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Spaß muss sein: Felix Neureuther mit Biathlon-Star Magdalena Neuner © imago

Felix Neureuther, einziger deutsche Weltklasse-Skirennfahrer, äußert sich bei Sport1 über Talente, Ziele und Vater Christian.

Von Wolfgang Kleine

München - Während die deutschen Ski-Alpin-Damen immer wieder für gute Ergebnisse sorgen, sieht es bei den Herren eher mau aus.

Einzig Felix Neureuther, Sohn von Rosi Mittermaier und Christian Neureuther, hält die deutschen Fahnen hoch.

Im Sport1.de-Interview spricht der 24-Jährige, dessen Bundestrainer Christian Scholz jüngst so schwer mit dem Rad verunglückte, über die Misere im deutschen alpinen Ski-Zirkus der Herren, die jungen nachwachsenden Talente und seine Ziele für die kommende Saison.

Der Garmischer sagt aber auch, wie wichtig sein Vater für die bisherige Karriere war und ist.

Sport1: Vergangenes Jahr waren Sie - betrachtet man die Weltklasse - ein deutsches Ein-Mann-Team. Kann man für diese Saison darauf hoffen, dass noch mehr Leute nach vorne fahren? Wie ist ihr Eindruck nach dem Sommertraining?

Felix Neureuther: Es gibt schon ein paar Junge, die wirklich vorne rein fahren können und im Training einen guten Eindruck hinterlassen. Dann gibt es noch einen Stefan Kogler im Slalom. Er ist letztes Jahr in der Slalomwertung des Europa-Cups Dritter geworden. Er hat ein super Potential.

Sport1: Was halten Sie von Andreas Sander? Er ist ja eines der wenigen Nordlichter, die die Klasse erreicht haben. Er ist Junioren-Weltmeister geworden. Kann er den Sprung schaffen oder fehlt da noch der letzte Biss?

Neureuther: Er kann sicher den Sprung schaffen. Aber, er ist ein junger Bursche, er ist Jahrgang 1989, also 19 Jahre alt. Der braucht jetzt einfach noch Zeit, um Erfahrung zu sammeln. Aber er kann es absolut schaffen, er ist letztes Jahr nicht umsonst Junioren-Weltmeister geworden. Ich habe mit ihm auch dieses Jahr zusammen trainiert. Als Nordlicht da ganz vorne rein zu fahren, das wäre noch einmal eine Extra-Klasse.

Sport1: Hat er sogar noch ein größeres Talent als der Leverkusener Martin Fiala?

Neureuther: Das kann ich schlecht sagen, weil ich Martin Fiala nicht kannte, als er so alt war wie der Andreas Sander. Aber ist es ja immerhin schon einmal super, dass wir in der Abfahrt einen Jungen haben, der Potential nach oben hat.

Sport1: Zu Ihnen: Was haben Sie im Gegensatz zur vorherigen Saison noch im Sommertraining oder auch im Hinblick auf das Schneetraining geändert? Gab es neue Ansätze?

Neureuther: Ich habe meine Kraft- und Ausdauerwerte noch einmal verbessert. Vom Material her - Atomic hat ziemlich umgerüstet. Da hatten wir sehr viel zu testen. Ich denke aber, wir haben diese Saison absolutes Top-Material. An der Technik haben wir noch ein bisschen was verfeinert.

Sport1: Lief das Sommertraining gut?

Neureuther: So, wie es im Sommertraining bisher gelaufen ist, bin ich eigentlich in absoluter Top-Form. Ich fühl mich wahnsinnig gut, ich fühl mich fit und ich hoffe natürlich, dass es bis zum Winter so bleibt und auch über den Winter hinaus. Vor allem, dass ich auch ohne Verletzungen durchkomme.

Sport1: An der fehlenden Nervenstärke lag es ja meist nicht. War es eher die Nachlässigkeit?

Neureuther: Ja, schon. Nachlässigkeit und so ein bisschen Übermut. Ich habe letztes Jahr teilweise Sachen probiert, die vom Angriffsrisiko her einfach nicht gehen. Aus solchen Fehlern muss ich aber auch lernen. Ich bin jetzt 24 Jahre alt. Ich habe noch ein paar Jahre vor mir und ich hab einige Fehler gemacht in meiner Karriere, auch wenn es um einen Angriff ging, aber daraus muss man auf jeden Fall lernen.

Sport1: Was haben sie dazugelernt?

Neureuther: Dieses Spiel zwischen Angriff und Durchkommen, das habe ich jetzt in dieser Saison noch besser gelernt. Letzte Saison bin ich bei keinem einzigen Rennen ausgeschieden, habe zwar immer wieder Riesen-Fehler eingebaut, bin aber trotzdem nicht ausgeschieden. Mit der Sicherheit gehe ich in die nächste Saison rein. Streckenweise mit mehr Risiko, streckenweise mit ein bisschen weniger Risiko. Und dann sieht es, glaube ich, ganz gut aus.

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