 14,1 Punkte © getty

Freitag, Freund, Wank und Neumayer gewinnen bei der WM Silber im Teamwettbewerb. Gold geht an den Titelverteidiger.

Predazzo - Erst ein Krimi auf der Schanze, dann ein Nachspiel zum Nägelkauen: Nach einem völlig verrückten Team-Wettbewerb jubelten die deutschen Skispringer erst mit 45-minütiger Verspätung wie kleine Kinder über ihre Silbermedaille.

"Wir haben wegen dieses Durcheinanders zwar die Siegerehrung verpasst, aber das ist uns egal", sagte Severin Freund, während Richard Freitag neben ihm sein Glück kaum fassen konnte: "Wir nehmen auch Silber, dadurch sind wie jetzt umso glücklicher."

Erst lange nach dem Ende des Wettbewerbs profitierten die DSV-Adler von einer Zurückstufung der zunächst zweitplatzierten Norweger.

"Sie haben es verdient"

"Man stellt sich gar nicht vor, wie schwer Rechnen ist", sagte Bundestrainer Werner Schuster lächelnd. Statt Bronze gab es nach einem Wettkampf voller Hochspannung plötzlich Silber. "Das freut mich riesig für die Jungs, sie haben es verdient", sagte Schuster.

Grund für das Chaos: Mehrere Springer waren im ersten Durchgang aus einer andere Luke gestartet, als für die Berechnung der Punkte danach gewertet wurde. Dies fiel den Österreichern auf, der DSV legte schließlich noch während des Wettkampfs Protest ein.

So entstand eine unerwartete Zwangspause. Kurios: Auf dem Treppchen freuten sich zunächst nur die überlegenen Sieger aus Österreich.

Feier mit den Kombinierern

Als Platz zwei des deutschen Teams dann endlich offiziell war, brachen bei Freund, Freitag, Andreas Wank und Michael Neumayer alle Dämme.

"Heute Abend bei der Zeremonie in der Stadt wollen wir noch ein paar Emotionen mitnehmen und dann mit den Kombinierern feiern", sagte Freitag, der als Schlussspringer den polnischen Weltmeister Kamil Stoch in Schach gehalten hatte: "Das gibt mir Mut, Kraft und Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben. Wir wollen weiter an den Österreichern kratzen und dafür trainieren."

Polen knapp dahinter

Mit 1121,8 Punkten fehlten dem DSV-Quartett am Ende 14,1 Zähler auf die Austria-Adler, allerdings war auch der Vorsprung auf den Dritten Polen (1121,0) denkbar knapp.

Norwegen kam nach der Neuberechnung nur noch auf 1117,3 Punkte und ging als Vierter leer aus. Letztmals hatte die deutsche Mannschaft von der Großschanze 2001 in Lahti auf dem Podest gestanden, als Sven Hannawald und Martin Schmitt den deutschen Vierer sogar zu Gold geführt hatten.

Austria-Serie hält

Aufatmen durften die Österreicher, die fast schon unter Siegzwang standen: Zum siebten Mal in Folge holten die Austria-Adler bei einem WM-Teamspringen die Goldmedaille.

Gregor Schlierenzauer, Thomas Morgenstern, Wolfgang Loitzl und Manuel Fettner verhinderten damit auch die `Schmach" einer WM ohne jeden Titel. Das hatte die Alpenrepublik zuletzt 2003 erlebt - in Val di Fiemme.

DSV-Adler starten gut

Das DSV-Quartett hatte im Wettkampf von Beginn an vorne mitgemischt: Startspringer Wank flog mit Aufwind auf starke 135,5 Meter und brachte das DSV-Team auf Rang zwei, Freund (122 m) hielt anschließend die Platzierung.

"Wir sind ganz gut gestartet", sagte Bundestrainer Werner Schuster: Nach Routinier Neumayer (123,5 m) und Freitag (130 m) ging es denkbar knapp in die kurze Pause: Mit 563,5 Punkten lag das DSV-Team unmittelbar hinter Norwegen (567,2) und Österreich (564,5) auf Platz drei.

Fettner mit dem Kunststück

Auch im zweiten Durchgang blieb es spannend: Wank (126,5) ließ erneut bei der Landung Punkte liegen, ehe Freund (125,0) das DSV-Team mit einem durchschnittlichen Sprung zurück auf Rang zwei brachte. (DATENCENTER: Der Weltcup)

Ein Kunststück der besonderen Art gelang Manuel Fettner: Der Österreicher verlor nach der Landung einen Ski, rettete sich aber auf einem Beim über die Sturzlinie und bekam keine Abzüge. `Da kann man nur gratulieren", sagte auch Schuster.

Neumayer (126,0) verlor den zweiten Platz an Norwegen, auch Freitag konnte das nicht wieder gutmachen. Doch dann begann das große Nachrechnen - und am Ende durfte das DSV-Team doch noch die große Silberparty starten.

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